Kölledas neue Glocke wird am Freitag in Karlsruhe gegossen

Kölleda (Kreis Sömmerda). Delegation aus Kölleda ist dabei. 1150 Kilogramm Bronze sollen nach dem Auskühlen im Ton erklingen.

Kölledas Stadtglocke, die Christian Garamvölgiy (links) und Christian Beck nach dem Guss polierten, bekommt eine große Schwester. Archiv-Foto: Ina Renke

Kölledas Stadtglocke, die Christian Garamvölgiy (links) und Christian Beck nach dem Guss polierten, bekommt eine große Schwester. Archiv-Foto: Ina Renke

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Schlag 15 Uhr wird Freitag in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe eine Glocke für Kölleda gegossen. Glocken gießt man eigentlich immer um diese Zeit und an einem Freitag. So ist es Glockengießer-Tradition.

„Es ist die Todesstunde Jesu. Die Stunde, wenn aus etwas Irdischem Göttliches wird. Dann wird auch aus normalem Metall eine wohlklingende Bronzeglocke“, sagt Simon Westermann. Er ist in dem mit einer Traditionslinie bis 1725 aufwartenden badischen Unternehmen Geschäftsführer für Arbeitsvorbereitung und Konstruktionen.

Lehmform ist fertig, Ofen seit 3 Uhr bestückt

Seit etwa drei Monaten arbeiten sie bei Bachert schon an der (besser für die) Kölledaer Glocke. Die Lehmform wurde bereits gefertigt, heute noch ganz so wie in alter Zeit aus Lehm, Wasser, Kälberhaaren und Pferdemist. Schicht für Schicht.

Die Gestaltung der Glocke übernahm im Auftrag der Kölledaer die Künstlerin Annett Schulz aus Neinstedt im Harz. Ein Bibelvers (Johannes 11, 25) wird die Glocke zieren: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“

Das Metall für die Glocke lagert schon geraume Zeit in Karlsruhe. Die Kölledaer hatten es gleich gekauft, als sie das Geld dafür zusammen hatten. Ein weiser Entschluss. Auch die Marktpreise für Kupfer und Zinn entwickeln sich nur in eine Richtung. Sie steigen.

78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn werden heute zu Glockenbronze verschmolzen.

Seit 3 Uhr in der Nacht haben sie heute bei Bacherts den Ofen beladen. 12 Stunden braucht es, bis alles für den Glockenguss bereit ist. Reinkupfer schmilzt bei 1083 Grad Celsius,

Bis dahin sollten auch die Kölledaer es nach Karlsruhe geschafft haben. Auf die Bahn haben sie sich vorausschauend-vorsichtig nicht verlassen und kommen per Bus. Die evangelische Kirchgemeinde hat einen gechartert. 6 Uhr in der Frühe sollte es losgehen.

Gegossen wird am Nachmittag – nach einer Führung und einem Vortrag – die neue große Glocke für das fünfstimmige Stadtgeläut der Wippertus-Kirche. 1150 Kilogramm schwer wird sie ungefähr sein und mit dem Ton es‘ läuten.

Das ist schon eine ordentlich große Glocke, aber für die Bacherts keine ungewöhnliche Aufgabe. Sicher, die, die sie zur 1225-Jahrfeier Kölledas in den Abendstunden des 25. Juni 2011 gleich dort auf dem Marktplatz gegossen haben, war wesentlich kleiner. Aber angefangen vom 20-Kilo-Winzling bis zum 8-Tonnen-Kaventsmann gießen sie in Karlsruhe alles. „8000 Kilogramm ist derzeit so das Maximale, was wir mit unserem Ofen gießen können“, sagt Simon Westermann. Letztes Jahr haben sie für Lüneburg eine 7-Tonnen-Bronzeglocke gefertigt. „Die größte je in Karlsruhe gegossene Glocke hatte 13000 Kilo“, weiß der Fachmann.

Sieben Bachert-Glocken läuten zum Beispiel in Dresdens Frauenkirche, drei im Stephansmünster von Breisach, weitere in Straßburgs Thomaskirche (Frankreich), in der Pfarrkirche St. Johann in Höchst (Österreich) und in Santa Creu (Spanien) sowie auch in Übersee.

„Die über Jahrhunderte gesammelten Erkenntnisse und neueste Forschung erlauben uns heute, Glocken auf den Nominal (ein Sechzehntel-Ton) genau zu gießen“, verspricht Seniorchef Albert Bachert.

Bis die Kölledaer den Ton ihrer großen Glocke werden hören können, wird es noch dauern. Gut Ding will Weile haben. Auch eine Glocke. Nach dem heutigen Guss muss sie eingegraben in der Erde ruhen, darf nur ganz langsam auskühlen, damit keine Risse entstehen.

„Wir wünschen, dass der Guss gut gelingt“, sagt Christian Beck, der den Anstoß zum Kölledaer Glockenprojekt gab.

Vorfreude auf das Wippertusfest in 2016

Zum Wippertusfest im nächsten Jahr könnte das komplette Geläut im Kirchturm hängen und läuten. Die kleineren Schwestern der einzig noch nicht vorhandenen großen 1150-Kilo-Glocke (es‘) bringen es auf 500 (as‘), 380 (b‘), 220 (des‘‘) und 190 (es‘‘) Kilogramm.

Das fünfstimmige Bronzeglocken-Geläut soll dann das Eisenhartguss-Geläut von 1947 ablösen, das in den Tönen h‘, a‘ und f‘ klingt und die im Krieg eingeschmolzenen bronzenen Vorgänger ersetzte.

„Dann wird unser Geläut wieder so klingen wie Achtzehnhundertund“, sagt Christian Beck. „Das wird toll!“

Für ihn würde sich damit ein großer Traum erfüllen.

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