Kein Lebenszeichen von Borsty – Schicksal des Wildschweins ungewiss

Ilfeld  Vor einem Jahr sollte das Wildschwein von Waldemar Soff aus Ilfeld auf den Sondershäuser Possen umziehen. Doch das Tier, das Kuchen liebte, türmte. Was danach geschah, ist ungewiss.

Am liebsten schlief die Bache bei ihrem Ziehvater im Wohnzimmer auf der Couch.

Am liebsten schlief die Bache bei ihrem Ziehvater im Wohnzimmer auf der Couch.

Foto: Doreen Hotzan

Es ist das letzte Bild, das Waldemar Soff von Borsty geblieben ist. Es sich anzuschauen, schmerzt den Ilfelder allerdings noch immer. Es zeigt das von ihm einst mit der Flasche aufgezogene Wildschwein, wie es in einem Anhänger steht. „Das war am 16. Mai 2018 um 11 Uhr“, sagt der 57-Jährige. Ein Tag, an den sich Waldemar Soff nicht gern zurück erinnert.

Denn vor genau einem Jahr sollte die Bache eigentlich in den Freizeitpark auf dem Possen umziehen, um dort in einer Rotte mit ihresgleichen zu leben. Waldemar Soff wollte nicht, dass Borsty geht. „Aber mir blieb keine andere Wahl“, meint er rückblickend. Denn das Ordnungsamt der Gemeinde untersagte ihm die Haltung des Wildschweines, das „gemäß Thüringer Wildtier-Verordnung ein gefährliches Tier ist“.

Weiterhin wurde er darauf hingewiesen, dass gefährliche Tiere nur gehalten werden dürfen, wenn „ein beruflicher oder besonderer wissenschaftlicher Bedarf vorliegt.“ Das war nicht der Fall.

Borsty büxte kurz nach der Abfahrt aus dem Anhänger aus

Aber seinen Zögling töten zu lassen, kam für den Tierliebhaber nicht in Frage. Also stimmte er dem Vorschlag von Harztor-Bürgermeister Stephan Klante (CDU) zu, dass Borsty künftig auf dem Possen leben wird. Die Bache jedoch hatte anscheinend keine Lust auf den Umzug, büxte schon kurz nach der Abfahrt aus dem Anhänger aus und rannte in den Wald nahe dem Haus ihres Ziehvaters in der Uferstraße.

Versuche, den Ausreißer wieder einzufangen, wurden laut Waldemar Soff nicht unternommen. Er habe aber damit gerechnet, dass seine Bache zu ihm zurückkommt, eines Tages plötzlich vor seiner Gartentür steht – so wie früher, als sie schon einmal weggelaufen war. „Aber sie kam nicht“, bedauert der Ilfelder.

Dennoch sei Borsty zunächst nicht völlig aus seinem Leben verschwunden. „Ich habe sie gefüttert“, sagt er und zeigt auf die Futterstelle nahe seinem Haus. Waldemar Soff installierte zudem eine Wildtierkamera – in die sein Wildschwein auch tappte. „Da war sie häufig in Begleitung von zwei Bachen zu sehen, eine von ihnen hatte eines Tages auch Frischlinge dabei“, so der 57-Jährige.

„Vielleicht ist sie geschossen worden oder hat Frischlinge“

Aber seit Oktober vergangenen Jahres gibt es kein Lebenszeichen mehr von Borsty, die Ende Mai zwei Jahre alt wird. „Vielleicht ist sie geschossen worden oder hat Frischlinge“, vermutet Waldemar Soff. Er glaubt nicht mehr daran, die Bache jemals wiederzusehen. Geblieben sind ihm nur jede Menge Fotos und Erinnerungen von seinem Wildschwein, das am liebsten auf der Couch im Wohnzimmer schlief und eine Schwäche für Kuchen hatte.

Auch heute wird Waldemar Soff viel an seine Borsty denken – bei einer Radtour, bei der er alleine seinen Gedanken nachhängen kann. Ein neues Wildtier kommt ihm aber nicht mehr ins Haus. „Das bringt nur Ärger“, meint der 57-Jährige.

Archiv: Thüringer hält Wildschwein als Haustier – Nun droht Ärger

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.