„Scham überwinden“: Hilfsprojekt für männliche Opfer häuslicher Gewalt in Thüringen

Jena  Geschlagene Männer finden in Jena die Anlaufstelle A4. Nach einem Jahr ziehen die Macher des vom Land gesponserten Projekts Bilanz.

Mit dem Pilotprojekt A4 in Jena sollen männlichen Opfern von häuslicher Gewalt Unterstützung bekommen.

Mit dem Pilotprojekt A4 in Jena sollen männlichen Opfern von häuslicher Gewalt Unterstützung bekommen.

Foto: Soeren Stache/dpa

Das Pilotprojekt „A4“ in Jena zur Unterstützung männlicher Opfer von häuslicher Gewalt wird fortgesetzt. Bisher konnte das im Frühjahr gestartete und ursprünglich für ein Jahr geplante Projekt 22 Männer direkt erreichen, sagte Ronny Teschner als einer der Verantwortlichen.

Nun soll es um mindestens ein weiteres Jahr verlängert werden. Dafür wird das Land nach Angaben der Gleichstellungsbeauftragten Katrin Christ-Eisenwinder rund 100.000 Euro zur Verfügung stellen.

„Die Zahl der direkt Erreichten ist nicht riesig“, räumte Christ-Eisenwinder ein. Aber man stünde noch ganz am Anfang mit der Sensibilisierung. „Wir müssen als Gesellschaft das Bild, das wir von Männern haben, überdenken.“ Auch Männer könnten schließlich zu Opfern werden, sagte Christ-Eisenwinder. „Viele müssen lernen, die Scham zu überwinden, um sich Hilfe zu suchen.“

A4 versteht sich als Anlaufstelle für Männer, die innerhalb einer Beziehung, etwa in der Familie, physische, aber auch psychische Gewalt erfahren. Unter ihnen sind etwa Stalking-Opfer, aber auch Männer, deren Ehefrauen ihnen gegenüber gewalttätig werden.

Wie viele Männer in Thüringen tatsächlich Opfer von häuslicher Gewalt werden, ist unbekannt. Experten gehen von einer Dunkelziffer aus.

Die Polizei erfasste in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 600 und 800 Fälle.

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