Über 20.000 Menschen in Pflegeeinrichtungen von Besuchsverbot betroffen

Weimar.  Vom strikten Besuchsverbot in Pflegeeinrichtungen sind in Thüringen 25.000 ältere Menschen betroffen

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor. Besucher dürfen die Senioren in den Heimen derzeit nicht empfangen.

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor. Besucher dürfen die Senioren in den Heimen derzeit nicht empfangen.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

In Fulda beklagt der Klinikchef, dass das Besuchsverbot in stationären Einrichtungen von einigen Angehörigen nicht akzeptiert würde. Sie versuchten sich Zugang über Nebeneingänge zu verschaffen oder verwickelten das Personal in lautstarke Diskussionen. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Auch in Thüringen dürfen Angehörige nicht mehr Krankenhäuser, Seniorenheime und Wohnformen für Menschen mit Behinderung betreten. Doch die Betroffenen reagieren mit Besonnenheit, wie eine kleine Umfrage bei Seniorenheim-Betreibern und Verbänden ergab. Im Freistaat leben insgesamt 25.000 ältere Menschen in Pflegeheimen.

Die Gefahr, die von Corona ausgehe, sei allen bewusst, sagt Sven Kost, Geschäftsführer der Diako Thüringen (Diakonie). Im Umkehrschluss seien die Diakonie-Bewohner aber auch angehalten, ihrerseits nicht mehr vor die Tür zu gehen. Ähnlich handhabt das die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Dort sollen sich die Bewohner maximal in den heimeigenen Grünanlagen aufhalten. Ausflüge und Veranstaltungen sind gestrichen. „Für uns hat jetzt oberste Priorität, den Einrichtungsbetrieb in den Pflegeheimen so gut wie möglich aufrechtzuerhalten“, sagt Awo-Sprecher Dirk Gersdorf. Es müsse dafür gesorgt werden, dass auch bei krankheitsbedingten Ausfällen genug Pflegepersonal im Dienst sei. Schulbegleiter, die durch die Schulschließungen nun freie Kapazitäten hätten, werden etwa auf freiwilliger Basis in den Awo-Heimen eingesetzt.

Personalmangel erfordert Kompromisse

Auch im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) hätten sich die Mitglieder Unterstützung zugesagt, wenn es zu Personalengpässen kommen sollte, sagt Landesbeauftragter Thomas Engemann.

Personalknappheit droht allerdings auch aus einer zweiten Richtung, wie Awo-Sprecher Gersdorf betont. Pflegerinnen, die einen Partner hätten, dürften ihre Kinder nicht in die Notbetreuungen bringen. „Hier sind die Männer und deren Arbeitgeber aufgerufen, Rücksicht zu nehmen“, sagt Gersdorf. Angehörigen rät er, ihre Familienmitglieder in den Heimen „drei- bis viermal am Tag anzurufen“, um in Kontakt zu bleiben. Bei der Diakonie will man noch weitere digitale Angebote prüfen. Soziale Kontakte würden in den Seniorenheimen aber auch weiterhin gepflegt, unterstreicht Diako-Chef Kost. Der soziale Dienst unterbreite nach wie vor seine Betreuungsangebote wie etwa Vorlesen, nur in kleineren Gruppen.

Sollte es tatsächlich zu einem größeren Personalmangel kommen, müsse man Kompromisse machen, sagt bpa-Landesbeauftragter Thomas Engemann auch mit Blick auf ambulante Pflegedienste. Dann könnten nicht mehr alle Leistungen vollends erbracht werden, etwa das regelmäßige Reinigen einer Wohnung. „Wir werden aber alles tun, um eine bestmögliche Betreuung zu gewährleisten“, verspricht Awo-Sprecher Gersdorf wohl im Namen aller.

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