Neuer Höchstwert bei Corona-Tageszahlen – Wieder neun Risikogebiete in Thüringen

Erfurt.  Der bisherige Höchstwert bei täglichen Corona-Neuinfektionen ist in Thüringen deutlich übertroffen worden. Zudem ist ein weiterer Landkreis als Risikogebiet eingestuft worden.

Die Staatskanzlei meldete am Sonntag 256 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden (Symbolbild).

Die Staatskanzlei meldete am Sonntag 256 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden (Symbolbild).

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Nach einem neuerlichen sprunghaften Anstieg der Neuinfektionen am Wochenende wird die Corona-Situation in Thüringen zunehmend kritisch. Weite Teile Thüringens waren am Sonntag auf der Corona-Landkarte rot gefärbt. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Die für die Einstufung als Risikogebiet entscheidende Marke von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen hatten am Wochenende die Landkreise Hildburghausen und Schmalkalden-Meiningen sowie die Städte Erfurt und Jena übersprungen. Die Stadt Gera lag zunächst am Samstag über diesem Wert, rutschte aber nach den Zahlen des Berliner Robert Koch-Instituts am Sonntag wieder darunter in den gelben Bereich. Die Zahl der Risikogebiete lag damit bei neun.

Die Stadt Erfurt sagte wegen der kritischen Situation ihren diesjährigen Weihnachtsmarkt ab. Die Entscheidung fiel am Sonntag nach einer Krisensitzung, wie die Stadt mitteilte. „Das Infektionsgeschehen in der Stadt lässt uns keine andere Wahl mehr“, begründete Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) die Entscheidung. Die Absage ist Teil einer neuen Allgemeinverfügung, die die Stadt am Montag auf ihrer Internetseite veröffentlichen will und bis zum 30. November gelten soll. Damit wird auch eine Sperrstunde in der Gastronomie zwischen 23 Uhr abends und fünf Uhr morgens eingeführt.

Sämtliche Feste oder Tanzveranstaltungen werden verboten

Der Einzelhandel darf in dieser Zeit keine alkoholischen Getränke verkaufen. Kulturelle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen werden auf maximal 25, unter freiem Himmel auf 100 Personen beschränkt. Sämtliche Feste oder Tanzveranstaltungen werden verboten. Das betrifft neben dem Weihnachtsmarkt auch das in Erfurt immer groß gefeierte Martinsfest auf dem Domplatz. Privatfeiern müssen auf maximal zehn Teilnehmer aus maximal zwei Haushalten beschränkt werden. Verschärft wird auch die Maskenpflicht.

Am Sonntag wurde in Thüringen mit 256 der bisherige Tageshöchstwert bei Neuinfektionen erreicht, 100 neue Fälle mehr als am Vortag. Wegen der Entwicklung sieht die Stadt Jena Handlungsbedarf bei der Landesregierung. Die Stadt erwarte eine Verschärfung der Corona-Verordnung des Landes, sagte ein Sprecher am Sonntag. Die Gesundheitsämter seien am Limit. „Die Situation ist kurz vor dem Kippen.“ Dies könne die Landesregierung nicht ignorieren, der rechtliche Rahmen müsse angepasst werden.

Aktuell allerdings keine Verschärfung dieser Verordnung geplant

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist aktuell allerdings keine Verschärfung dieser Verordnung geplant. „Trotz der Situation funktionieren die Strukturen“, sagte ein Sprecher am Sonntag. Am Dienstag werde sich das Kabinett mit der aktuellen Lage befassen. In Thüringen gibt es neben der Landesverordnung noch ein Pandemie-Eindämmungskonzept für die Landkreise und kreisfreien Städte, mit dem diese auf die Situation vor Ort reagieren sollen.

Auch Jena will in einer neuen Allgemeinverfügung unter anderem bei Privatfeiern in Räumen nur noch zehn Personen aus zwei Haushalten zulassen. Die Verfügung werde derzeit erarbeitet und solle ab Dienstag gelten. Im Kreis Hildburghausen müssen sich die Menschen auf Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum, Einschränkungen bei Veranstaltungen und eine verschärfte Maskenpflicht einstellen, wie das Landratsamt am Sonntag ankündigte.

Die Stadt Weimar hat die Vorwarnstufe von 35 Neuinfektionen überschritten

Besonders schwer betroffen ist derzeit der Saale-Holzland-Kreis, wo der Sieben-Tage-Wert bei Neuinfektionen am Sonntag bei 96,4 lag. In dem Kreis mit 83.000 Einwohnern hat es in den vergangenen sieben Tagen 80 neue Fälle gegeben. In Erfurt und im Landkreis Schmalkalden-Meiningen geht eine größere Zahl von Neuinfektionen jeweils auf Ausbrüche in zwei Pflegeheimen zurück. Risikogebiete sind außerdem die Landkreise Altenburger Land, Eichsfeld, Unstrut-Hainich und Sömmerda. Die Stadt Weimar hat die Vorwarnstufe von 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen am Sonntag überschritten. In einer Krisensitzung soll am Montag über das weitere Vorgehen entschieden werden, teilte die Stadt am Sonntag mit.

In den vergangenen sieben Tagen haben sich 878 Menschen in Thüringen mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert, 5802 Thüringer sind es seit Pandemiebeginn. 202 Menschen starben im Zusammenhang mit der Infektion. 440 gelten als genesen. 27 werden aktuell auf Intensivstationen von Krankenhäusern behandelt.

In Erfurt hatten am Samstag etwa 100 Menschen auf dem Domplatz gegen Corona-Schutzmaßnahmen demonstriert, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte. Weil sie gegen die Auflagen des Gesundheitsamtes verstoßen und keinen Mund-Nasen-Schutz-getragen hätten, sei den Veranstaltern der Strom abgedreht und die Veranstaltung beendet worden.