Telefon-Forum: Als schnell verfügbare Rücklage bietet sich Tagesgeld an

Unsere Experten Steffen Brück, Katrin Sauerbrey und Dirk Stieler vom Bundesverband deutscher Banken beantworteten am Mittwoch Fragen unserer Leser zu Geldanlagen.

Steffen Brück (links), Katrin Sauerbrey und Dirk Stieler vom Bundesverband deutscher Banken beraten beim Telefonforum zum Thema "Geldanlagen". Foto: Marco Kneise

Steffen Brück (links), Katrin Sauerbrey und Dirk Stieler vom Bundesverband deutscher Banken beraten beim Telefonforum zum Thema "Geldanlagen". Foto: Marco Kneise

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Ist eine Anlage in Aktien noch sinnvoll, nachdem der Dax neue Höchststände erreicht hat?

Wenn Sie langfristig denken und Rendite haben wollen, kommen Sie an Aktienanlagen nicht vorbei. Aber natürlich ist die Luft inzwischen dünner geworden. Kaufen Sie Aktien deshalb nur nach und nach, denn Rückschläge sind jederzeit möglich.

Wichtig ist, dass Sie breit streuen, also nicht nur in deutsche Aktien investieren, sondern weltweit. Interessant sind international führende Unternehmen, die attraktive Dividenden ausschütten.

Bleiben die Zinsen niedrig?

Für die nächsten zwei oder drei Jahre ist damit zu rechnen. Die Europäische Zentralbank hat jedenfalls angekündigt, sie wolle den Leitzins bis auf Weiteres niedrig halten. In der Regel sollte man deshalb sein Geld zu den aktuellen niedrigen Zinsen nicht langfristig festlegen.

Bei mir werden 20.000 Euro fällig, 30.000 Euro sind bereits in Aktien- und Immobilienfonds angelegt. Wie soll ich das fällige Geld neu anlegen?

Sie müssen sich zunächst überlegen, wieviel Geld Sie als Notgroschen beiseite legen wollen. Dafür bietet sich ein Tagesgeldkonto an. Dann müssen Sie überlegen, was Sie für die nächsten zwei oder drei Jahre geplant haben. Auch dafür bietet sich Tagesgeld oder ein Sparkonto an.

Was darüber hinaus langfristig investiert werden kann, ist je nach Risikoeinstellung breit zu streuen. Angesichts der "schleichenden Enteignung" durch die niedrigen Zinsen ist dabei insbesondere an Sachwerte wie Aktien und Immobilien zu denken. Das geht auch über entsprechende Investmentfonds.

Ich bin 86 Jahre alt und habe 10.000 Euro auf dem Sparkonto zu einem Zins von 0,25 Prozent. Ist mein Geld sicher? Oder sollte ich es lieber anders anlegen?

Ihr Geld ist sicher und schnell verfügbar. Ein Sparbuch verursacht keine Kosten und ist für eine Rücklage gut geeignet. Sie müssen sich also keine Sorgen machen.

Kann ich eine Bankvollmacht jederzeit ändern und zurücknehmen?

Ja, Sie können eine Vollmacht jederzeit widerrufen.

Wie sollte ich einen Betrag von 6000 Euro anlegen?

Das hängt von Ihren Zielen und Wünschen ab. Wichtig ist auch die vorgesehene Laufzeit. Anleger sollten auch immer das Gesamtvermögen im Blick haben und darauf achten, das Vermögen breit zu streuen.

Auf dem Sparbuch bekomme ich geringe Zinsen. Haben Sie eine Alternative für mich, bei der ich kurzfristig und schnell über das Geld verfügen kann?

Ein Tagesgeldkonto wäre eine gute Möglichkeit. Die Verzinsung ist von Bank zu Bank unterschiedlich und liegt derzeit bei etwa 0,5 bis 1,5 Prozent.

Am 15. November werden 10.000 Euro fällig. Ich bin 82 Jahre alt und möchte das Geld als Rücklage fürs Haus neu anlegen. Was raten Sie mir?

Eine Rücklage muss schnell verfügbar und sicher sein. Dafür müssen Sie in Kauf nehmen, dass die extrem niedrigen Zinsen die Inflationsrate nicht ausgleichen. In Ihrem Fall bietet sich Tagesgeld oder Festgeld an.

Ich beziehe nur wenig Rente, habe aber etwa 1500 Euro Zinsen im Jahr. Muss ich trotzdem für die Zinsen Steuern zahlen?

Grundsätzlich hat jeder bei Kapitalerträgen einen Sparerpauschbetrag von 801 Euro im Jahr, das heißt, bis zu diesem Betrag bleiben Kapitalerträge steuerfrei. Wenn Sie aufgrund Ihrer niedrigen Rentenbezüge nicht steuerpflichtig sind, können Sie aber bei Ihrem Finanzamt eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Wenn Sie diese Bescheinigung erhalten und Ihrer Bank vorlegen, dann erhalten Sie sämtliche Kapitaleinkünfte steuerfrei gutgeschrieben.

Ich habe einen alten Bausparvertrag mit einem hohen Zins. Soll ich den beibehalten, auch wenn ich nicht bauen will?

Da derzeit das Zinsniveau sehr niedrig ist, ist ein Bausparvertrag mit hohen Zinsen als Anlage weiterhin interessant, zumal es sich dabei um eine sichere Anlageform handelt.

Goldkauf: Auf kleine Stückelungen setzen

Bei mir werden demnächst 40.000 Euro fällig, die ich langfristig anlegen könnte. Was schlagen Sie vor?

Bei einem langfristigen Anlagehorizont bieten Misch- und Aktienfonds gute Renditechancen. Interessant sind auch Fonds mit hoher Dividendenorientierung. Als Beimischung sollten Sie an Rohstoffe denken. Achten Sie darauf, dass Ihr Vermögen insgesamt breit gestreut ist.

Ich möchte Gold kaufen. Worauf muss ich achten?

Kaufen Sie mehrere Stückelungen, das heißt beispielsweise nicht einen 250-Gramm-Barren, sondern mehrere kleinere Barren oder Münzen zu einer Unze, damit Sie flexibel bleiben, wenn Sie eines Tages verkaufen möchten.

Sie müssen allerdings bei kleineren Stückelungen mit einem vergleichsweise höheren Preis rechnen. So kosten zum Beispiel zehn Münzen zu einer Zehntelunze mehr als eine Münze zu einer Unze.

Muss ich beim Goldkauf Mehrwertsteuer zahlen?

Sogenanntes Anlagegold ist in Deutschland mehrwertsteuerfrei erhältlich. Dazu gehören die handelsüblichen Barren und viele Goldmünzen. Alte historische Goldmünzen sind dagegen in der Regel mehrwertsteuerpflichtig.

Wir haben viele Investmentfonds, die sich gut entwickelt haben. Sollen wir die weiter halten?

Nach einer guten Wertentwicklung kann es nicht schaden, auch mal einen Gewinn zu realisieren, um das Geld "zwischenzuparken". Ich würde mich aber nicht von allen Fonds-Anteilen trennen.

Wie sicher sind Spar- und Festgeldkonten?

Die gesetzliche Einlagensicherung schützt Bankguthaben bis zu 100.000 Euro pro Person. Da die meisten Kreditinstitute außerdem noch freiwillige Sicherungssysteme haben, ist der Schutz in der Praxis oft deutlich höher. Von daher ist das Geld sicher. Aber Achtung: Bei Spar- und Festgeldkonten ist die Realverzinsung in der Regel negativ, das heißt, die Inflation ist höher als der Zins. Das führt langfristig zur schleichenden Entwertung der Ersparnisse. Denn mit 10.000 Euro können Sie in fünf oder zehn Jahren weniger kaufen als heute.

Was muss ich bei einem Beratungsprotokoll beachten?

In einem Beratungsprotokoll sollen ganz konkret Ziele und Wünsche des Kunden und dessen Risikobereitschaft sowie empfohlene Anlagen aufgeführt werden. Dokumentiert werden außerdem die Risikoeinstufung der Wertpapiere, Kosten der Wertpapiere, Verdienste der Bank und dass der Kunde alle wesentlichen Produktinformationen erhalten hat.

Ist es sinnvoll, wenn ich für meinen Enkel einen Sparplan mit Aktienfonds einrichte?

Ein Fondssparplan mit Aktien ist für einen langfristigen Vermögensaufbau ideal, weil hier auf Dauer die höchsten Renditemöglichkeiten bestehen. Zudem werden durch die regelmäßigen Sparbeiträge die Fondsanteile zu günstigen Durchschnittskursen gekauft. Denn bei hohen Kursen erwerben Sie weniger Fondsanteile, bei niedrigen Kursen dagegen mehr.

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