Lediglich acht Strom-Steckdosen für bis zu dreißig Wohnmobile

Weimar  Camper sehen gleich mehrfach Nachbesserungsbedarf auf dem sichtlich gefragten Weimarer Hermann-Brill-Platz

Die Stromsäule auf dem Caravan-Parkplatz reicht derzeit nicht für alle Camper aus. Foto: Jens Lehnert

Die Stromsäule auf dem Caravan-Parkplatz reicht derzeit nicht für alle Camper aus. Foto: Jens Lehnert

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Als Fahrer eines Wohnmobils ist man nicht von Hause aus breit aufgestellt. Man braucht Ellenbogen und Geduld, insbesondere in Weimar. Zwar sind die Zeiten vorüber, da Gäste mit Caravan auf dem Stadionvorplatz entlang der Baumreihe nur eine sehr begrenzte Zahl an Stellflächen vorfanden. Doch auch auf dem nun größeren Camper-Refugium in Nachbarschaft der Judo-Halle blüht noch die Konkurrenz – so etwa um den Stromanschluss.

Das Areal gibt Platz für bis zu 30 Wohnmobile her. Allerdings steht den Campern dort eine einzige zentrale Stromsäule zur Verfügung. Wer weiter entfernt parkt, muss ein entsprechend langes Kabel über den Platz ziehen. In die Verlegenheit, solche Stolperfallen zu verlegen, kommen jedoch längst nicht alle. Die Stromsäule bietet ohnehin nur acht Steckdosen. Und diese reichen in der Urlaubszeit bei weitem nicht aus. Denn der Parkplatz war in den vergangenen Tagen sehr gefragt.

"Wer hier dieser Tage erst nach 20 Uhr ankommt, hat in aller Regel das Nachsehen. Das ist vor allem an heißen Tagen unschön, wenn der Kühlschrank an Bord Strom braucht", sagte Sabine Engel. Sie stammt aus Weimar und zog 1992 in die alten Bundesländer. Seit vier Jahren besitzt Familie Engel ein Wohnmobil und steuert damit auch gern die alte Heimat an. Dem Vergleich mit anderen Caravan-Parkplätzen, die sie in dieser Zeit kennenlernte, halte der Weimarer jedoch nur bedingt stand – zumal er meist das Erste sei, was Wohnmobil-Touristen bei der Ankunft gezielt in der Kulturstadt wahrnehmen.

Technischer Standard sei andernorts höher

Dabei ist es nicht nur die magere Anzahl der Steckdosen, die Sabine Engel ärgert. Auch die technische Ausstattung der Stromsäule lasse zu wünschen übrig. Hat man eine freie Steckdose ergattert, wirft man einen Euro in den Münzschlitz und bekommt für sechs Stunden Strom – soweit sei das völlig normal. Allerdings, so der Rat der Camperin, sollte man sich dringlichst die Uhrzeit merken, zu der man den Automaten gefüttert hat. Eine andernorts übliche Anzeige, wie viel Restzeit bleibt, bis der Euro aufgebraucht ist und die Stromzufuhr abschaltet, gibt es in Weimar nicht.

Auch abseits der Energieversorgung sieht Sabine Engel Gründe, den Platz im Sinne der Caravan-Touristen nachzubessern. Diese gelten schließlich als vergleichsweise zahlungskräftig. Jeder Tag, den sie länger in Weimar verweilen, bedeute auch Umsatz für den Einzelhandel und die Gastronomie. Auf der Suche nach Geschäften und Restaurants sei der ortsfremde Camper auf dem Hermann-Brill-Platz jedoch weitgehend auf sich allein gestellt. Öffentliche Wegweisungen dieser Art seien hier rar.

Um die Sauberkeit des Platzes stehe es ebenso nicht zum Besten. "Wenn ich hier morgens aus dem Wohnmobil steige, muss ich aufpassen, nicht in die Scherben zerbrochener Bier- und Schnapsflaschen zu treten", weiß Sabine Engel. Und der Tag beginne für sie in Weimar meist schon in aller Frühe – allerdings ungewollt: "Um 4.30 Uhr ist hier die Nacht zu Ende. Dann rollt der Lkw-Verkehr über den Stadtring. Ausgerechnet auf Höhe des Parkplatzes wechselt der Straßenbelag. Das Rumpeln kann man nicht überhören." Etwas Abhilfe könnte aus ihrer Sicht eine Heckenbepflanzung zwischen Straße und Parkplatz schaffen.

Prinzipiell positiv sei es in Weimar, dass es auf dem Stadionvorplatz eine Ver- und Entsorgungsstation gibt, an der die Camper das Abwasser an Bord ablassen und frisches Wasser nachtanken können. Jedoch sei auch hier der Planer wohl kein Wohnmobil-Besitzer gewesen. Üblicherweise, weiß Sabine Engel aus Erfahrung, befinden sich solche Stationen auf Caravan-Plätzen etwas abseits. Beim Leeren des Abwassertanks breiten sich nun einmal Gerüche aus. In Weimar kriechen diese direkt in die Nasen der Camper, da die Anlage mitten auf dem Platz ins Erdreich versenkt wurde.

Wer hernach das Bedürfnis hat, sich duschen zu müssen – und das komfortabler, als es an Bord möglich ist -- kommt leider nicht zum Zuge. Denn Dusche und WC, die in Reiseführern noch immer für den Hermann-Brill-Platz angeführt würden, sind längst verschlossen.

Für diese Art der Unterbringung haben Wohnmobil-Touristen in Weimar pro Fahrzeug und Tag zehn Euro zu zahlen. Doch selbst um diese Einnahmen zu generieren, muss die Stadt zunächst im eigenen Interesse nachbessern. Da der Parkscheinautomat defekt ist, stehen die Wohnmobile zurzeit gratis dort.

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