Im Hainich-Dün von „Käfersammlern“ lernen

Johanna braun
| Lesedauer: 4 Minuten
Die Delegation aus Indonesien beobachtet alles ganz genau.

Die Delegation aus Indonesien beobachtet alles ganz genau.

Foto: Eckhard Jüngel

Wachstedt  Gruppe aus Indonesien recherchiert im Biodiversitäts-Exploratorium Hainich-Dün für die eigene Forschung.

Eine ungewöhnliche Reisegruppe trieb sich da am Dienstagmittag im Wald bei Wachstedt herum. Es waren Mitglieder des Indonesischen Umwelt- und Forstministeriums, teilweise direkt aus dem Ministerium, teilweise aus nationalen Behörden aus Sulawesi. Zu diesen gehören der Lore Lindu Nationalpark, die Wassereinzugsgebiets-Management-Behörde von Palu-Poso (Zentral Sulawesi) sowie die Behörde für Gemeindewald.

Sie waren zu Gast, um sich die Arbeit im Biodiversitäts-Exploratorium Hainich-Dün anzusehen. Die Forschungseinheiten, wie sie dort im Wald aufgebaut sind, dienen der Untersuchung der Biologischen Vielfalt in Deutschland und gehören zu dem multidisziplinären Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt die Entwicklung des Nationalparks Lore Lindu in Sulawesi Tengah in Indonesien seit drei Jahren. Das Geld dafür kommt, basierend auf einem Regierungsabkommen, vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das beinhaltet eine Förderung des Nationalparks und der Pufferzone. Also es werden auch Maßnahmen umgesetzt, die beispielsweise Menschen, die in und um den Park leben, Arbeit verschaffen.

Gerade nach dem Erdbeben vom 28. September vergangenen Jahres und den damit verbundenden Erdrutschen, die auch den Nationalpark betrafen, sei solche Hilfe wichtig, erklärte Bernd Unger. Er führte die Exkursion an, arbeitet für eine Essener Consulting Firma und ist in Indonesien der Chief Technical Advisor des KfW-Vorhabens „Sulawesi 3“.

Er selbst brauchte keinen Übersetzer, trotzdem hatte die Gruppe eine Dame dabei, um auch mit Christoph Kleinn kommunizieren zu können. Er ist der Abteilungsleiter für Waldinventur und Fernerkundung des Burckhardt Institutes an der Fakultät Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen.

Denn neben der Entwicklung des Nationalparks selbst war der KfW auch daran gelegen, eine wissenschaftliche Komponente dort zu etablieren. So zeigte die lokale Managerin des Biodiversitäts-Exploratoriums Hainich-Dün, Juliane Vogt, der Gruppe die Insektenfallen, die am Baum hängend oder an Totholz angebracht, Auskünfte über die Artenvielfalt in einem bewirtschafteten Wald geben sollen. Die „Käfersammler“ kommen einmal im Monat, um die Fallen zu leeren, alles wird aufgezeichnet und in einer Datenbank eingetragen, auf die alle involvierten Wissenschaftler Zugriff haben.

Artenvielfalt untersuchen – da haben die Wissenschaftler in Indonesien sicher mehr zu tun als ihre deutschen Kollegen, denn wie Christoph Kleinn am Beispiel der Bäume deutlich macht: „Hier finden wir vielleicht fünf Arten auf einem Hektar. In Indonesien werden es bis zu 100 sein.“

Der Ausflug war insofern interessant für die Gruppe, fasst dann Christoph Kleinn zusammen, als dass sie verstanden haben, dass es nicht reicht, einfach ein paar Flächen abzustecken und drauflos zu forschen. „Es braucht auch die Infrastruktur dahinter. Hier steht die Erkenntnis, dass es zum einen Geld kostet so etwas durchzuführen und dass es auch langfristig angelegt sein muss.“

Trotzdem war sich Bernd Unger sicher, dass mit einer Anschubfinanzierung von der KfW, das Ziel einer langfristigen, ähnlichen Forschung im Nationalpark Lore Lindu zu etablieren sei. Das Ganze aber im kleineren Stil.

Man verspreche sich dank diesem Anstoß in Zukunft einen Effekt, der mit dem Pflanzen eines Samens zu vergleichen sei, so Bernd Unger. Passieren erst einmal durchdachte und koordinierte Experimente vor Ort, kommen andere Wissenschaftler nach Sulawesi und mit ihnen weiteres Geld für eine langfristig angelegte Forschung.

Biodiversitäts-Exploratorien:

Biodiversitäts-Exploratorien sind Forschungseinheiten zur Untersuchung der biologischen Vielfalt in Deutschland. Die Exploratorien sind ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziertes Verbundprojekt, das bisher größte Wissenschaftsprojekt zur funktionellen Biodiversitätsforschung in Deutschland. Hainich-Dün ist so ein Exploratorium. Die beiden anderen sind die Schwäbische Alb und die Schorfheide-Chorin bei Berlin. Auf insgesamt über 300 Untersuchungsflächen forschen 300 Mitarbeiter von 50 Institutionen aus ganz Deutschland, aber auch zum Beispiel aus Jerusalem, Wien und Bern. Die Forschungsergebnisse werden regelmäßig verglichen und münden unter anderem in einer Jenaer Online-Plattform, auf die alle beteiligten Wissenschaftler Zugriff haben. Lokale Manager koordinieren die Forschungsarbeiten. Für das Exploratorium Hainich-Dün ist deren Sitz in Mülverstedt, im Hainich Nationalpark.