So sind Thüringer Kliniken auf mehr Corona-Patienten vorbereitet

Erfurt.  517 Intensivtherapiebetten mit Beatmung sind inzwischen im Freistaat aufgestellt. 270 weitere können zügig hinzukommen.

Die Einweisung von Medizinern in die Bedienung eines Beatmungsgerätes gehört zu den Vorbereitungen in der Corona-Krise.

Die Einweisung von Medizinern in die Bedienung eines Beatmungsgerätes gehört zu den Vorbereitungen in der Corona-Krise.

Foto: Axel Heimken / dpa

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Die Zahl der Corona-Infizierten steigt – kommt diese Woche der befürchtete Sturm? „Würden wir die Dunkelziffer der Infizierten kennen, könnten wir Ansteckungsrate und mögliche schwere Verläufe beziffern, doch keiner kennt diese Dunkelziffer“, sagt Infektiologe Mathias Pletz vom Uniklinikum in Jena. Schätzungen gingen von Dunkelziffer-Faktoren zwischen 7 und 20 aus, einige sogar von Faktor 100. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Nach wie vor seien die Experten überrascht, wie exponentiell sich die Pandemie entwickele. Thüringens Kliniken sind vorbereitet. „Derzeit sind 517 Intensivbetten mit Beatmung aufgestellt, weitere 270 können in den Krankenhäusern in 24 Stunden folgen“, sagt Frank Schenker, Sprecher des Gesundheitsministeriums. Freie Beatmungskapazitäten würden täglich abgefragt, zum Wochenende waren über 300 gemeldet. Derzeit gehe man von einer Verdopplung der Beatmungskapazitäten aus.

„Das Bundesgesundheitsministerium hat weitere Beatmungsgeräte angekündigt. Thüringen hat einen Bedarf von 780 zusätzlichen Geräten gemeldet“, sagt Frank Schenker. In den Krankenhäusern nehme man die Krise ernst. Eine Umfrage unter ausgewählten Kliniken zeigt: Man nimmt die Krise ernst.

Klinikum Altenburger-Land: Drei Stationen wurden umstrukturiert, teilt Kliniksprecherin Christine Helbig mit. „Damit haben wir im Notfall etwa 90 freie Betten für Corona- und Influenza-Patienten mit leichteren Symptomen.“ Für schwere Verläufe in der Intensivmedizin stehen 50 Betten zur Verfügung. Mit normalerweise 19 Beatmungsgeräten könnte die Klinik im Notfall auf 31 Beatmungsbetten hochfahren.

Robert-Koch-Krankenhaus Apolda: Laut Geschäftsführer Uwe Koch stellt man sich seit Januar auf mögliche Eskalationsstufen ein. Eine separate Station für Covid-19-Patienten ohne schwere Symptome sowie Patienten in Abklärung wurde eingerichtet und baulich angepasst. Die Intensivkapazitäten wurden von 7 auf 9 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeiten erweitert. Schutzausrüstung, Medikamente und Desinfektionsmittel habe man in Eigenregie sichergestellt.

Helios-Klinikum Erfurt: Für den Fall, dass die Zahl zu isolierender Patienten innerhalb kürzester Zeit ansteigt, sind laut Kliniksprecherin Sylvia Kreyßel-Minar in in einem separaten Gebäudeteil rund 200 Betten für nicht-beatmungspflichtige Patienten vorgesehen. „Darüber hinaus verfügen wir aktuell über knapp 40 Intensivbetten mit Beatmung. Die Kapazität kann in 24 Stunden im Rahmen eines Stufenkonzepts verdoppelt werden.“

SRH-Kliniken Gera und Waltershausen: Laut SRH-Sprecherin gibt es in Gera ein autonomes Corona-Zentrum mit Notaufnahme in einem leergezogenen Bettenhaus. Die Intensivstation verfügt über 36 Betten, nicht dringliche Operationen sind verschoben. 100 fachfremde Ärzte und 80 Pflegekräfte wurden zusätzlich intensivmedizinisch geschult. Auch in Waltershausen wurden separate Bereiche eingerichtet. Die Zahl der Intensivbetten/Beatmungsplätze für schwere Verläufe verdoppelte sich auf 13. Eine Station mit 33 Betten wird als Isolierstation vorgehalten.

Uniklinikum Jena: Thüringens größtes Krankenhaus wurde auf einen vertretbaren Notbetrieb umgestellt, sagt Medizin-Vorstand Jens Maschmann. Im stationären Bereich liegt die Auslastung bei 50 Prozent, sonst sind es 90. Man setze auf ein Stufenkonzept. Fürs erste sind zur Beatmung 25 plus 29 Betten verfügbar, mehr ist möglich. Die Isolierstation wurde um eine weitere aufgestockt und für Covid-19-Verdachtsfälle vorgesehen. „Das entspricht einer Verdreifachung der Kapazität“, so Maschmann.

Auch Kliniken ohne Intensivtechnik stehen für begleitende Behandlungsaufgaben bereit. Operationen wurden teils eingestellt, Rehakliniken teils komplett für den Notfall freigeräumt. So die Klinik Charlottenhall in Bad Salzungen, wo sonst Kinder und Jugendliche therapiert werden. „Wir könnten sofort die Betreuung von Kindern der Ärzte und Pfleger in den Coronastationen übernehmen“, sagt Sprecher Florian Fuckel.

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