Verurteilter Mörder tot in seiner Zelle in Tonna gefunden

Erfurt/Tonna  Es ist der erste Suizid in einer Thüringer Haftanstalt seit sechs Jahren. Der Straftäter saß seit 2006 ein.

Foto: Peter Michaelis, JVA, Justizvollzugsanstalt Tonna, ZelleArchiv-Aktualisierung für EIDOS Foto: Peter Michaelis intern

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Zum ersten Mal seit sechs Jahren ist es in einem Thüringer Gefängnis zur Selbsttötung eines Insassen gekommen: Wie das Thüringer Justizministerium mitteilte, wurde am Sonntagmorgen ein 40-Jähriger tot in seiner Zelle aufgefunden. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft hätten nach ihren Ermittlungen ein Fremdverschulden ausschließen können – der Gefangene habe sich allein in der Zelle befunden. Er war wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden und saß seit zehn Jahren in Tonna ein.

In den sechs Thüringer Gefängnissen, in denen derzeit insgesamt 1698 Gefangene einsitzen, starben seit dem Jahr 2000 zwar 42 Häftlinge, 20 davon aber eines natürlichen Todes. Zuletzt hatte im Jahr 2010 ein Häftling Selbstmord begangen, 2009 hatten sich in Thüringen gleich fünf Inhaftierte das Leben genommen – die höchste Zahl seit dem Jahr 2000. Vor allem in der Zeit nach der Urteilsverkündung gelten Häftlinge als gefährdet. Gesellen sich zu diesem Haftschock noch das Gefühl, fast nichts mehr selbst regeln zu können, sowie Suchtprobleme, familiäre und finanzielle Sorgen, ist das Risiko eines Suizides besonders hoch.

In der 2002 in Betrieb genommenen JVA Tonna sitzen Straftäter ein, die das erste Mal zu einer Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren verurteilt wurden, aber auch Verurteilte, die zum wiederholten Mal ins Gefängnis mussten und nun im Regelvollzug eine Strafe von wenigstens zweieinhalb Jahren absitzen. Aus Sicht von Gefängnisseelsorger Dietmar Niesel sind Gefangene nicht nur direkt nach der Einweisung stark suizidgefährdet, sondern auch kurz vor der Entlassung. Denn dann sei die Angst groß, es draußen, ohne die festen Strukturen in der Haft, nicht mehr zu schaffen.

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