Pferdingsleben feierte in die Walpurgisnacht hinein

Pferdingsleben  Mehr als 100 Besucher beim wichtigsten Fest der Gemeinde im Jahr. Die Tradition begann mit einer Windhose vor 19 Jahren

In diesem Jahr wurde das traditionelle Walpurgisfeuer etwas größer, weil das Verbrennen im eigenen Garten nicht mehr gestattet ist. Bewacht von der Feuerwehr, spendete es gut Wärme. Foto: Peter Riecke

In diesem Jahr wurde das traditionelle Walpurgisfeuer etwas größer, weil das Verbrennen im eigenen Garten nicht mehr gestattet ist. Bewacht von der Feuerwehr, spendete es gut Wärme. Foto: Peter Riecke

Foto: zgt

„Stützkrümmer, B-Strahlrohr!“ — so lautete das kurze Kommando von Maschinist Ullrich Dünkel. Die Feuerwehrleute und Festteilnehmer hatten eine Glutstelle an einem dickeren Ast des nördlichsten Baumes der Angerstraße bemerkt. Der Baum treibt schon nicht mehr, ist also besonders trocken. Vermutlich deshalb hatte der Funkenflug das Glutnest erzeugen können. Kein Problem für die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Pferdingsleben, die Stelle abzulöschen. Zur Freude der Kinder geschah dies sehr gründlich.

Den nötigen Wasserdruck erzeugte eine Vorbaupumpe am Mercedes-Löschfahrzeug, Baujahr 1982 und eigentlich ein Oldtimer, aber von Dünkel offenbar gut gepflegt und noch immer im Einsatz. Der Stützkrümmer, erläutert der Fachmann auf Nachfrage, fängt den hohen Wasserdruck im Schlauch etwas ab, so dass sich das Strahlrohr leichter halten lässt. Bis in die Baumkrone gelangte der kräftige Wasserstrahl problemlos.

Wie gut, dass der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Pferdingsleben selbst der Veranstalter des Walpurgisfeuer genannten Dorffestes ist.

Dieter Heumann ist seit 17 Jahren der ehrenamtliche Bürgermeister in Pferdingsleben. So lange mindestens, sagt er, gibt es das Fest. Seine Gattin benennt 19 Jahre.

Die Feuerwehrleute erinnern sich an den Anlass, solch ein Fest zu etablieren. Schon vor zwei Jahrzehnten gab es gruppenweise Pappelansammlungen im Ort. Damals ging eine Windhose durch den Ort, die eine dieser Anpflanzungen vollkommen zerstörte. Soviel Schadholz auf einmal hatte man noch nie. Also wurde es aufgestapelt, um es kontrolliert zu verbrennen. Und schon damals sei gleich die Idee dagewesen, rund um das riesige Lagerfeuer ein Fest zu feiern.

Seitdem gibt es dies dank Feuerwehrverein Jahr für Jahr. Es ist das wichtigste Fest im Ort und war lange Zeit auch das einzige. Der Platz ist gut gewählt, denn zwischen der Rasenfläche und der Bebauung verläuft ein Bach. Dort haben die Männer und Frauen der Einsatzabteilung bereits das Löschfahrzeug geparkt, die Schläuche mit der Vorbaupumpe verbunden und ausgerollt. Wenn während des Feuers der Wind mal stark aus Nordost weht, würden sie damit einen Wasserschleier legen, damit die Funken nicht bis in den bebauten Teil der Angersstraße fliegen.

Auch die jüngsten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die Bambinis (im Alter von 6 bis 9), haben sich begeistert in die Uniform geworfen und mahnen freundlich die Festbesucher, den heißen Flammen nicht zu nahe zu kommen. Währenddessen spielt im Festzelt die Coverband „Sethi‘s Faction“ auf. Der Getränkewagen wird von Hexenpuppen belagert, eine Hexenpuppe lümmelt an der Lautsprecherbox. Claudia Heumann und Sandra Kamm gehen im Hexenkostüm durch die Reihen. Auch viele Kinder sind so kostümiert, denn die schönste Hexe soll prämiert werden. Andrea Oburowski gibt in einer Ecke die Wahrsagerin, aber die Fischbrötchen, die sie außerdem bereitet, sind offenbar genauso gefragt. Das Hexenkolorit besorgen die Frauen der Feuerwehrmänner.

Die Freiwillige Feuerwehr ist in Pferdingsleben schon immer wichtig. Der thüringische Landesfeuerwehrverband wurde hier 1990 gegründet.

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