Mit dem Boot zur Krämerbrücke: Wasserweg durch Erfurter Innenstadt geplant

Erfurt  Der Förderverein der Buga Erfurt will ab 2021 einstündige Bootsfahrten durch die Innenstadt ermöglichen.

Ein Wasserweg durch Erfurt soll für die Buga erschlossen werden.

Ein Wasserweg durch Erfurt soll für die Buga erschlossen werden.

Foto: Marco Schmidt

Mit einem Paddelschlag setzt sich das Schlauchboot in Bewegung. Im klaren Wasser des Bergstroms gleitet es über Flusssteine und Wasserpflanzen durch den Luisenpark. Die dichte Ufervegetation steht artig Spalier.

„Wie im Spreewald“, sagt Manfred Ruge und hält das Video an. „Das ist doch fantastisch, oder?“

Wenn es nach dem Vize-Chef der Buga-Freunde geht, sollen ab 2021 auch Erfurter und Touristen in den Genuss solch einer Bootsfahrt kommen. Der Förderverein der Bundesgartenschau plant, als Buga-Attraktion und darüber hinaus Flussfahrten mitten durch das Erfurter Zentrum anzubieten. Statt eines Schlauchboots sollen dann Kähne mit je sechs bis acht Passagieren bis kurz hinter die Krämerbrücke gondeln.

Das Video ist Teil der Machbarkeitsstudie „Erfurt vom Wasser erleben“, die das Ingenieurbüro Kleb im Auftrag der Buga-Freunde angefertigt hat. Die Studie zeigt, dass der Bergstrom vom Papierwehr bis zur Schildchensmühle mit einigen Anpassungen durchgängig beschiffbar wäre.

Damit nimmt ein Projekt, das Ruge schon in seiner Zeit als Oberbürgermeister als Attraktion vorschwebte, konkrete Züge an. „Es war schon immer ein Traum, Erfurt aus einem anderen Blickwinkel erlebbar zu machen“, sagt er. „Aus dem Blickwinkel des Wassers.“

Das Konzept geht von flachen, 50 Kilogramm schweren Kunststoff-Kastenbooten ohne eigenen Antrieb aus. Sie sollen in Fließgeschwindigkeit und von dem einen oder anderen Paddelstoß des Bootsführers unterstützt die Strecke in etwa einer Stunde zurücklegen. Transporter am Ausstieg bringen die Boote zurück.

Ingenieur Thomas Kleb untersuchte alternativ auch den Walkstrom, auf dem das jährliche Entenrennen stattfindet. Weil die alte Stadtmauer im Bereich des Brühler Gartens aber einen zu niedrigen Durchlass hat, fiel die Wahl auf den Bergstrom.

Die Hindernisse auf dieser Route lassen sich aus dem Weg räumen, zeigt die Studie. Dazu gehören zwei Rohre, die recht flach über den Fluss führen. „Sie sind aber nicht mehr in Betrieb und können zurückgebaut werden“, erläutert Ruge.

Ein Wehr kurz hinter der Langen Brücke könnte mit einem Bürstenwehr überwunden werden – die Boote rutschen auf Bürsten einen kleinen künstlichen Hang hinab, um den Höhenunterschied zu überwinden.

Das größte Hindernis ist das Schlösserwehr. Da die Stadt bis zur Buga dort aber ohnehin die Fischdurchlässigkeit nach EU-Gesetz herstellen muss, könnte bei den Umbauarbeiten leicht eine Möglichkeit gefunden werden, dass auch Boote das Wehr sicher passieren, meint Ruge.

Die Route führt unter knapp 20 Brücken hindurch. Sie reichen von einfachen Fußgängerbrücken wie im Luisenpark bis zu der rund 30 Meter langen Durchfahrt unter dem Gothaer Platz. Die Kopffreiheit gerät lediglich unter der nur 1,40 Meter hohen Domstraßenbrücke an ihre Grenze. „Aber wenn die Leute sitzen bleiben, passiert nichts“, sagt Ruge. „Auf der gesamten Strecke gibt es nicht eine Gefahrenstelle.“

Spektakuläre Aussichten verspricht die Route mit Sicherheit. Wie das Video der Testfahrt zeigt, ist der erste Abschnitt von einem Naturreichtum gekennzeichnet, der von den Straßen des Erfurter Zentrums aus kaum erfasst werden kann. An der schicken neuen Bebauung rings um den Gothaer Platz vorbei nähert sich das Boot dann der Innenstadt. Mittelalterliche Mauern säumen den engen Flusslauf, bis mit der Krämerbrücke der Höhepunkt der Fahrt erreicht wird.

Der alte Jüdische Friedhof, das Theater und die Mikwe gehören zu den weiteren Sehenswürdigkeiten, die direkt an der Route liegen. Am Theaterplatz ist sogar ein Haltepunkt geplant. „Dort können Passagiere am Buga-Schwerpunkt Petersberg aus- oder zusteigen“, sagt Manfred Ruge.

Ruge stellt zudem Abend- und Nachtfahrten oder Gruppenausflüge mit mehreren Booten in Aussicht. Zu den späteren Möglichkeiten gehören eine Verlängerung der Route nach Norden sowie der Einsatz von Elektro-Motoren, so dass der Bergstrom in beide Richtungen befahren werden kann.

Zunächst sucht Ruge aber das Gespräch mit Oberbürgermeister Andreas Bausewein, um das weitere Verfahren abzusprechen. Die Ämter sollen von Beginn an einbezogen werden. Vorgespräche, etwa zum Umbau des Schlösserwehrs, haben laut Ruge bereits stattgefunden. Finanziert werde das Projekt vom Verein, betont Ruge. Tourismus-Fördermittel würden zwar erhofft. Das Buga-Budget der Stadt werde aber nicht bemüht.

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