Krankenkassen rücken Abrechnungsbetrügern auf die Pelle

Erfurt.  Im Gesundheitswesen werden jährlich Milliardenbeträge umgesetzt. Die Kassen wollen jetzt noch genauer auf die Abrechnungen von Ärzten schauen.

Krankenkassen machen künftig gemeinsam Front gegen Abrechnungsbetrug und Korruption durch Ärzte.

Krankenkassen machen künftig gemeinsam Front gegen Abrechnungsbetrug und Korruption durch Ärzte.

Foto: Alexander Heinl / dpa-tmn

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Mehrere Thüringer Krankenversicherungen wollen gemeinsam Abrechnungsbetrug und Korruption von Ärzten bekämpfen. Eine Vertrag regele erstmals kassenübergreifend das Vorgehen für alle Versorgungsbereiche, also Krankenhäuser, Niedergelassene und Pflege, heißt es in einer Erklärung. Mit von der Partie sind ein Dutzend gesetzliche Kassen, darunter die AOK plus, der Verband der Ersatzkassen (vdek), zu dem Barmer und Techniker-Krankenkasse gehören, sowie die Thüringer IKK classic. Unter anderem will man gemeinsam gegenüber der Staatsanwaltschaft auftreten und die Schadensregulierung koordinieren.

Kassenärztliche Vereinigung zeigt sich überrascht

Nahezu bei allen Krankenkassen überprüfen eigene Abteilungen mögliche Verdachtsfälle. Ärzte beklagen allerdings schon länger einen zunehmenden Kontrollwahn der Kassen und ihres Medizinischen Dienstes (MDK). Dadurch würden Milliarden Euro verschwendet, die Bürokratie befeuert und Ärzte unter Generalverdacht gestellt. Im Zusammenhang mit möglichen Mehrkosten durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hatte es beispielsweise aus dem AOK-Verbandes geheißen, man werde die Zuschläge für offene Sprechstunden „ins Säurebad der Abrechnungsprüfung“ legen.

Einen Zusammenhang wiesen Thüringer Kassen-Vertreter zurück. Man suche nach schwarzen Schafen im Gesundheitswesen, dabei helfe der Austausch von Erfahrungen, sagte AOK-Sprecherin Hannelore Strobel. Bei der Barmer verweist man auf den GKV-Spitzenverband, der 2018 einen deutlichen Anstieg sowohl bei Hinweisen als auch bei der strafrechtlichen Verfolgung von ärztlichem Fehlverhalten registrierte, wobei die Pflege zuletzt an die erste Stelle rückte. „Wir nehmen das Thema sehr ernst, denn es geht um das Geld der Solidargemeinschaft. Alle Versicherten sind aufgerufen, Fehlverhalten im Gesundheitswesen zu melden“, sagt Landeschefin Birgit Dziuk.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zeigte man sich überrascht, eine Vorab-Information habe es nicht gegeben. „Sofern es um echte Betrugsfälle geht, ziehen wir alle an einem Strang. Die Fallzahlen sind aber so niedrig, da reicht es, wenn sich bei den Kassen eine Bearbeitungsstelle für alle darum kümmert“, sagte KV-Sprecher Veit Malolepsy.

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