Thüringer an Impfstofftests gegen Corona beteiligt

Erfurt.  Ein modifizierter Tuberkulose-Impfstoff VPM1002 könnte schwere Covid-19-Verläufe mildern. Es werden noch Probanden gesucht.

Die großangelegte Studie soll ältere Menschen sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen umfassen (Archivbild).

Die großangelegte Studie soll ältere Menschen sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen umfassen (Archivbild).

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Das Erfurter Auftragsforschungsinstitut Socratec beteiligt sich an der weltweiten Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19. Aktuell laufe eine Phase-III-Studie, bei der ein eigentlich gegen Tuberkulose entwickeltes Mittel zum Einsatz kommt, erklärte der Medizinische Direktor von Socratec, Frank Donath, auf Nachfrage. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Forscher mehrerer Kliniken und Labors wollen herausfinden, ob der Impfstoff VPM1002 auch bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 wirksam ist. VPM1002 basiere auf einem Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelten Impfstoff namens BCG, der für die laufenden Untersuchungen modifiziert wurde. Bisherige Studien hätten gezeigt, dass der Wirkstoff nicht nur vor Tuberkulose, sondern auch vor Virusinfektionen der Atemwege schützen kann. Die Forscher hoffen, dass so schwere Verläufe von Atemwegserkrankungen wie Covid-19 abgemildert werden können.

Impfungen finden auf dem Erfurter Heliosgelände statt

Die großangelegte Studie soll ältere Menschen sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen umfassen, die besonders von der Erkrankung bedroht sind. Für letztere Gruppe suche man noch Probanden, sagte Donath. Beteiligen könnten sich Mitarbeiter von Kliniken oder Arztpraxen, in denen generell mit erhöhter Ansteckungsgefahr zu rechnen ist. Die Impfungen finden auf dem Erfurter Heliosgelände im KfH-Nierenzentrum statt, dass nicht zum Helios-Klinikum gehört. Gespritzt würden entweder der Wirkstoff oder sogenannte Placebos, also Impfdosen ohne den Wirkstoff. Anschließend werden die Teilnehmer gebeten, 240 Tage lang Tagebuch über Wirkungen und gegebenenfalls Krankheitsverläufe zu führen.

Sollten sich die erhoffte Wirkung bestätigen, könnte VPM1002 in die Massenproduktion gehen und es könnten innerhalb kürzester Zeit Millionen von Dosen bereitgestellt werden. So ließe sich die Zeit bis zu einem Impfstoff überbrücken, der dann spezifisch gegen das Sars-CoV-2-Virus wirksam ist.

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