Übersichtlich und verständlich: Das große Corona-Abc

Erfurt.  Wir erklären Begriffe, mit denen wir es plötzlich jeden Tag zu tun haben.

Das Virus verändert unseren Alltag: Wir nutzen Begriffe, die wir vorher nie gehört haben.

Das Virus verändert unseren Alltag: Wir nutzen Begriffe, die wir vorher nie gehört haben.

Foto: Grafik: Andreas Wetzel

Die Corona-Pandemie erweitert täglich unseren Wortschatz. Deshalb erklären wir Begriffe, die wir nun ständig hören:

A wie Abstrichstelle:

Damit Patienten, die vielleicht mit dem Corona-Virus infiziert sind, nicht erst in Arztpraxen oder Notaufnahmen kommen, wo sie Personal und Patienten gefährden könnten, wurden Abstrichstellen geschaffen. Diese sind nicht nur räumlich von Praxen und Kliniken getrennt und zum Beispiel in Zelten oder Turnhallen eingerichtet worden. Die Mitarbeiter, die einen Rachen-Nasen-Abstrich vornehmen, tragen auch Schutzkleidung. Mancherorts ist es inzwischen sogar möglich, mit dem Auto vorzufahren und während des Tests im Auto zu bleiben. Termine vergeben aber nur die Kassenärztliche Vereinigung unter 116 117 und die Gesundheitsämter der Kommunen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

wie Ausgangssperre: Wird eine Ausgangssperre verhängt, dann ist das ein ausnahmsloses Ausgehverbot. Niemand darf mehr öffentliche Straßen und Plätze betreten. In Deutschland wurde darauf bisher anders als etwa in Spanien verzichtet. Dafür gelten Ausgangsbeschränkungen – ein Begriff, der gewählt wurde, um zu verdeutlichen, dass es durchaus noch weitreichende Möglichkeiten zum Verlassen des Hauses gibt.

B wie Beatmung:

Funktioniert der Gasaustausch in der Lunge und damit die Atmung nicht mehr so gut, muss die Atmung unterstützt werden. Die mildeste Form ist die Zuführung von Sauerstoff über eine aufgelegte Maske oder einen dünnen Schlauch in der Nase (Nasenbrille). Die nächste Stufe nennt sich „nichtinvasive Beatmung“ und erfolgt über eine fest auf das Gesicht geschnallte Maske. Noch effektiver wird der Gasaustausch unterstützt, wenn Patienten über einen Tubus beatmet werden (invasive Beatmung). Dazu wird ein Kunststoffschlauch über den Rachen bis in die Luftröhre geschoben. Das nennt man Intubieren. Voraussetzung dafür ist ein künstliches Koma.

C wie Corona:

Das ist der umgangssprachlich häufig verwendete Begriff für das Virus, dessen offizieller Kurzname SARS-CoV-2 ist. Dieser steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2“, was auf Deutsch „Schweres akutes Atemwegssyndrom Coronavirus 2“ heißt. Zuvor wurde es auch 2019-nCoV (2019-novel Corona virus – Neuartiges Coronavirus 2019) sowie Wuhan-Coronavirus genannt.

wie Covid-19: Das ist eine Infektionskrankheit, die durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht wird und im Dezember erstmals beim Menschen identifiziert wurde. Das Virus führt zu einer Atemwegserkrankung mit trockenem Husten und Fieber, die in 85 Prozent der Fälle leicht verläuft. In schwereren Fällen kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Das Virus wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen übertragen.

D wie Desinfektion:

Desinfektion ist mehr als Reinigung. Denn sie greift nicht nur den sichtbaren Schmutz, sondern auch unsichtbare Keime an, tötet Bakterien und Sporen, inaktiviert Viren. Dazu gibt es verschiedene Verfahren, wie etwa das Auskochen mit Wasser. Im Alltag genügt gründliches Händewaschen mit Seife und für mindestens 20 Sekunden. Für eine Händedesinfektion, wie sie im Krankenhaus vorgeschrieben ist, müssen die Hände mit einer Lösung eingerieben werden.

E wie elektive Eingriffe:

In der Medizin sind damit Behandlungen gemeint, die nicht zwingend notwendig im Sinne von lebensrettend sind, für die sich Arzt und Patient aber entscheiden. Der Begriff „elektiv“ deutet dabei auf die Wahlmöglichkeit hin. Dazu gehören Operationen, bei denen das Knie- oder Hüftgelenk erneuert wird. Die Krankenhäuser sollen derzeit auf elektive Eingriffe verzichten, um Kapazitäten für einen Massenanfall von Covid-19-Patienten zu schaffen und zum anderen OP-Schutzbekleidung zu sparen.

H wie Hamsterkäufe:

Erst waren es Konserven, Küchenrolle und Klopapier, dann Mehl und Hefe – mithin Waren des täglichen Bedarfs, mit denen sich einige Menschen in großer Menge bevorratet haben. Zum Glück ist das Phänomen des Hortens meist zeitlich begrenzt. Denn es hat nicht nur zur Folge, dass viele Käufer leer ausgehen; wenn etwa Klopapier wie in den USA durch zerschnittene T-Shirts oder Feuchtpapier ersetzt wird, schadet das der Kanalisation. Und damit letztlich allen.

wie Herdenimmunität: Das Internetlexikon Wikipedia bezeichnet Herdenimmunität als eine indirekte Form des Schutzes vor einer ansteckenden Krankheit. Sie tritt auf, wenn ein Großteil der Bevölkerung die Infektion überstanden hat und damit immun gegen den Erreger ist, so dass immer weniger Mitbürger dadurch angesteckt werden können. Wie lange im Fall des neuartigen Coronavirus die Immunität anhält, ob lebenslang oder nur für wenige Monate, das wissen die Wissenschaftler noch nicht.

wie Homeschooling: Hausunterricht durch Eltern oder Privatlehrer war bisher in Deutschland nicht nur verpönt, sondern auch fast unmöglich. Es besteht eine Schulpflicht. Damit soll auch sichergestellt werden, dass alle Kinder in den Genuss von Bildung kommen. Derzeit ist jedoch – mit Ausnahme der Notbetreuung von Kindern in Schulen und Kitas – nur häuslicher Unterricht möglich. Das benachteiligt die Kinder, deren Eltern sie bei den Schularbeiten nicht betreuen können oder wollen.

I wie Impfung:

Weltweit arbeiten Wissenschaftler mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen Covid-19. Allerdings wird es vermutlich noch Monate dauern, bis er verfügbar ist. Denn selbst dann, wenn die Forscher ein Präparat entwickelt haben, muss durch ein mehrstufiges Verfahren aus vorklinischen und klinischen Studien garantiert werden, dass der Impfstoff nicht nur wirksam ist, sondern auch sicher. Obendrein wird es eine Zeit dauern, den Impfstoff in der benötigten Menge herzustellen. Allerdings spielt den Entwicklern ihre Vorarbeit in die Hände: Die nahe Verwandtschaft des Coronavirus zu MERS-CoV ermöglicht es, teilweise auf bereits vorhandene Vorfahren und Impfstoff-Bauteile zurückzugreifen.

wie Inkubationszeit: Das ist die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Infektionskrankheit. Bis es die ersten Symptome gibt, kann es einige Tage dauern. Beim neuen Corona-Virus beträgt die Inkubationszeit maximal 14 Tage. Deshalb werden Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert.

K wie Kurzarbeit:

Vorübergehende Verringerung der regelmäßigen Arbeitszeit, wenn die wirtschaftliche Lage schlecht ist. Damit Arbeitnehmer dennoch ihren Lebensunterhalt bestreiten können, zahlt die Bundesagentur für Arbeit ein Kurzarbeitergeld. Dessen Höhe richtet sich danach, wie hoch der finanzielle Verlust ist. Grundsätzlich werden rund 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgeltes bezahlt – wer Kinder im Haushalt hat, bekommt rund 67 Prozent. Allerdings muss der Arbeitgeber Kurzarbeit anzeigen.

N wie Notbetreuung:

Seit der Schließung der Thüringer Kindergärten und Schulen am 17. März werden nur noch Kinder betreut, deren Eltern zum Beispiel mit der Versorgung von Kranken und Pflegebedürftigen betraut sind. Am 26. März wurden die Kriterien noch einmal angepasst: Mussten zunächst beide Eltern in der notwendigen Infrastruktur beschäftigt sein, genügt es jetzt, wenn es nur ein Elternteil ist. Zudem wurden in die Notbetreuung auch Kinder aufgenommen, bei denen das aus Gründen des Kinderschutzes besser ist.

P wie Pandemieplan:

Da nicht vorhergesagt werden kann, wann es zu einer Pandemie, also einer weltweiten Epidemie durch ein neuartiges Virus, kommt, sind Vorbereitungen auf diesen Fall von großer Bedeutung. Denn sobald eine Pandemie auftritt, können dann vorher festgelegte Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. In Deutschland gibt es einen Nationalen Pandemieplan als Grundlage für die Pandemiepläne der Länder, Kommunen und Unternehmen.

Q wie Quarantäne:

Darunter ist eine behördlich angeordnete und zeitlich befristete Isolierung von Menschen oder Tieren zu verstehen, bei denen der Verdacht besteht, an bestimmten Infektionskrankheiten zu leiden und damit Überträger dieser Krankheit zu sein. Bei nachweislich Infizierten mit leichten Krankheitsverläufen und deren direkten Kontaktpersonen kann das Gesundheitsamt eine Unterbringung in häuslicher Quarantäne veranlassen. Zudem kann eine solche Quarantäne für Rückkehrer aus Risikogebieten angeordnet werden. Übrigens: Ausgesprochen wird Quarantäne mit „K“ und nicht mit „Kw“ wie bei Quark.

R wie Resilienz:

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Resiliente Menschen sind bereit, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, anstatt sich als Opfer der Umstände zu fühlen. Das Gute ist: Resilienz lässt sich lernen.

wie Robert-Koch-Institut (RKI): Das RKI ist eine deutsche Bundesbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Als Einrichtung der Gesundheitspflege hat es die Gesundheit der Bevölkerung im Blick und ist eine zentrale Forschungseinrichtung der Bundesrepublik. Der Präsident des Institutes, Lothar Wieler, informiert derzeit täglich in einer Pressekonferenz über die neueste Entwicklung zum Corona-Virus in Deutschland.

S wie Spikes:

Das ist der Begriff für die nach außen ragenden keulenförmigen Strukturen an der Oberfläche von Corona-Viren. Sie haben Ähnlichkeit mit Gewürznelken, wie sie zu Weihnachten gern in die Schale von Orangen gesteckt werden.

wie Sterblichkeitsrate: Sie bezeichnet die Anzahl der Todesfälle bezogen auf eine bestimmte Personenzahl. Die Sterblichkeitsrate durch das Corona-Virus variiert derzeit stark zwischen den betroffenen Ländern. Einen Grund dafür sieht die Weltgesundheitsorganisation beispielsweise in den unterschiedlichen Bedingungen, der Altersstruktur, den medizinischen Möglichkeiten und – nicht zuletzt – in der Anzahl der durchgeführten Tests bei Lebenden und, je nach Land, auch bei Toten.

wie Systemrelevanz: Systemrelevant ist alles, was für das Funktionieren der Gesellschaft unerlässlich ist. Zu diesen Berufen gehören nicht nur Ärzte, sondern unter anderem auch Pflegekräfte, Lkw-Fahrer und Spediteure, Verkäufer, Reinigungskräfte, Polizisten und Erzieher, Mitarbeiter in der Energie- und Wasserversorgung sowie von Mobilfunkanbietern. Während Ärzte in der Regel ein hohes Ansehen genießen und ein sehr gutes Einkommen haben, verdienen viele andere Menschen in systemrelevanten Berufen im Schnitt sehr schlecht.

T wie Triage:

Darunter ist bei einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten die strukturierte Einstufung nach der Schwere ihrer Erkrankungen oder Verletzungen, um die begrenzten personellen und materiellen Ressourcen am besten aufzuteilen, gemeint. Der Begriff kommt aus der Militärmedizin. Er ist in aller Munde, weil es in einigen Regionen bereits mehr beatmungspflichtige Patienten als Beatmungsplätze und -geräte gibt.

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