Lerntrainer rät Schülern: „Schreibt euch Spickzettel!“

Ammern  Strukturiert Lernen und Wiederholen: Matthias Melzer spricht an der Grundschule Unstruttal

Auch die Funktionsweise des menschlichen Gehirnes erläuterte Matthias Melzer am Dienstagabend vor fast 100 Eltern, Lehrern und Erziehern in der Grundschule in Ammern.

Auch die Funktionsweise des menschlichen Gehirnes erläuterte Matthias Melzer am Dienstagabend vor fast 100 Eltern, Lehrern und Erziehern in der Grundschule in Ammern.

Foto: Alexander Volkmann

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„Denken Sie bitte jetzt nicht an eine Zitrone!“ – auf unterhaltsame und spannende Weise brachte Lerntrainer Matthias Melzer am Dienstagabend die Eigenheiten des menschlichen Gehirnes auf den Punkt. Nicht an eine Zitrone zu denken, während allein das Wort in der Aufforderung vorkommt? Unmöglich!

Und ebenso unmöglich ist es, ein aufgeregtes Kind am Abend vor der Mathematik-Leistungskontrolle zu beruhigen, indem man sagt: „Schlaf gut und zerbrich dir nicht den Kopf über die Mathearbeit morgen!“

Vor fast 100 Interessierten, darunter viele Eltern, Lehrer und Erzieher, sprach Melzer über Lernverhalten und Lerntypen und die Möglichkeit, das Potenzial des Gehirnes zu nutzen. Denn meistens liegen schulische Probleme nicht an mangelnden kognitiven Fähigkeiten eines Kindes, also nicht daran, den Unterrichtsstoff zu erfassen. Eher liege es am falschen Lernen und dem fehlenden Wiederholen des Stoffes, sagt Melzer. Das Gehirn habe die Fähigkeit, sich zu erweitern, erklärte er, aber auch zu schrumpfen, wenn es nicht gefordert werde.

„Wenn etwas emotional oder spannend ist, werden die Infos direkt im Langzeitgedächtnis gespeichert“, sagt der Trainer. Aber die Aufnahmekapazität ist begrenzt. Und je mehr man versuche, auf einen Schlag zu lernen, desto weniger bleibe hängen. Erlerntes benötige etwa 20 Minuten, bis es gespeichert werde. So rät Melzer auch zu einer Ruhephase nach Hausaufgaben. „Fernseher oder Computerspiele direkt nach dem Lernen überlagern alles andere und verhindern die Speicherung im Langzeitgedächtnis.“

Regelmäßig wiederholen ist unverzichtbar

Ebenso wichtig sei das strukturierte Lernen ab der ersten Klasse: Markieren von wichtigen Textstellen, Erstellen von Karteikarten.

Regelmäßige Wiederholungen seien das wichtigste Mittel, um Lernstoff zu speichern. Melzer: „Fünf bis zehn Minuten täglich zum Auffrischen reichen aus“. Das aber in der Eigenverantwortung des Schülers.

Und noch einen Tipp gibt Melzer Schülern mit auf den Weg: „Schreibt euch Spickzettel!“ Von deren Benutzung rät er allerdings ab. Jedoch sei das eine gute Methode der Wiederholung – vor allem, weil man sich schon aufgrund der Größe eines Spickzettels auf das Wesentliche reduzieren muss.

Ebenso seien gut gemachte Lernvideos oder Lern-Plattformen im Internet hilfreich, rät der Trainer. Allerdings müsse die Lerntechnik auch zum jeweiligen Kind passen. Melzer führt dabei vier Lerntypen auf: Der logisch-abstrakte Typ ist immer motiviert, besser zu sein als alle anderen. Wiederholungen langweilen ihn. Er ist ein Mathe-Ass und bestrebt, sich neues Wissen schnell anzueignen, und schafft das auch. Weil nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung diesen Typ stellen, fühlt er sich im normalen Schulalltag oftmals unterfordert.

Im Gegensatz dazu steht der emotionale Lerntyp, der regelmäßig an sich und seinen Leistungen zweifelt und es deshalb in der Schule am schwersten hat. Umso wichtiger sei es, diese Kinder zu motivieren, meint Melzer, denn sie lernen nur über Lob und Anerkennung. So könnten „kommunikative Tretminen im Kinderzimmer“, wie die Aussage von Eltern, dass man das bereits zum zehnten Mal durchgekaut habe und das Kind es immer noch nicht verstanden habe, zur absoluten Frustration führen. Aber beim Loben darauf achten: „Nicht lügen, lieber die positiven Seiten herauskehren“, rät der Experte.

Der sicherheitsliebende Lerntyp ist der ordentlichste. Er ist eher nach innen gekehrt und braucht bekannte Strukturen. Schon der Vertretungsplan bringt ihn aus dem Konzept.

Ganz anders ist es beim kreativ-chaotischen Lerntyp. Er neigt zu Oberflächlichkeit, ist unordentlich, aber geht gern zur Schule – weniger des Unterrichtes wegen, als mehr, um dabei zu sein, sich mit Freunden zu treffen und Spaß zu haben. Für Kinder aus dieser Sparte könnten spielerische Lösungen eine Einstiegshilfe für das richtige Lernen sein. Allerdings ist es so, dass sich die Charakteristiken aller Lerntypen mehr oder weniger miteinander mischen.

Über den Referenten

Matthias Melzer ist Medienpädagoge und Lerntrainer beim Verein „LVB Lernen“. Während seines Studiums beschäftigte er sich intensiv mit verschiedenen Lerntechniken, vor allem, wie Lernende effektiver und stressfreier ihr persönliches Ziel erreichen können.

Der gemeinnützige Verein aus Berlin, hat sich der Förderung der Bildung verschrieben setzt sich für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit ein.

Weitere Informationen zum Verein und den Referenten im Internet unter lvb-lernen.de

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