Jugendliche lernen historisches Kunsthandwerk

Mühlhausen  Winterferien-Seminar für 19 junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr der Denkmalpflege in der Jugendkunstschule. Jugendbauhütte bereits seit 2003 engagiert

Maximilian Knötig und Fabian Laschlernen bei Andreas Brinkel, wie sie ihre geritzten Kunstwerke auf handgeschöpftes Büttenpapier drucken. Foto: Sascha Willms

Maximilian Knötig und Fabian Laschlernen bei Andreas Brinkel, wie sie ihre geritzten Kunstwerke auf handgeschöpftes Büttenpapier drucken. Foto: Sascha Willms

Foto: zgt

In einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) loten jährlich Tausende Jugendliche ihre Fähigkeiten und Interessen aus, wenn nach der Schule die Frage nach dem Berufsweg konkret wird. Begehrt ist bei vielen das FSJ Denkmalpflege, das die Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz anbieten.

Seit der Gründung 2003 haben alleine in Thüringen mehr als 300 Jugendliche die Möglichkeit genutzt, die Pflege historischer Gärten, die Restaurierung von Baudenkmälern, Bildern und Kunstwerken oder die Techniken der Archäologie kennenzulernen.

Das Winterferienseminar in der Mühlhäuser Jugendkunstschule gehört längst zum festen Bestandteil des FSJ, sagt Jens Hasert, Leiter der Thüringer Bauhütte in Mühlhausen.

Denn wer Pflege und Restaurierung beherrschen will, muss auch wissen, wie die Radierungen und Stiche entstanden sind und wie aus Ton Kunstwerke und Gefäße werden. Seit mehr als 600 Jahren gibt es etwa den Tiefdruck, ein Vervielfältigungsverfahren, mit dem schon Albrecht Dürer seine Radierungen auf Papier druckte. Andreas Brinkel, freischaffender Künstler aus Remstädt, sorgt dafür, dass es nicht verloren geht.

Vom Entgraten der Zinkplatten, dem Grundieren und Ätzen bis zum spiegelverkehrten Einritzen der eigenen Zeichnung und schließlich dem Druck waren die Jugendlichen selbst gefragt. Motivation war das sich abzeichnende Ergebnis, wie die fein gezeichneten Augenpaare von Antonia Schürgens, die ihr FSJ bei einem Gothaer Restaurator absolviert. Auch die 19-jährige Laura Wiemers ließ ihrem künstlerischen Talent freien Lauf. Ihr Einsatzort ist die KZ-Gedenkstätte in Buchenwald.

Mit rund 30 Unternehmen arbeite man derzeit in Thüringen zusammen, um das FSJ zu ermöglichen, erläuterte Jens Hasert. Neben der Zeit dort gibt es immer wieder gemeinsame Projekte, wie die Arbeit der FSJler im Niederdorlaer Opfermoor oder am ehemaligen Hospital St. Andreas in Großengottern. In Zusammenarbeit mit dem aktiven Förderverein gehen dort in diesem Jahr die Restaurierungsarbeiten am Spittel weiter.

In sechs Seminarwochen absolvieren die jungen Menschen, die ansonsten über den Freistaat verstreut arbeiten, während der zwölf Monate immerhin 35 Bildungstage. Während der gemeinsamen Projekte lernen sie sich besser kennen, so Hasert weiter. Selbst in der Denkmalschutzbehörde in Arnstadt gebe es das Angebot. Dort ist Lucas Fritschka tätig, der in der Werkstatt von Marion Walther mit der Modellierschlinge an einer Ton-Büste arbeitet.

Die Mühlhäuser Künstlerin zeichnet sich unter anderem für die Gestaltung der Courage-Preise verantwortlich und fertigte mit den Jugendlichen außerdem Reliefplatten mit Ornamenten, die später im doppelten Brennverfahren bei rund 1200 Grad eine Glasur erhielten.

Das FSJ Denkmalpflege wird von den Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz angeboten. Träger ist der Bundesverein Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd), finanziert wird es mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Gerade hat wieder die Bewerbungsfrist für den nächsten Jahrgang begonnen.

Bewerbung und Information gibt es in der Jugendbauhütte Mühlhausen, Bastmarkt 37, 99974 Mühlhausen, Tel. (03601) 889123 oder per Mail an fjd.th@ijdg.de

Zu den Kommentaren