Kulturwald auf dem Weimarer Ettersberg

Landkreis  Bürgerinitiative hat beim Schutz des Waldes nördlich von Weimar Thüringens Bündnis-Grüne auf ihrer Seite

Die BI „Pro Ettersberg“ mit Landespolitikern der Grünen an der Prinzenschneise.

Die BI „Pro Ettersberg“ mit Landespolitikern der Grünen an der Prinzenschneise.

Foto: Jens Lehnert

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Gemeinderäte von Ettersburg und Ramsla haben der Bürgerinitiative (BI) „Pro Ettersberg“ bereits ihre Unterstützung versichert, um das Waldgebiet auf dem Ettersberg zu schützen. Zu Wochenbeginn warb die BI bei Thüringens Bündnis-Grünen darum, dass der Forst in Zukunft schonender bewirtschaftet wird. Schließlich handele es sich bei einem Großteil des 1573 Hektar großen Areals um Landeswald.

Die Initiative hatte am Montag die grünen Landtags-Abgeordneten Olaf Müller und Roberto Kobelt an die Prinzenschneise eingeladen – der eine wirtschafts-, der andere forstpolitische Sprecher der Fraktion. Hier hielt die BI den Parlamentariern vor Augen, welche Eingriffe die Holzernte in den vergangenen beiden Wintern auf dem Ettersberg hinterlassen hatte. Vor allem verwiesen die Bürger auf die zahlreichen Rückegassen, die mit schwerem Gerät angelegt worden waren.

Gleich vielfach sei der Schaden, der hierdurch entstand: Durch die Maschinen sei der Boden extrem verdichtet worden. Das behindere neues Wachstum und die Feuchte-Regulierung im Erdreich. Zudem gehe dem Wald durch die Schneisen der Schutz vor extremen Wetterbedingungen verloren – vor zu starker Nässe, Trockenheit und Wind. So seien einige Buchen entlang der Rückegassen während der jüngsten Stürme umgestürzt.

Die schnurgeraden Gassen, die sich mitten im Forst in kurzen Abständen auftun, stören überdies die Ruhe im Wald. Auf den baumlosen Pfaden können sich Geräusche von außen ungehindert den Weg bahnen. Das wiederum setzt Vogelarten zu, die hier heimisch sind. Und nicht zuletzt widerspreche es dem naturnahen Tourismus, dem historischen Erbe und dem ästhetischen Empfingen, den Wald etwa entlang der Prinzenschneise „in Scheiben zu schneiden“.

Die Bürgerinitiative strebt es deshalb an, den Wald auf dem Ettersberg nach dem „Lübecker Modell“ bewirtschaften zu lassen – ohne den Einsatz schwerer Harvester-Technik, dafür verstärkt mit Rückepferden. Zudem solle die Menge des geernteten Holzes begrenzt werden. Um eine Petition an den Landtag auf den Weg zu bringen, muss die Bürgerinitiative 1500 Unterschriften sammeln. Gut 500 stehen inzwischen auf ihren Listen.

Roberto Kobelt betonte, dass Thüringens Grüne für naturnahe Waldnutzung eintreten. „Viele Bürger in ortsnahen Wäldern sind unzufrieden mit deren Bewirtschaftung“, so Kobelt. Dass der Thüringen-Forst in großem Stil ernte, sei dessen wirtschaftlichen Zwängen geschuldet. Sache des Landes sei es, diese Situation durch die bessere finanzielle Ausstattung zu entspannen.

Zudem können sich die Bündnis-Grünen vorstellen, dass das Land auf dem Ettersberg das Pilotprojekt eines Kulturwaldes initiiere. „Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass in der nächsten Saison hier die Erntemaschinen ruhen. Aber die Sensibilisierung wird wirken“, so Kobelt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.