Sozialistische Kunst hat auf dem Erfurter Campus überlebt

Erfurt  Sozialistische Kunst ist an der Erfurter Uni heute immer noch präsent, zum Beispiel mit dem Wandbildnis von Heinz Scharr.

Die Wandgestaltung am Eingang zum Uni-Campus in der Nordhäuser Straße schuf Heinz Scharr entstand vor über 50 Jahren.

Die Wandgestaltung am Eingang zum Uni-Campus in der Nordhäuser Straße schuf Heinz Scharr entstand vor über 50 Jahren.

Foto: Kathleen Kröger

Als „Sinnbild des sozialistischen Erfurt“ hat sich die Pädagogische Hochschule an der Nordhäuser Straße in den 1960er-Jahren einen Namen gemacht. In den folgenden Jahren hat sich nicht nur das Studium verändert, auch wurde aus der PH die heutige Universität.

Was aber gut sichtbar erhalten ist, sind die verbliebenen Kunstwerke an und in den heute teils denkmalgeschützten Campusgebäuden.

Dezent und nahezu unscheinbar fallen die Wandbilder und Gemälde zunächst kaum ins Auge. Erst bei näherer Betrachtung entfaltet sich die Wirkung der Zeugnisse sozialistischer DDR-Kunst.

So passieren täglich zahlreiche Studierende das Metall-Wandbild am Haupteingang links neben dem von Säulen getragenen Flachdach, möglicherweise ohne sich dessen Geschichte bewusst zu sein. Abgebildet sind augenscheinlich Studierende und – als zukünftige berufliche Illustration einer Hochschule der Lehrerausbildung – auch ein Lehrer, der seine schützenden Hände in fast schon religiöser Pose über seine Schüler hält. Die teils in sich gekehrten, teils miteinander agierenden Stahlfiguren repräsentieren so das Leben auf dem Campus und das Leitbild, welches dem Studium und seinen Zielen zugeordnet wurde.

Die Figurenfassung zeigt sich in klaren Linien, ebener Gestaltung und dem starken, fast schon holzschnittartigen Farbkontrast des dunklen Stahls und des hellen Hintergrunds. Der thüringische Künstler Heinz Scharr war es, der die Komposition entwarf, was in Hinblick auf die Reduziertheit des Bildnisses überraschen mag.

So ist der 2017 verstorbene Grafiker und Bildhauer heute vor allem für seine abstrakten und feingliedrig-detaillierten Arbeiten bekannt. Während er in seinen Werken häufig die Natur in den Mittelpunkt stellte, war es in der Arbeit am Wandbildnis an der Nordhäuser Straße möglicherweise der französische Künstler Fernand Léger, dessen Darstellung von Gesichtern wohl als maßgebliche Inspiration für die Umsetzung Scharrs nahe liegt.

Was auch immer hinter der Idee zum auch heute fest ins Campusbild integrierten Wandbild steckte, zumindest mit der Friedenstaube auf der Hand des Mädchens behält das Werk wohl für viele Studierende die ungebrochene Versinnbildlichung von Achtsamkeit und Nachhaltigkeit. Und nicht zuletzt auch der Lehrerausbildung, der sich das Universitätsprogramm ganz in der Tradition der Pädagogischen Hochschule auch nach der Neugründung zur Universität verpflichtet hat.