Uni Erfurt: Fast wie beim letzten Abendmahl

Erfurt  25 Jahre Uni Erfurt: Die Hochfriese von Hans Walther und Helmut Braun zeigen Musik, Kunst und Literatur

Die Südseite des Lehrgebäudes der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt wird von der Thematik Literatur geprägt.

Die Südseite des Lehrgebäudes der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt wird von der Thematik Literatur geprägt.

Foto: Kathleen Kröger

Da muss man schon Student sein, um diese Kunstwerke aus der Nähe betrachten zu können. Von unten nur schwer zu sehen, eröffnet sich der Blick aus den Seminarräumen am besten, um die Details der Hochfriese am Lehrgebäude der Staatswissenschaftlichen Fakultät deutlich erkennen zu können.

Die drei Mitte der 1950er-Jahre entstandenen Friese auf dem Campus an der Nordhäuser Straße stammen von Hans Walther und Helmut Braun. Thematisiert werden die musischen Disziplinen Literatur, Kunst und Musik. Obwohl in der Umsetzung sehr ähnlich ausgeführt, haben die beiden Künstler jedoch nicht alle drei Friese gemeinsam gestaltet. Die Westseite soll Hans Walthers Idee zur Kunst darstellen. Leichter greifbar wird das Bildnis auf der Südseite des Hörsaalbaus, auf der zwei Studenten über einem dicken Buch den Literaturbereich widerspiegeln.

Auf der von den beiden Bildhauern gemeinsam ausgearbeiteten Nordseite zeugen die klar hervorgehobenen Violinen und Flöten von der hier bis heute gelehrten Musikvermittlung.

Was sie ästhetisch vereint, ist ihre an Da Vincis „Letztes Abendmahl“ erinnernde Anordnung der Studenten und Pädagogen: Die je zehn bis 13 Personen sitzen in einer langen Reihe. Durch die Perspektive scheinen sie sich jedoch wie in einem Fenster auf dem Sims abzustützen. Das schafft den Eindruck, dass sie direkt auf das Geschehen auf dem Campus blicken.

Gerade der 1961 verstorbene Walther ist in Erfurt kein Unbekannter. So konnte er 1935 die Schauseite der neuen Sparkasse am Erfurter Fischmarkt figürlich gestalten, wie bereits 1930 die Sparkasse am Anger. In der NS-Zeit wurden zahlreiche seiner Grabdenkmale auf dem Hauptfriedhof als „entartete Kunst“ beseitigt oder zerstört. Dagegen blieben Steine in expressionistischen Formen verschont, die heute auf dem Neuen jüdischen Friedhof zu sehen sind.

Nach dem zweiten Weltkrieg schuf Walther 1947 außerdem das Bronzerelief an der Ruine der Barfüßerkirche, das seitdem an deren Zerstörung im Jahr 1944 erinnert.