Nessetalschule ist Vorreiter beim Lernen mit Netbook und Internet

Warza  Schüler berichten von mehr Ordnung auf der Schulbank. Bessere Versorgung mit drahtlosem Netzzugang angestrebt

Die Klasse 8b der Regelschule Nessetal mit Netbook im Unterricht bei Peter Lange. Foto: Peter Riecke

Die Klasse 8b der Regelschule Nessetal mit Netbook im Unterricht bei Peter Lange. Foto: Peter Riecke

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Stelle in einem kurzen Vortrag das System der Sozialversicherungen vor! Ermittele mögliche Ansprechpartner im Landkreis Gotha und unterteile sie nach Zuständigkeit!“ — So lautete eine Aufgabe an die Schüler der Klasse 8b der staatlichen Regelschule „Nessetalschule“ in Warza. Der Unterschied: Das war nichts aus Lehrbüchern zusammen zu suchen. Die Schüler nutzen ihre kleinen eigenen Computer, sogenannte Netbooks und Tablet-PCs, und das Internet, das drahtlos in der Schule zur Verfügung steht. Für die 14-Jährige Jessica Wehrstedt ist das in Ordnung.

Zwar gibt es Programme, deren Benutzung man nicht auf Anhieb beherrscht, aber man muss weniger tragen, denn beispielsweise ersetzen digitale Landkarten einen Schulatlas, den außerdem die Eltern sonst kaufen müssten. Auch sogenannte Schnittpunkt-Aufgaben seien nützlich, meint Jessica. Damit kann sie zu Hause Aufgaben auch in abgewandelter Form noch einmal üben. Jessica ist der Umgang mit dem Netbook in der Schule vertraut. Sie nutzt es seit der 5. Klasse.

Für die 15-Jährige Chess Nelly Lucas ist es etwas Neues, denn sie kam erst kürzlich aus einer anderen Schule hierher. Der Anfang war schwer, denn sie habe erst lernen müssen, schneller zu tippen. Doch sie findet es cool, mit dieser Technik zu arbeiten und freut sich über mehr Ordnung auf dem Arbeitsplatz.

Die 8b ist eine von zur Zeit sieben Netbook-Klassen in der Nessetalschule, an der auf diesem Gebiet im Landkreis Gotha Pionierarbeit geleistet wurde. Der Beginn liegt schon fünf Jahre zurück, berichtet Jürgen Seiring, der Leiter des Gothaer Schulverwaltungsamtes.

Netbook-Nutzung passt zum Schulprofil

Der Computerhersteller Acer hatte eine Initiative zur Nutzung der damals in Mode gekommenen kleinen tragbaren Rechner in Buchgröße an Schulen gestartet.

Man nennt sie Netbooks, weil sie nicht in erster Linie hohe Rechenleistung bieten, aber die Darstellung von Inhalten aus dem Internet beherrschen. Regelschulen aus dem Landkreis hatten zuerst Interesse gezeigt.

In einer Schulleiterberatung hatte Seiring dann die Frage gestellt, ob man bereit sei, diesen Weg mit ihm zu gehen. Und die Nessetalschule in Warza sei die erste gewesen, die sich gemeldet hat, erinnert er sich. Dazu passt, dass die Schule erst kürzlich als Mint-freundliche Schule ausgezeichnet und prämiert wurde. Mint ist hier die Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Doch die Eltern müssen es wollen, unterstreicht Schulleiter Peter Lange, der nun über mehrere Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet verfügt. Die Eltern kaufen die Geräte für ihre Kinder, die Kinder sollten pfleglich damit umgehen. Eine Klasse war sogar aus dem Programm ausgeschieden, weil Problem mit der Einsatzbereitschaft der Geräte enorm zugenommen hatten. Zur Zeit sind 120 von 199 Schülern in das Programm einbezogen. Für die Software sorgt die Schule über Schullizenzen.

Hagen Helmrich, der Mathematik, Astronomie, Physik und informationstechnische Grundbildung unterrichtet, kümmert sich zusätzlich um das System. Auch er bestätigt: Mindestens zwei Geräte sind immer in Reparatur. Manchmal ist es normaler Schwund, wenn Kinder damit umgehen. Manchmal liegt es an der Verarbeitungsqualität des Produktes. Aber wichtig ist schon mal, den Unterricht mit einem geladenen Akku zu beginnen. Auch seien die Kinder zu Beginn des Projektes vorsichtiger gewesen, der Wert der Geräte wurde mehr geschätzt. Helmrich sagt aber auch, die Technik ermögliche es, genauer auf den Leistungsstand einzelner Schüler einzugehen und jenen, die mehr wollen, auch anspruchsvollere Aufgaben zu geben.

Doch mittlerweile zeigt sich ein anderes Nadelöhr: Der drahtlose Zugangspunkt, das W-Lan. Loggen sich alle Schüler ihre Rechner ins Netz ein, kommt es vor, das die Bandbreite für einige nicht mehr reicht.

Hier kommt wieder der Landkreis als Schulträger ins Spiel. 91 000 Euro stehen im Haushalt für 2016. Sie sollen dazu dienen, die Nessetalschule mit besseren Antennen und einer optimalen Anschlusspunkt-Verteilung auszustatten und außerdem die Planung für weitere Schulen zu bezahlen.

Generell will der Landkreis Gotha, beginnend in diesem Jahr, laut Investitionsplan bis 2019 nicht weniger als 836 000 Euro für die Installation von W-Lan an den Regelschulen, Gymnasien und Berufsschulen aufwenden.

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