Praxistour will jungen Ärzten die Region schmackhaft machen

Gotha  Medizinstudenten informierten sich im Landkreis Gotha über Möglichkeiten der Niederlassung

Die Ärztin Vaitsa Dimitriadou (rechts) führte die angehenden Medizinstudenten durch ihre Praxis. Erik Kopp (von links), Franz Schäfer, Michael Hoeft, Laura König hörten ihr gespannt zu. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Die Ärztin Vaitsa Dimitriadou (rechts) führte die angehenden Medizinstudenten durch ihre Praxis. Erik Kopp (von links), Franz Schäfer, Michael Hoeft, Laura König hörten ihr gespannt zu. Foto: Klaus-Dieter Simmen

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Michael Hoeft ist an der Uni Jena Medizinstudent im neunten Fachsemester. So langsam muss er für sich entscheiden, welchen beruflichen Weg er einschlagen will. Eins ist für den jungen Mann klar: Arbeiten in der Klinik kommt nicht in Frage, dafür will Hoeft später einmal eine eigene Praxis gründen. Das ist, so weiß er, ein gewaltiger Schritt. Deshalb hat er auch gleich zugegriffen, als der Landkreis Gotha angehende Mediziner zu einer Praxistour einlud. "Mit Menschen zu sprechen, die diesen Schritt längst hinter sich haben, von deren Erfahrungen wir profitieren können, kann ich mir doch nicht entgehen lassen."

Im Ilmkreis sind solche Touren schon seit einiger Zeit ein praktikabler Weg, um angehende Ärzte für die Region zu interessieren. "Das ist eine prima Idee", sagte sich Gothas Landrat Konrad Gießmann (CDU) und beauftragte Christin Walther, auch für seinen Landkreis eine Praxistour zu organisieren.

Walther ist Ärztescout und in dieser Funktion auch für die Region verantwortlich. Deshalb kennt sie auch die Situation hier und weiß, dass gegenwärtig die Zahl der Hausärzte ausreichend für eine flächendeckende Versorgung ist. "Darunter sind aber auch solche, die ihre Praxen aus Altersgründen in absehbarer Zeit schließen. Das heißt, wir müssen jetzt schon für Nachfolger werben", sagt sie. Frühzeitig ansetzen, sei die Aufgabe eines Ärztescouts.

Erste Station für die vier Medizinstudenten war die Praxis von Vaitsa Dimitriadou und Werner Plörer, einem Ehepaar, das aus Österreich den Weg nach Gotha fand. Nicht von ungefähr, wie die Studenten erfuhren, sondern weil die Gegebenheiten im Allgäu, auf Rügen und selbst in Berlin nicht optimal waren wie in Gotha. Das Paar übernahm in der Residenzstadt die erste Stiftungspraxis in Thüringen überhaupt. Etwas, von dem die Studenten zuvor noch keine Silbe gehört hatten. Dass die Kassenärztliche Vereinigung eine Praxis einrichtet, die Ärzte beim Start betreut und nach zwei Jahren die Möglichkeit einräumt, sie zu kaufen, fanden die angehenden Mediziner höchst interessant.

"Wenn man so will, funktioniert das Ganze wie eine Praxisfahrschule", sagt Werner Plörer. Von der Stiftung angestellt zu sein, reduziere das Risiko am Anfang auf null. Für den Arzt ist dieser Weg uneingeschränkt positiv. Mittlerweile führt das Ehepaar die Praxis in der Huttenstraße längst in eigener Regie und ist in Gotha zu Hause angekommen.

Von der Stadt aufs Land ging es am Nachmittag in die Praxis von Annette Liebetrau. Sie versorgt Patienten in Friedrichroda und Umgebung. Struktur und Organisation der Hausarztpraxen in Stadt und Land unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander, erfahren die Studenten. Ob die Arbeit ausufere oder nicht, so Annette Liebetrau, sei eine Frage der Organisation. Im Medizinischen Versorgungszentrum in Friedrichroda bekamen die Gäste noch eine weitere Möglichkeit aufgezeigt, mit einer eigenen Praxis ins Berufsleben zu starten.

Das interessierte ganz besonders Laura König. Für die junge Frau war früh klar, dass sie einmal als niedergelassene Ärztin arbeiten will. Doch im Studium erfuhr sie weder, dass es die Möglichkeit einer Praxisstiftung gibt noch von den Wegen, die in einem Medizinischen Versorgungszentrum möglich sind.

Alle vier Studenten waren unisono der Meinung, dass derartige Praxistouren Möglichkeiten aufzeigen und tatsächlich Türen zu öffnen vermögen. Ob sich einer von ihnen im Landkreis Gotha niederlassen wird, ist eher fraglich. Doch wenn regelmäßig Praxistouren angeboten werden, ist das nur eine Frage der Zeit.

Und was sagte Werner Plörer zu den angehenden Kollegen? "Man kann alles für das berufliche Umfeld planen – nur nicht ob die Stadt, in der man sich niederlässt, einen freundlich empfängt und ob die Menschen dort nett und umgänglich sind. Umso besser, dass wir genau das in Gotha gefunden haben."