Arbeitgeber können Urlaubspläne fürs ganze Jahr erfragen

Viele Arbeitnehmer werden zu Jahresbeginn aufgefordert, den Chef über ihre Urlaubsplanung für das Jahr zu informieren. Wie verbindlich ist eine solche Planung tatsächlich? TA-Redakteurin Britta Hinkel sprach darüber mit der Erfurter Fachanwältin für Arbeitsrecht Susanne Kermantschi.

Bevor Sie Ihren Rucksack schultern und in die Ferne schweifen, sollten Sie rechtzeitig ihrem Arbeitgeber Bescheid geben. Denn insbesondere größere Unternehmen mit vielen Mitarbeitern können darauf bestehen. Schließlich gilt es, die Fehlzeiten zu koordinieren. Foto: dapd

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Darf der Chef bereits zu Jahresbeginn seinen Mitarbeitern eine komplette Urlaubsplanung für das Jahr abfordern?

Ja, das darf er. Gerade in größeren Unternehmen sind längere Urlaube der Mitarbeiter häufig schwer zu koordinieren. Um eine langfristige Planung zu gewährleisten, ist es erforderlich, dass der Chef zu Jahresbeginn die Wünsche kennt.

Was passiert, wenn ein Arbeitnehmer angibt, seinen Sommerurlaub im Juli nehmen zu wollen, sich aber im April herausstellt, dass dies nicht möglich ist, weil der Ehefrau frühestens im August Urlaub gewährt wird?

Hier ist zwischen einer vorläufigen Urlaubsplanung und einem verbindlichen Urlaubsantrag zu unterscheiden. Handelt es sich um Erstere, dann lässt sich der tatsächliche Urlaubstermin nachträglich auch noch ändern. Hat der Chef aber bereits einem verbindlichen Urlaubsantrag zugestimmt, dann ist das bindend für beide Seiten. Im Übrigen muss ein Arbeitgeber nicht zwingend auf die nicht in seiner Firma beschäftigten Partner von Mitarbeitern Rücksicht nehmen, auch wenn das vielerorts getan wird.

Kann sich andererseits ein Arbeitnehmer auf die langfristige Urlaubsplanung berufen, wenn der Chef später seinen Urlaubsantrag ablehnt?

Willkürlich darf der Arbeitgeber den Antrag nicht ablehnen. Aber wenn es nachvollziehbare und berechtigte betriebliche Gründe gibt, kann auch der Chef bei einer vorläufigen Planung selbstredend noch Änderungen vornehmen.

Wer zahlt, wenn der Arbeitnehmer bereits einen Urlaubsplatz gebucht hat und diesen nun stornieren muss?

Einen Urlaubsplatz sollten Arbeitnehmer immer erst dann buchen, wenn ihr Urlaubsantrag vom Chef genehmigt wurde. Dann sind sie auf der sicheren Seite. Wer auf gut Glück bucht in der Hoffnung, der Arbeitgeber werde schon zustimmen, und dann doch eine Ablehnung erfährt, der muss die Stornokosten selbst tragen. Hat indes der Arbeitgeber dem Urlaubsantrag zugestimmt und lehnt den Urlaub kurzfristig ab - beispielsweise, weil die Firma einen Großauftrag bekommen hat und jeder Mitarbeiter gebraucht wird -, dann muss der Arbeitgeber die Stornierung der gebuchten Reise zahlen.

Aus welchen Gründen darf ein Arbeitgeber einen Urlaubsantrag ablehnen?

Das darf in keinem Fall willkürlich geschehen. Aber es gibt eine ganze Reihe legitimer Gründe. Etwa betriebliche wie besagter Großauftrag, saisonale Urlaubssperren, Vorrang für Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern in Schulferienzeiten, Vorrang für Mitarbeiter, denen aus persönlichen Gründen kurzfristig Urlaub eingeräumt werden muss und anderes mehr.

Sollte ein Arbeitnehmer, der seinen Chef darüber informiert hat, im September zwei Wochen Urlaub nehmen zu wollen, für diesen Zeitraum jetzt schon einen Urlaubsplatz buchen?

Je nachdem, ob er bereits einen verbindlichen Urlaubsantrag gestellt und genehmigt bekommen hat oder nicht.

Haben Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern bei der Urlaubsplanung Vorrechte gegenüber denen ohne schulpflichtige Kinder?

Aus Fürsorgegesichtspunkten sollte der Arbeitgeber Mitarbeitern, die Eltern schulpflichtiger Kinder sind, beispielsweise vorrangig in den Schulferien Urlaub geben.

Darf der Arbeitgeber Urlaub auch einfach anordnen?

Für einen einzelnen Arbeitnehmer nicht, aber in Form von Betriebsferien für die gesamte Belegschaft durchaus. Dies allerdings muss nachvollziehbar sein und langfristig vorher angekündigt werden, damit sich die Arbeitnehmer darauf einstellen können.

Was tun, wenn der Arbeitgeber auf einen Urlaubsantrag nicht reagiert?

Auf keinen Fall sein Schweigen als Zustimmung interpretieren. Denn wer nicht genehmigten Urlaub einfach antritt, macht sich der Arbeitsverweigerung schuldig und riskiert schlimmstenfalls seinen Arbeitsplatz. Besser ist allemal, den Arbeitgeber zu erinnern oder persönlich auf den noch nicht entschiedenen Urlaubsantrag anzusprechen, um am Ende Gewissheit zu haben. Wenn er "Ja" gesagt hat, darf der Urlaub angetreten werden.

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