Warum Thüringen seine Impfmeldungen mit Zeitverzug verschickt

Erfurt.  Aus Thüringen werden die aktuellen Corona-Impfzahlen noch immer per E-Mail an das Robert-Koch-Institut gesendet. Bisher werden nur dringend benötigte Daten übermittelt.

Bei einer Impfung werden auch persönliche Daten der geimpften Person erfasst. (Symbolfoto)

Bei einer Impfung werden auch persönliche Daten der geimpften Person erfasst. (Symbolfoto)

Foto: Hans Pennink / dpa

Zweieinhalb Wochen nach dem bundesweiten Impfstart am 27. Dezember liegt Thüringen, was seine Impfquote betrifft, zwar nicht mehr auf dem letzten Tabellenplatz. Trotzdem gibt es noch immer Meldeprobleme, die das Land in erster Linie für die bislang magere Bilanz verantwortlich gemacht hat. Nach wie vor werden die Impfzahlen nicht direkt auf digitalem Weg von den Krankenhäusern oder Impfteams an das Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt, sondern mit zeitlichem Verzug per Mail.

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In der Praxis läuft das so, dass die Kliniken ihre Zahlen jeweils bis zum Nachmittag an das Thüringer Gesundheitsministerium übermitteln. Das Ministerium fasst diese Angaben zusammen und mailt sie jeweils zwischen 17 und 18 Uhr an das RKI. Dabei wird allerdings nur ein Minimaldatensatz erfasst (Anzahl der geimpften Personen und Indikation), nicht aber die eigentlich vom RKI für ein umfassendes Impf-Monitoring vorgesehenen insgesamt zehn Parameter, zu denen unter anderem der Geburtsmonat und das -jahr des Impflings, sein Geschlecht und sein Wohnort gehören. Ein differenziertes Bild etwa über Altersgruppen oder Regionen ist damit nicht möglich.

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Die Impfungen in den Pflegeheimen, die von mobilen Impfteams vorgenommen werden, und später auch die der Impfstellen zählt wiederum die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen zusammen, die ihrerseits die Zahlen täglich per Mail zwischen 0 und 1 Uhr an das RKI und in Kopie auch an das Thüringer Gesundheitsministerium sendet. Am frühen Morgen werden die von den Krankenhäusern und der KV gemeldeten Zahlen schließlich im Ministerium addiert und spätestens bis 8 Uhr auf der Internetseite und in den sozialen Medien veröffentlicht. Das RKI hingegen aktualisiert seine Webseite gegen 13 Uhr.

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Es klemmt an der Schnittstelle

Was aber ist der Grund für dieses umständlich anmutende Procedere? RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher zufolge ist es die Tatsache, dass die Bundesländer noch "Wünsche an die am 27. Dezember fertige und auch funktionsfähige Monitoring-Software hatten, die sowohl bei den Ländern als auch im RKI noch umgesetzt werden müssen". Nur ein einziges Bundesland mache bisher von der automatischen Übermittlung der Daten Gebrauch, alle anderen übermittelten den Minimaldatensatz per Mail ans RKI und müssten die fehlenden Daten später, wenn die Schnittstelle funktioniert, nachliefern.

Am Dienstag vermeldete Thüringen insgesamt 12.517 Impfungen, was 5,9 Impfungen pro 1000 Einwohner entspricht. Damit liegt der Freistaat nunmehr vor Schlusslicht Bremen (6999 Impfungen) und dem Saarland (10.130). Die meisten Personen wurden der RKI-Statistik zufolge bisher in Bayern (135.986) und in Nordrhein-Westfalen (124.637) geimpft, in Sachsen und Sachsen-Anhält zudem jeweils fast doppelt so viele wie in Thüringen.

Derweil sind am Dienstag im zentralen Impfstofflager des Landes die erste 1200 Impfdosen des zweiten Impfstoffs von Moderna angekommen. Bis Ende Februar soll Thüringen insgesamt 26.400 weitere Dosen dieses Impfstoffs erhalten, der wie der von BioNTech zweifach verimpft werden muss.