Historiker aus Thüringen gründen Initiative gegen Populismus

Erfurt.  Ein Netzwerk von Thüringer Historikern will gegen den Missbrauch historischer Argumente von Populisten vorgehen.

Volkhard Knigge, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, gehört zu den Erstunterzeichnern der Initiative „Historiker*innen für ein weltoffenes Thüringen“ (HiWelt).  (Archivfoto)

Volkhard Knigge, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, gehört zu den Erstunterzeichnern der Initiative „Historiker*innen für ein weltoffenes Thüringen“ (HiWelt). (Archivfoto)

Foto: Bodo Schackow / /dpa

Eine Ministerpräsidentenwahl mit Stimmen der AfD, Rechtsextremisten vor der Thüringer Staatskanzlei, wachsender Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit - Thüringer Historiker wollen das nicht länger hinnehmen.

Mehr als 80 Wissenschaftler und Studenten von Universitäten, Gedenkstätten sowie Bildungs- und Bürgerinitiativen haben sich deshalb zur Initiative „Historiker*innen für ein weltoffenes Thüringen“ (HiWelt) zusammengeschlossen. In einer Resolution werden unter anderem kulturelle Vielfalt, ein sensibler Umgang mit Sprache und eine kritische Produktion von Wissen gefordert.

Zu den Erstunterzeichnern gehören der Jenaer Historiker Norbert Frei, die Erfurter Lehrstuhlinhaberin für Neue Geschichte Christiane Kuller, der ehemalige und der neue Stiftungsdirektor der Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge und Jens Christian Wagner, sowie der Leiter der Stiftung Ettersberg, Jörg Ganzenmüller.

Wissen nicht nur produzieren, sondern auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen

Durch Missbrauch oder Missachtung historischer Argumente würden wieder völkische Fantasien, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung praktiziert, sagte Mitinitiator Sebastian Dorsch von der Uni Erfurt bei der Vorstellung des Netzwerks in der Gedenkstätte Topf & Söhne. Historiker dürften sich deshalb nicht im akademischen Raum einigeln, sondern müssten sich mit nichtakademischen Initiativen zusammentun und so ihre Expertise einbringen und bündeln.

Ziel müsse es sein, Wissen nicht nur zu produzieren, sondern dieses auch der kritischen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Stefan Heerdegen, Berater der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus sagte, man brauche und ergänze einander.

Die Verständigung laufe unter anderem über Arbeitsgruppen, die sich um Themen wie „Schule und Bildung“ oder „Jüdisches Leben und Antisemitismus“ kümmern. Bei Letzterem habe man auch das bevorstehende Themenjahr zu 900 Jahren Judentum in Thüringen im Blick.