Neuer Deich stemmt sich künftig gegen das Hochwasser der Gera

Walschleben  Dammbau bei Walschleben als drittgrößtes Vorhaben im deutschen Hochwasserschutzprogramm offiziell vorgestellt.

Blick über die Gera-Überschwemmungsfläche – durch die Kamera. Foto: Angelika Reiser-Fischer

Blick über die Gera-Überschwemmungsfläche – durch die Kamera. Foto: Angelika Reiser-Fischer

Foto: zgt

Der neue, rund 500 Meter lange Hochwasserdamm bei Walschleben ist fertig. Am Montag wurde er bei einem Besuch der beiden Thüringer Ministerinnen Anja Siegesmund (Grüne/Umwelt, Energie und Naturschutz) und Birgit Keller (Linke/ Infrastruktur und Landwirtschaft) offiziell übergeben und vorgestellt.

Marcel Glebe von der Landesanstalt für Umwelt und Geologie mit Sitz in Jena erklärte noch einmal, welche Überlegungen 2013 dazu geführt hatten, das 20-Millionen-Euro-Projekt in Angriff zu nehmen. „Unstrut und Gera waren über viele Jahre eingedeicht und begradigt worden“, erklärte er. Es habe allein zwischen der Erfurter Stadtgrenze und Gebesee – eine Strecke von eigentlich 10 Kilometern – 25 Kilometer Deich gegeben. Zum Teil standen drei Deiche nebeneinander.

Hochwasser 2013 nur mit Mühe standgehalten

Trotz immer neuer Sanierungen und Erhöhungen habe der Deich aber dem Hochwasser 2013 nur mit Mühe standgehalten. Die Standfläche der Deiche sei zu gering gewesen, so Glebe. Die Deiche zu erhöhen, hätte aber bedeutet, 25 Hektar Ackerland zusätzlich zu überbauen.

Bei den Überlegungen für einen besseren Hochwasserschutz nördlich der Landeshauptstadt habe es drei Möglichkeiten gegeben: ein weiteres Staubecken wie bei Straußfurt, eine Umgehungs-Rinne für den Fluss oder die Gera hinter Mauern und noch höheren Deichen verschwinden zu lassen. Man habe sich für Variante 2 entschieden, die Rinne ins Flussbett gelegt und einen neuen Deich gebaut, und zwar weiter entfernt vom Flussbett als der bisherige. So sei Überschwemmungsgebiet entstanden. Insgesamt sollen bei dem 20-Millionen-Projekt – dem drittgrößten im bundesweiten Hochwasserschutzprogramm – 840 Hektar Überschwemmungsfläche an der Gera entstehen. Zum Vergleich: An der Donau werden demnächst 600 Hektar Überschwemmungsgebiet gewonnen, an der Unstrut 7000 Hektar. Und es wurden für den neuen Damm auch nur 15 Hektar Standfläche benötigt.

Umweltministerin Anja Siegesmund dankte allen, die dem Projekt mit Verständnis begegnet seien, vor allem den Walschlebenern, auch den Kleingärtnern, die für den Deichbau ihre Parzellen aufgeben mussten. Kurz vor der Fertigstellung sei das Landes-Hochwasserschutzprogramm, informierte sie. Darin seien rund 3000 Maßnahmen in Thüringen geplant.

Unzufriedene Landwirte

Landwirtschaftsministerin Birgit Keller lobte zudem, dass die Straße nach Riethnordhausen über den Morgenberg verlegt wird. Sie ist künftig vor Hochwasser sicher. Unzufrieden reagierten jedoch mehrere die Landwirte und Gärtner. Sie waren zur Gerabrücke bei Walschleben gekommen, um die Ministerin nach Entschädigungszahlungen bei Ernteausfällen durch Hochwasser auf den Überschwemmungsflächen zu fragen. Sie wünschen sich eine landesweite Regelung, wie in diesen Fällen verfahren wird. Birgit Keller sprach zunächst davon, in solchen Situationen den jeweiligen Einzelfall zu prüfen.

Vertreter des Bauernverbandes berichteten von Gesprächen auf Landesebene, die jedoch sehr langsam vorangingen. Schließlich hieß es, es könnte bis zum Jahresende doch noch eine Regelung erreicht werden.

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