Gericht verbietet Fällungen auf dem Petersberg

Erfurt.  Paukenschlag auf dem Petersberg: Ein Gericht verbietet die Fällung von 68 angeschlagenen Bäumen. Was bedeutet das für den Bastionskronenpfad?

Vertreter von Stadt, BUND sowie Gutachter beider Seiten schauten sich die betroffenen Bäume im Wäldchen auf dem Petersberg bei einem Rundgang Anfang Dezember gemeinsam an.

Vertreter von Stadt, BUND sowie Gutachter beider Seiten schauten sich die betroffenen Bäume im Wäldchen auf dem Petersberg bei einem Rundgang Anfang Dezember gemeinsam an.

Foto: Marco Schmidt

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Die ab Montag geplante Fällung von Dutzenden kranken oder angeschlagenen Bäumen im „Wäldchen“ auf dem Petersberg findet vorerst nicht statt. Das hat Stadtsprecher Daniel Baumbach bestätigt. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtes, das einer Klage des BUND gegen die Fällungen Recht gegeben hat, prüfe das Rechtsamt zunächst die Urteilsbegründung, sagt Baumbach.

Dabei werde auch geprüft, ob die Stadt in Berufung gehen wird. Dazu hat sie zwei Wochen Zeit. Zugleich werde überlegt, wie die Stadt dem Urteil gerecht werden und dennoch ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen kann.

Die Klage des BUND bezog sich auf 72 von der Stadt als krank eingeschätzte Bäume. Eine Entscheidung zur Fällung von 17 gesunden Bäumen für den Bau des Bastionskronenpfades steht noch aus. Der Bastionskronenpfad, ein touristischer Rundweg für den Petersberg, soll in einem Abschnitt als Baumkronenpfad mitten durch das Wäldchen führen.

Noch keine Entscheidung zum Bastionskronenpfad

Im Fall der gesunden Bäume, der noch bei der oberen Naturschutzbehörde liegt, hat die Stadt eine Befreiung vom Fällverbot beantragt, das im Wäldchen normalerweise gilt. Das Wäldchen ist ein „Geschützter Landschaftsbestandteil“ (GLB).

Sollte die obere Naturschutzbehörde diesem Antrag der Stadt stattgeben, will der BUND unverzüglich gegen diesen Bescheid klagen. Das hat Erfurts BUND-Chef Robert Bednarsky am Mittwoch noch einmal bestätigt.

Bednarsky zeigte sich mit dem Urteil zu den kranken Bäumen zufrieden. „Das Gericht ist in seiner Begründung unseren Gutachterinnen und den Argumenten unseres Fachanwalts gefolgt“, sagte er. Selbst von den zehn Fällungen, die der BUND toleriert habe, seien nur vier erlaubt worden.

BUND: Urteil betont Schutzstatus des Wäldchens

Nach Ansicht des BUND-Chefs betont das Urteil den Schutzstatus des Wäldchens. Er geht daher davon aus, dass auch eine mögliche Klage gegen die Fällung der gesunden Bäume für den Bastionskronenpfad erfolgversprechend sei. Bednarsky fordert die Stadt nun auf, den Antrag auf die Fällung der 17 Bäume von sich aus zurückzuziehen.

Das Verwaltungsgericht in Weimar hatte der Stadt Erfurt am Dienstag die angestrebte Fällung von rund 72 Bäumen im „Wäldchen“ auf dem Petersberg per einstweiliger Anordnung untersagt. In einem Eilverfahren gab das Gericht der Klage des BUND gegen die Stadt zu großen Teilen Recht. Demnach dürfen von den geplanten Fällungen nur vier Fällungen tatsächlich auch durchgeführt werden.

Nach Darstellung der Stadt sind 19 der 72 zur Fällung vorgesehenen Bäume von der für Menschen mit Vorerkrankungen gefährlichen Rußrindenkrankheit befallen. Die übrigen Bäume seien abgestorben oder so stark beschädigt, dass die Fällung aus Verkehrssicherheitsgründen notwendig sei.

Verkehrssicherungspflicht innerhalb des Wäldchens rechtfertigt Fällung nicht

Von den vier Bäumen, bei denen die Fällung erlaubt bleibt, befinden sich zwei im Weg des ersten Bauabschnittes für den Bastionskronenpfad an der Lauentorstraße. Für sie liegt eine Befreiung von dem Fällverbot vor, das im „Geschützten Landschaftsbestandteil“ Wäldchen eigentlich gilt.

Die anderen beiden genehmigten Fällungen beziehen sich auf Verkehrssicherheitsmaßnahmen am Rand des Wäldchens. Die betroffenen Bäume könnten von der Mauerkrone auf die Straße stürzen, meinten die Richter.

Das Gericht misst jedoch der Verkehrssicherungspflicht innerhalb des geschützten Wäldchens keine solche Bedeutung bei, dass sie eine Fällung der Bäume rechtfertigen würde. Vielmehr verwiesen die Richter der 7. Kammer am Verwaltungsgericht auf „waldübliche Gefahren“, denen Besucher ausgesetzt seien.

Gericht: Vorerkrankte Besucher müssen mit gesundheitlichen Folgen rechnen

Diese Einschätzung werde noch dadurch verstärkt, dass es im „Wäldchen“ nur Trampelpfade, aber keine offiziellen Wege gibt. Zu den „waldüblichen Gefahren“ zähle auch die Tatsache, dass einzelne Bäume von der Rußrindenkrankheit befallen sind – vorerkrankte Besucher müssten in Wäldern „mit eventuellen gesundheitlichen Folgen“ rechnen.

Ob Fällungen das geeignete Mittel gegen die weitere Ausbreitung der Krankheit darstellen, sei wissenschaftlich nicht zweifelsfrei erwiesen. Dass die Stadt zudem selbst einen der von der Krankheit befallenen Bäume als Habitatbaum stehen lassen wollte, widerlege ihr eigenes Argument der Gefährlichkeit für Besucher. Auch der von der Stadt bekundete Wunsch, gebietsfremde Arten wie Robinien sollten durch geeignetere Baumarten wie Ulme, Eiche oder Wildkirsche ersetzt werden, spreche eher gegen die zwingende Notwendigkeit, aus Verkehrssicherheitsgründen die Bäume zu fällen.

Individueller Nachweis der Rußrindenkrankheit gefordert

Am Rand des Wäldchens, vor allem in Nachbarschaft der Straßen Lauentor und Petersberg, wiege die Verkehrssicherheit zwar schwerer. Für die meisten zur Fällung vorgesehenen Bäume am Waldrand habe die Stadt aber nicht begründet, warum nicht auch mildere Mittel wie ein Rückschnitt zur Herstellung der Verkehrssicherungspflicht ausreichten.

Von den 13 Bäumen am Rand, die von der Rußrindenkrankheit befallen sein sollen, habe die Stadt nur in vier von sechs untersuchten Fällen auch den mikroskopischen Nachweis erbracht. Daraus könnten keine Schlüsse auf nicht untersuchte Bäume gezogen werden, da diese auch unter harmloseren Pilzerkrankungen mit ähnlichen Symptomen leiden könnten.

Die Befürchtung der Stadt, dass von der Rußrindenkrankheit befallene Bäume innerhalb weniger Monate absterben und umstürzen könnten, sei eine nicht ausreichend begründete Spekulation.

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