OP-Roboter: Kliniken in Thüringen investieren in die Medizin der Zukunft

Erfurt  Während in Jena schon seit 2011 Patienten damit behandelt werden, nehmen in Erfurt demnächst zwei Maschinen die Arbeit auf. Kritiker bemängeln die hohen Kosten des Systems.

Christian Weidemann, Chefarzt im Kollegialsystem der Klinik für Urologie und Kinderurologie am KKH Erfurt, trainiert derzeit am OP-Roboter.

Christian Weidemann, Chefarzt im Kollegialsystem der Klinik für Urologie und Kinderurologie am KKH Erfurt, trainiert derzeit am OP-Roboter.

Foto: Ingo Glase

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Mit millionenschweren Investitionen bereiten sich die Thüringer Krankenhäuser auf die Medizin der Zukunft vor. So können sie einerseits ihren Patienten die bestmögliche Behandlung anbieten, anderseits sich selbst im hart umkämpften Markt gut positionieren. Denn kleine Kliniken dürften bei den großen Summen kaum mithalten können: Mehr als eine Million Euro kostet der OP-Roboter Da Vinci, der weltweit die Operationstechnik revolutioniert. Die Folgekosten liegen zudem bei mehreren hunderttausend Euro pro Jahr.

Wobei der Begriff OP-Roboter irreführend ist: „Der Arzt operiert, nicht der Roboter“, versichert Jörg Pertschy, der Ärztliche Direktor des Katholischen Krankenhauses Erfurt, in dem derzeit Thüringens zweiter OP-Roboter steht. Über spezielle Griffe und Pedale steuert der Arzt die vier Arme des Gerätes, die viel beweglicher und absolut zitterfrei arbeiten. „Die ganzen Vorteile der minimal-invasiven Chirurgie – weniger Aufwand, kleinere Narben, kürzere Klinik-Aufenthalte, schnellere Heilung – , werden weiter verbessert“, so Pertschy. Im KKH absolvieren die Ärzte derzeit ein umfassendes Einarbeitungsprogramm am neuen OP-Roboter, Ende des Monats sollen die ersten Patienten damit operiert werden.

Da Vinci ist auch in anderen Thüringer Kliniken ein Thema

Die innerstädtische Konkurrenz, das Helios-Klinikum Erfurt, hat den Einsatz eines solchen Gerätes für das kommende Jahr angekündigt. Auch in weiteren Thüringer Kliniken ist der Da Vinci ein Thema. „Über kurz oder lang gehört ein OP-Roboter zur Grundausstattung eines guten Krankenhauses. Da wollen wir Vorreiter sein“, begründet Jörg Pertschy die Investition. Bundesweit sind derzeit rund 160 solcher Geräte im Einsatz – Tendenz steigend.

Am Universitätsklinikum Jena (UKJ) ist solch ein Roboter der früheren Generation bereits seit 2011 im Einsatz, erst in der Urologie, dann in der Thoraxchirurgie, die auch Lunge und Brustkorb behandelt. Im vergangenen Jahr haben die Jenaer Herzchirurgen den OP-Roboter sogar für Eingriffe an der Mitralklappe im Herzen eingesetzt. „Damit gehörte das UKJ zu den ersten Kliniken in ganz Deutschland, bei denen diese Technik für Eingriffe an den Herzklappen zum Einsatz kommt“, erklärte Chefarzt Torsten ­Doenst.

Kritiker bemängeln hohe Kosten

Auch am Katholischen Krankenhaus Erfurt wird der OP-Roboter anfangs in der Urologie zum Einsatz kommen, etwa bei Behandlungen der Prostata. Ende des Jahres sollen weitere Einsatzgebiete folgen, etwa die Allgemeinchirurgie und die Gynäkologie. Doch bevor es soweit ist, werden die Operateure und die Mitglieder der OP-Teams aufwendig geschult. Für Internet-Kurse und Geräteschulung, Hospitationen und Simulationstraining, Einarbeitung in anderen Kliniken und die ersten, durch einen erfahrenen Betreuer begleiteten Operationen, sind mehrere Wochen veranschlagt. Erst dann dürfen die Erfurter Mediziner selbstständig mit dem Roboter operieren.

Kritiker bemängeln die hohen Kosten des Systems, neben dem Anschaffungspreis von mehr als einer Million Euro vor allem die hohen Folgekosten. So können die jeweiligen Instrumente wie Schere und Skalpell nur zehnmal eingesetzt werden. Dies führe zu wesentlich höheren Kosten als bei herkömmlicher ­OP-Technik.

Um den OP-Roboter geht es beim TA-Forum Gesundheit am 22. Oktober um 17 Uhr im KKH Erfurt. Der Eintritt ist frei.

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