Polizei kassiert in Thüringen 26,5 Millionen Euro von Verkehrssündern

Erfurt  Raser, Drängler, Falschparker oder Vorfahrtssünder bringen dem Freistaat weniger Geld als geplant ein.

Ein mobiler Blitzer in Nordhausen.

Ein mobiler Blitzer in Nordhausen.

Foto: Marco Kneise

Insgesamt 26,5 Millionen Euro hat die Zentrale Bußgeldstelle in Artern (Kyffhäuserkreis) im Vorjahr von Verkehrssündern kassiert. Das ist deutlich weniger Geld als geplant. Im Landeshauhalt stehen Einnahmen in Höhe von 30,8 Millionen Euro. Damit wird die Vorgabe bereits im zweiten Jahr hintereinander verfehlt.

Einer der Gründe für sinkende Einnahmen ist der Rückgang von Geschwindigkeitsverstößen an stationär installierten Blitzern vor allem auf Thüringer Autobahnen. Waren es vor drei Jahren noch knapp 650.000 erwischte Autofahrer, so rasten im Vorjahr 587.000 von ihnen in die Radarfallen – und das trotz der Hinweise auf die Geschwindigkeitsmessungen.

In Thüringen wurden bei jeder Inbetriebnahme neuer Autobahnabschnitte mit Tunneln zumeist auch weitere fest installierte Blitzer scharf geschaltet. Aktuell befinden sich diese automatisierten Messstellen auf der A 71 im Bereich der Tunnelkette unterm Thüringer Wald und nördlich von Sömmerda im Schmücketunnel.

Auf der A 4 blitzt es bei Jena in den Tunneln Lobdeburg und Jagdberg. Vor Letzterem wird zudem das Einhalten des Mindestabstandes überwacht. Nicht nur Raser sondern auch Drängler haben hier ganz schlechte Karten. 15.442 von ihnen wurden im Vorjahr per Video erfasst. In die Falle tappen Geschwindigkeitssünder aber auch auf der A 9 am Hermsdorfer Kreuz sowie am Rastplatz Kuhberg bei Eisenberg. Außerhalb der Autobahnen blitzt das Land bisher nur im Pörzbergtunnel in der Nähe von Rudolstadt.

Wie stark der Gewöhnungseffekt der Autofahrer ist, zeigen exemplarisch die Radarfallen am Hermsdorfer Kreuz. Vor fünf Jahren erwischte es dort in zwölf Monaten 246.000 Autofahrer, die zu schnell unterwegs waren. 2017 waren es knapp Hunderttausend weniger. Ähnliche Tendenzen zeigen auch die anderen Messstellen, wenngleich der Rückgang zumeist nicht so deutlich ausfällt.

Einzige Ausnahme bildet der Schmücke-Tunnel auf der A 71. Dort vervierfachte sich die Zahl der ertappten Temposünder seit 2012. Rund 24.000 rauschen im Vorjahr in die Radarfalle. Allerdings ist die Autobahn zwischen Erfurt und der A 38 im Norden Thüringens erst seit September 2015 komplett befahrbar. Das führte 2016 zu einem sprunghaften Anstieg bei den Geblitzten.

Die Gesamtzahl der an den stationären Blitzern erwischten Raser und Drängler zeigt auch, dass sich immer mehr Autofahrer an die Vorgaben halten. Trotz zunehmender Messstellen und dichterem Verkehr sind es immer weniger Temposünder. Das lässt sich nicht nur mit dem Gewöhnungseffekt erklären.

Auch die Einnahmen der Zentralen Bußgeldstelle belegen das. Die im Vorjahr vor allem von Verkehrssündern kassierten 26,5 Millionen Euro decken sich mit den Einnahmen aus dem Jahr 2017. Vor drei Jahren kassierte die Behörde in Artern dagegen noch 29,8 Millionen Euro an Bußgeldern. In der Hoffnung, dass die Einnahmen so weiter sprudeln, erhöhte die Landesregierung danach für die Jahre 2018 und 2019 ihre Vorgaben im Landeshauhalt. Doch die Zahl der Raser ging zurück.

Polizei nutzt aktuell 31 mobile Messanlagen zur Tempoüberwachung

Die Thüringer Polizei nutzt zur Geschwindigkeitsüberwachung aktuell 31 mobile Messanlagen. 14 dieser Anlagen können zudem Abstandsmessungen durchführen und so neben den Rasern auch Drängler erfassen.

Dafür werden die Messstellen nicht nur für eine bestimmte Zeit am Straßenrand aufgestellt. Zwölf dieser Systeme sind in Videofahrzeugen eingebaut, die hinter einem Temposünder oder Drängler her fahren können und so Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten dokumentieren.

Der Vorteil all dieser Anlagen ist aus Sicht der Polizei, dass sie keinen festen Standort benötigen.

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