Leser Fragen - Experten antworten: Umgangsrecht im Quarantäne-Fall eher eingeschränkt

Weimar.  Die Corona-Krise hat weitreichende Folgen für nahezu alle Lebensbereiche. Daraus ergeben sich viele Fragen, die wir für unsere Leser zur Beantwortung an die Experten weitergeben.

Paket-Boten haben Hygiene-Bestimmungen einzuhalten.

Paket-Boten haben Hygiene-Bestimmungen einzuhalten.

Foto: Malte Christians / dpa

Die Corona-Pandemie hat weitreichende Folgen für nahezu jeden Lebensbereich. Für unsere Leser ergeben sich daraus viele Fragen, um deren Beantwortung wir Experten bitten: Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Ich habe mich mit meinen beiden Kindern in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten und muss mich deshalb mit mit ihnen 14 Tage in Quarantäne begeben. Meine Ex-Frau will das aber nicht akzeptieren und die Kinder unter allen Umständen sehen. Die allgemeinen Festlegungen seien ihr egal, sie habe ein Recht darauf, die Kinder zu treffen. Darf sie sich über die Verfügungen hinwegsetzen?

Ulrike Grosse-Röthig, Fachanwältin für Familienrecht: Tatsächlich kommen gerade viele Fragen in Zusammenhang mit Corona und dem Umgangsrecht von Eltern. Grundsätzlich gilt, dass Quarantäneverfügungen von allen Personen einzuhalten sind, in Ihrem Fall also auch von der Mutter Ihrer Kinder. Sollte sie darauf bestehen, müsste sie sich im Anschluss an den Umgang ihrerseits in freiwillige Quarantäne begeben. Eine feste Regelung in Bezug auf die „Wochenendsumgangseltern“ besteht nicht. In Bezug darauf muss wohl das Kindeswohl als Maß herhalten. Umgang darf das Kindeswohl nicht gefährden. Da wird das Umgangsrecht eher einzuschränken sein. Aber gegebenenfalls werden das die Gerichte zu entscheiden haben.

Was tun die Paketdienstleister, um zu verhindern, dass das Virus bei der Paketzustellung übertragen wird?

Friedemann König; Sprecher der Hermes Germany GmbH: Alle unsere Servicepartner werden ausführlich über die notwendigen Hygienemaßnahmen informiert und ausdrücklich dazu aufgefordert, diese zu beachten und einzuhalten. Die Kommunikation erfolgt mehrsprachig. Zudem kann jeder Kunde seine Lieferung ohne jeglichen physischen Kontakt erhalten: Unsere Zusteller legen das Paket vor der Wohnungstür ab und treten zwei Schritte zurück. Der Empfänger unterschreibt mit dem eigenen Stift auf dem Label des Pakets und tritt wieder zurück, so dass der Zusteller mit dem Scanner ein Foto von der Unterschrift machen kann. Möglich ist aber auch, das Paket an einen sicheren Wunsch-Ablageort liefern zu lassen, so dass gar kein persönlicher Kontakt stattfinden muss. Diesen Ablageort kann man unter https://www.myhermes.de/service/dauerhafter-wunschablageort beantragen. Auch in denjenigen unserer Paketshops, die weiter geöffnet bleiben, ist eine kontaktlose Abholung möglich.

Überlebt das Coronavirus auf dem Zeitungspapier? Und sollte ich die Zustellung deshalb nicht lieber für die Dauer der Pandemie aussetzen?

Mathias Pletz, Infektionsmediziner am Universitätsklinikum Jena: Bislang gibt es keinerlei Hinweise auf Übertragungen durch Papier. Die Verbreitung über Tröpfchen ist der Hauptübertragungsweg. Es müsste schon eine sehr große Zahl an Viren am Papier haften, damit überhaupt eine Ansteckung erfolgen kann. Man spricht hier von Viruslast auf Oberflächen. Ich gehe nicht davon aus, dass etwa ein Zusteller, der die gerollte Zeitung steckt, zu einer Verbreitung beiträgt. Auch auf Geld ist die Übertragung sehr unwahrscheinlich. Liest man in Wartezimmern Zeitschriften, die eine etwas andere Oberfläche haben, sollte man wie sonst auch vermeiden, sich ins Gesicht zu fassen. Alle bisherigen Infektionen sind auf direkte Kontakte mit Infizierten zurückzuführen.