Rezeptfälscher aus Brandenburg waren jahrelang in Thüringen aktiv

Mühlhausen  Ein Apotheker-Ehepaar steht wegen Rezeptfälschung vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen klagt an: Die Bande mit Sitz in Brandenburg war jahrelang in Thüringen aktiv.

Ein Apotheker-Ehepaar und eine Mitarbeiterin sollen mit erschlichenen Patientenakten und gefälschten Rezepten Krankenkassen betrogen haben. Symbolfoto: Uli Deck/dpa

Ein Apotheker-Ehepaar und eine Mitarbeiterin sollen mit erschlichenen Patientenakten und gefälschten Rezepten Krankenkassen betrogen haben. Symbolfoto: Uli Deck/dpa

Foto: Uli Deck/dpa

Einer bundesweit agierenden Bande von Rezeptfälschern, die auch in Thüringen jahrelang aktiv war, wird ab dem 24. Oktober vor dem Amtsgericht Nordhausen der Prozess wegen Betruges gemacht.

Die Bande um ein Apotheker-Ehepaar aus Brandenburg hatte aus einer medizinischen Datenbank vertrauliche Patienteninformationen gestohlen und damit Rezepte für teure Medikamente gefälscht. Auch die Unterschriften der Ärzte wurden manipuliert. Die Rezepte wurden in Apotheken im gesamten Bundesgebiet eingelöst. In Thüringen seien unter anderem Apotheken in Weimar, Gera, Nordhausen, Meiningen und Waltershausen betroffen gewesen, berichtet der MDR.

Die ergaunerten Präparate wurden auf verschiedene Weise versilbert. Entweder wurden sie über die Apotheke in Brandenburg, die als Großhändler fungierte, an andere Apotheken verkauft. Oder das Apothekerpaar rechnete die Medikamente gegenüber Krankenkassen ab.

Ermittler haben Spur der Bande seit Jahren verfolgt

Von mehr als 200 Betrugsfällen und einem kriminellen Gewinn von mehreren hunderttausend Euro ging die Staatsanwaltschaft Mühlhausen nach Auskunft ihres Sprechers Dirk Germerodt gegenüber unserer Zeitung anfänglich aus. Die Anklage umfasst einen Bruchteil davon: 45 Betrugsfälle im Zeitraum zwischen September 2015 und Mai 2019. Daraus resultiert ein Schaden von 80.000 Euro.

Seit Jahren hatten Nordthüringer Ermittler die Spur der Bande verfolgt. Den ersten Tipp erhielten die Kriminalisten von einer Person aus der Gegend von Nordhausen. Deshalb ermittelte die regional zuständige Staatsanwaltschaft Mühlhausen in diesem bundesweit verzweigten Fall. Mitte Mai 2019 schlugen die Ermittler zu. 60 Beamte der Landespolizeidirektion Nordhausen und vier Staatsanwälte durchsuchten zeitgleich acht Wohnungen in Thüringen und Brandenburg.

Das Apothekerehepaar, etwa 60 Jahre alt, sitzt seither in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen. Die junge Mitarbeiterin, die ebenfalls angeklagt ist, wurde aus der U-Haft entlassen. Die junge Frau hat ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.