Thüringer ist Zahlmeister an Bord eines Ozeanriesens

Sonneberg.  Ein Thüringer ist auf einem Kreuzfahrtschiff für die Finanzen verantwortlich. Und er hat auch seine Zwillingsschwester für die See begeistert.

Der Thüringer Mathis Pasztori ist Zahlmeister an Bord auf dem Kreuzfahrtriesen „Mein Schiff“. Foto

Der Thüringer Mathis Pasztori ist Zahlmeister an Bord auf dem Kreuzfahrtriesen „Mein Schiff“. Foto

Foto: Gerald Müller

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Acht Quadratmeter, Schreibtisch, Stuhl, Computer. Das ist der Arbeitsplatz von Mathis Pasztori. Das Büro könnte wohl in jedem Gebäude der Welt sein, doch es schwimmt über die Weltmeere. Auf Deck 3 von „Mein Schiff 4“, direkt neben der Rezeption, hat der schmuck- und fensterlose Raum seinen Platz. Mit zwei Metall-Safes und einer Geldzählmaschine weist er im Innern allerdings Besonderheiten auf.

Mathis Pasztori, 29 Jahre, ist der Zahlmeister auf dem Ozeanriesen mit rund 2000 Passagieren und 1000 Crewmitgliedern. Zur Besatzung gehören allein etwa 200 Köche und Bäcker, die abwechselnd 24 Stunden lang kochen und backen. Die Kreuzfahrt hat ihn magnetisch angezogen, „weil man ständig andere Länder und Leute kennenlernt.“

Geboren ist Mathis Pasztori in Seltendorf, ein kleiner 200-Einwohner-Ort in der Nähe von Sonneberg. Nach dem Abitur und der Ausbildung zum Hotelfachmann erfüllte er sich vor rund neun Jahren schnell den Wunsch vom Aufbruch in die weite Welt. „Ich hatte noch nicht mal mein Zeugnis in der Hand, da habe ich auf dem Schiff angeheuert.“ Dort begann er an der Rezeption, arbeitete sich auf der Karriereleiter fortan kontinuierlich nach oben. Mittlerweile lenkt er fast 50 Personen im Gäste-Service, die beim Friseur, im Casino, in der Einkaufspassage oder im Foto-Studio tätig sind. „Letztlich kontrolliere ich alles, was mit Finanzen zu tun hat, egal, ob es sich um Bargeld oder Abbuchungen von der Kreditkarte handelt“. Wie viele Scheine täglich durch seine Hände gleiten, verrät er nicht. „Aber wäre das mein Tagessatz, wäre ich sehr, sehr zufrieden.“

Doch auch so wirkt er ausgeglichen, als leitender Angestellter mit Silberstreifen auf den Schulterklappen hat sich zudem kürzlich die persönliche Unterkunft verändert. „Inzwischen habe ich ein Einzelzimmer mit Fenster, wunderschön.“

Die Schwärmerei kann Zwillingsschwester Marit nachvollziehen. Auch sie reist mit der Tui-Flotte, allerdings nicht in identischer Funktion und auf dem gleichen Schiff wie der der Bruder. Marit ist im Spa-Bereich auf dem Herz-Schiff. „Klar, hat ihr gefallen, was ich mache. Das hat sie durchaus animiert“, so Mathis Pasztori. „Mein Bruder hat mich nicht nur bei der Entscheidung und Planung unterstützt, er gab mir auch den letzten Schubs für das Anheuern auf dem Schiff.“ Seitdem genieße sie es, „fast jeden Tag an einem neuen Ort aufzuwachen und tolle Menschen zu treffen.“

„Auf dem Schiff ist es sicherlich hart, aber wer kann schon von sich behaupten, durch die Arbeit so viel kennenzulernen?“, fragt Bruder Mathis eher rhetorisch. Und ergänzt, dass ja auch die Bezahlung „weitaus günstiger als das Lohngefüge in der Thüringer Hotellerie“ wäre. 4 Monate arbeiten, 2 Monate Urlaub, 4 Monate Arbeiten, 2 Monate Urlaub – das ist der Jahres-Rhythmus, bei dem er an Bord täglich rund zehn Stunden gefordert ist.

Nach Thüringen kommt er dabei nur noch ein Mal pro Jahr, „mein Wohnsitz ist mittlerweile Kapstadt“, wo er in einer WG lebt. „Ich teilte meine Kabine einst mit einem Südafrikaner. Als ich ihn mal besuchte, war ich unendlich begeistert von der Stadt am Kap.“ Seine Schwester zieht es dagegen bei jeder Gelegenheit nach Hause, dort, wo unter anderem die Eltern leben.

Mathis Pasztori kann sich vorstellen, auch noch in zehn Jahren auf hoher See zu arbeiten. „Ich brauche nicht viel fürs Glücklichsein. Alles, was ich habe, passt in einen Koffer. Wenn ich mal etwas Neues kaufe, muss Älteres verschwinden“. Sein Vorname stammt wie der von seiner Zwillingsschwester aus dem Nordischen. Und so mag er fast zwangsläufig besonders Norwegen. Aber auch Städte wie Dublin und Tallinn. Nach kurzer Pause fügt er noch die Karibik hinzu.

„Ein Traumziel“, bestätigt Schwester Marit. Aber Thüringen sei auch tausende Kilometer weit weg immer in ihrem Herzen. „Verständlich, das ist Heimat“, sagt Bruder Mathis.

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