Sicherheitsgründe stehen gegen Sympathie für den Platz für alle

Weimar  Informationsveranstaltung der Weimarer Stadtverwaltung im Goethegymnasium zur Neugestaltung des Sophienstiftsplatzes

Bis auf den letzten Platz besetzt war die Aula des Goethegymnasiums.

Bis auf den letzten Platz besetzt war die Aula des Goethegymnasiums.

Foto: Michael Baar

Der Sophienstiftsplatz und seine Umgestaltung bleiben ein Thema in Weimar. Und so reichten in der Aula des Goethegymnasiums am Abend die Sitzplätze nicht, um alle aufzunehmen, die sich für das Thema interessierten. So mancher Teilnehmer suchte allerdings keine Information, sondern eine Bühne, um seine Meinung einmal öffentlich kundzutun.

Die Planer Torsten Ehrlich (Büro Setzpfandt) und Heiko Donath (Büro Dane) stellten den Anwesenden die beiden Varianten mit Vor- und Nachteilen vor: eine Variante mit Lichtsignalanlage und eine als „verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“, der dem sogenannten Shared Space nahekommt.

In beiden Varianten werden die Verkehrsflächen um rund 2000 m² reduziert, die Nebenanlagen dagegen entsprechend vergrößert. Vor allem vor dem Bühneneingang des DNT entsteht ein größerer Platz, dem auch Aufenthaltsqualität gegeben werden soll. Auch die Fläche um den Kiosk Marke.6 wächst. An der Einmündung von Erfurter und Coudraystraße wird dem reinen Fußgängerbereich am Eckgeschäft in beiden Varianten mehr Platz gegeben. Die Sperrgitter verschwinden mit Ausnahme der Bereiche vor der Schule. Als Abgrenzung an den anderen Stellen sollen künftig Poller dienen. In beiden Varianten wird die Hummelstraße aus Sicherheitsgründen in der Fahrtrichtung gedreht und als Ausfahrt aus dem Quartier zum Sophienstiftsplatz dienen.

Die von der Stadt als Vorzugsvariante vorgeschlagene Variante 1 mit Lichtsignalanlage weist gegenüber heute verengte Fahrbahnen und keine Verkehrsinseln mehr auf. Die Lichtsignalanlage soll mit einer verkehrsabhängigen Steuerung und ÖPNV-Bevorrechtigung versehen wer-den. Schwachpunkt ist hier die Coudraystraße, für die sich keine Vorteile gegenüber heute ergeben sollen. Den Platz vor dem DNT-Bühneneingang quert ein sogenannter Bypass für Radfahrer. Auf dem gesamten Platz werden Angebotsstreifen für Radfahrer angeordnet. Die Fußgängerquerungen sollen barrierefrei werden.

In der Variante 2 ohne Lichtsignalanlage wird auf den „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ zusätzlich mit sogenannten Aufmerksamkeitsflächen hingewiesen: kleine Rampen, die auf einen leicht erhöhten Platz führen. Borde gibt es nicht mehr, lediglich Regenrinnen an den Rändern. Die Verkehrsfläche ist im Zentrum etwas größer. Der Radfahrer-Bypass vor dem DNT entfällt. Auf Ampeln, Schilder, Markierungen wird verzichtet, die Geschwindigkeit aber auf Tempo 20 reduziert. Kfz haben weiter Vorrang. Unterschiedliche Materialien und Oberflächen werden zur Orientierung genutzt. Der gesamte Platz wird barrierefrei.

Die Leistungsfähigkeit der Varianten zu Spitzenzeiten fällt bei der Lichtsignalanlage gleichmäßig aus, verbessert aber den ÖPNV. Der „Shared Space“ verbessert die Situation der Fußgängerquerung, verschlechtert sie aber für Kfz und lässt ÖPNV auf unterstem Niveau.

OB Peter Kleine und die Beigeordnete Claudia Kolb sprachen als bekennende Radfahrer und Fußgänger deutliche Sympathie für den „gleichberechtigten Platz“ aus und begründeten zugleich die Entscheidung gegen diese Variante mit Sicherheitsbedenken für einen Knoten, den täglich auch nach der Umgestaltung rund 11.000 Fahrzeuge passieren. In der Spitzenstunde wurden laut Torsten Ehrlich durchschnittlich 1700 Kfz, 140 Radfahrer und 300 Fußgänger auf dem Platz gezählt.

Bewohner aus dem Quartier um Washington- und Brucknerstraße äußerten Sorge, ob sich mit der Umgestaltung nicht doch Verkehrsverlagerungen in das Wohngebiet einstellen. Befürworter der Shared-Space-Variante warfen der Verwaltung vor, das Ergebnis zugunsten der Lichtsignalanlage habe bereits vorher festgestanden. Die Verwaltung schreibe „das Primat des Autos fest“, was die neue Verkehrsplanerin der Stadt, Anne Bellmann, energisch zurückwies.

Prof. Hans-Ulrich Mönnig sieht die derzeitige Verkehrsführung trotz ihres Alters immer noch als leistungsfähig an. Der Platz eigne sich aufgrund seiner Verkehrsbedeutung nicht als Experimentierfeld. Aus seiner Sicht hätte eine Neugestaltung mit einer modernen Verkehrssteuerung bis an die Marienstraße reichen müssen.

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