Schlossherren von Neunheilingen wollen Sicherheit

Neunheilingen  Familie Bergsma beginnt erst mit der Sanierung der Fassade, wenn die Pachtverträge mit der Gemeinde Neunheilingen abgeschlossen sind

Uilke und Petra Bergsma sind seit 2017 Schlossherren in Neunheilingen. Sie wollen dort leben und Ferienwohnungen vermieten.

Uilke und Petra Bergsma sind seit 2017 Schlossherren in Neunheilingen. Sie wollen dort leben und Ferienwohnungen vermieten.

Foto: Daniel Volkmann

Das Warten zehrt an den Nerven. „Wir wollen endlich Sicherheit“, sagen Petra und Uilke Bergsma­. Die Sanierung der Fassade haben sie vorerst gestoppt. Die Arbeiten sollen erst beginnen, wenn die Pachtverträge für die angrenzende Wiese und den restlichen Teil des Parks unterschrieben sind.

2017 hatten die Bergsmas das Schloss in Neunheilingen gekauft. Die Familie, die aus den Niederlanden stammt, will dem historischen Gemäuer wieder zu altem Glanz verhelfen. Sie möchte dort selbst leben und einen Teil des Hauses um- und ausbauen, um Ferienwohnungen zu schaffen.

Deshalb haben Petra und Uilke Bergsma ein Konzept erstellt. Um das zu verwirklichen, wollen sie von der Gemeinde die angrenzende Wiese – die einstige Schwimmbadwiese – pachten und auch einen Teil des ehemaligen Schwimmbad-Geländes. Dort sollen Parkplätze entstehen und ihr Streichelzoo ein neues Zuhause finden. Pachten wollen Petra und Uilke Bergsma auch den Teil des Parks, der im Lauf der Geschichte Gemeindeland geworden ist. Der Park soll wieder so hergerichtet werden, wie er zu den herrschaftlichen Zeiten des Werther-Adels angelegt war.

„Wir haben von Anfang an klar gemacht, dass wir das Schloss nur kaufen, wenn wir die beiden Areale pachten können“, erklären sie.

Rest vom Streichelzoo noch im Ilm-Kreis

Seit 2004 leben die Bergsmas in Thüringen. In Bücheloh im Ilm-Kreis haben sie einen Milchviehstall aufgebaut und bewirtschaften diesen noch. 2009 konnten sie das Rittergut in nahen Wülfershausen übernehmen. Dort vermieteten sie Ferienzimmer und -wohnungen.

Das Rittergut ist verkauft, weil sie sich auf den ersten Blick in das Schloss Neunheilingen verliebt hatten. Im März 2017 ist das Paar mit zweien seiner Kinder in die Unstrut-Hainich-Gemeinde gezogen. Anfangs wohnten sie in einem Wohnwagen, jetzt haben sie schon einige Räume hergerichtet. Die weitere Sanierung erfolgt Stück für Stück.

Zurückgeblieben im Ilm-Kreis sind noch drei Esel, zwei Schafe und eine Ziege, welche die Familie gern nach Neunheilingen holen möchte, wo schon vier Ponys und zwei Hunde leben. „Wir hängen an den Tieren“, so die Bergsmas. Weil es bisher nicht mit dem Pachtvertrag für die Wiese klappte, mussten die Wahl-Thüringer sogar schon einige Tiere verkaufen.

Im Dezember 2017 hatten Petra und Uilke Bergsma daher die Fragestunde in der Gemeinderatsratssitzung genutzt, um auf ihr Problem hinzuweisen. In der Sitzung im Februar diesen Jahres versprachen die Gemeinderäte den Bergsmas ihnen „keine Steine in den Weg“ legen zu wollen.

Inzwischen sind wieder Wochen vergangenen. Die Familie fühlt sich von der Gemeinde vertröstet und hingehalten.

Neunheilingens Bürgermeister Sandro Seelänger (parteilos) erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, der Gemeinde liege viel daran, dass Familie Bergsma ihr Projekt verwirklichen könne. „Wir werden Lösungen finden“, versichert er.

Entwürfe für die Pachtverträge seien bereits ausgearbeitet, über die soll der Gemeinderat spätestens in seiner nächsten Sitzung abstimmen.

Zukunftsmusik sei jedoch bisher noch der Umzug des Bauhofs, der an das gemeindliche Parkgelände grenzt. Hier gäbe es zwar ein Ausweichobjekt, die Verhandlungen über den Mietpreis stehen aber noch aus.

Das Schloss hatte Georg von Werther 1716 erbauen lassen. Verbrieft ist ein Besuch des Dichters Johann Wolfgang Goethe im Jahr 1781. Zu DDR-Zeiten beherbergte das historische Gebäude Wohnungen, einen Kindergarten, das Gemeindebüro, und im Keller war eine Sauna untergebracht.

Vor einigen Jahren hatte sich ein Privatinvestor aus Neunheilingen zurückgezogen. Grund war, dass seine Ideen nicht mit den Auflagen der Denkmalbehörden vereinbar waren. Danach hatte sich ein Käufer für das Gebäude interessiert, der dort einen Swinger-Club etablieren wollte. Den Zuschlag erhielten jedoch die Bergsmas.

Ihr Problem habe inzwischen die Runde gemacht. Bei ihnen hat sich ein Kaufinteressent gemeldet, der in das Gebäude mit einer Kommune einziehen möchte.

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