Unternehmer aus Syrien hisst Merkel-muss-weg-Plakat in Laasdorf

Jena/Laasdorf  Warum ein Grieche mit syrischen Wurzeln für alle sichtbar gegen die Politik der Bundeskanzlerin protestiert.

An der Lagerhalle der Firma Pagus in Laasdorf hängt seit einer Woche ein Banner mit politischer Forderung.

Foto: Angelika Schimmel

„Merkel muss weg“: Der Satz wirkt immer noch wie ein Faustschlag, auch wenn er nur en passant wahrgenommen wird. Wer mit dem Auto auf der A 4 gen Gera fährt, kann ihn auf Höhe des Gewerbegebietes in Laasdorf lesen, ziert er doch ein großes Banner am Sitz des Pagus-Maschinenhandels. Paul Guloglou ist der Inhaber, ein Mann mit einem griechischen Pass und Wurzeln im syrischen Aleppo.

Seit einer Woche hängt das Banner an der Fassade, seit dem gestrigen Freitag nehmen die Reaktionen darauf deutlich zu. Das mag daran liegen, dass die AfD ein Foto mit dem Banner in den sozialen Netzwerken veröffentlicht und es hundertfach geteilt wird. Applaus von der falschen Seite? „Ja“, sagt Paul Guloglou. „Wenn Hitler einen Apfel aß und ich auch einen Apfel esse, macht mich das dann zum Nazi?“

Guloglou sieht sich als europäischen Patrioten: Er hadert mit Merkel, weil sie nachhaltig Europa gespalten habe, und bislang ihre Flüchtlingspolitik nicht kontrollieren könne. Wer vor Krieg fliehe, solle Asyl bekommen. Das ist human. Das Gros der Flüchtlinge aus den arabischen Ländern seien aber Wirtschaftsflüchtlinge. „Ich weiß, was Flucht bedeutet.“

Guloglou wird als Sohn armenisch-griechischer Eltern in Aleppo geboren.

Seine Familiengeschichte ist auch mit dem Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg verknüpft. Schon deshalb hat er Spuren in Jena hinterlassen, stiftete er doch im Jahr 2016 jenen Kreuzstein an der Camsdorfer Brücke – zum Gedenken an die 1,5 Millionen Opfer der Völkermorde an den Armeniern und zum Gedenken an die ermordeten Aramäer, Assyrer und kleinasiatischen Griechen vor 100 Jahren mitten im Ersten Weltkrieg. Dass dieser im fernen Armenien hergestellte und bearbeitete Stein in Jena seinen Platz gefunden hat, geht auf Gologlou zurück und hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass am Jenaer Rathaus seit drei Jahren immer am 24. April halbmast geflaggt wird im Gedenken an den Völkermord. „Die Geschichte meiner Familie ist von Flucht und Vertreibung geprägt“, sagt er.

Paul Guloglou lebt seit über 40 Jahren in Deutschland. 1981 meldet er in Bremen sein erstes Gewerbe an. 1992 zieht das Unternehmen nach Münster in Nordrhein-Westfalen und 1995 nach Hohenprießnitz in der Nähe von Leipzig. Die Ausstellungshalle im Gewerbegebiet Oberanger in Laasdorf wird 2008 eröffnet. Pagus verkauft viel übers Internet. 80 Prozent der Geschäfte werden nach Firmenangaben im Ausland abgewickelt.

Was wünscht sich der Unternehmer von der Politik? „Irgendwann und irgendwie muss die Zeit reif sein für eine neue Partei. Rechts von der Linken, ich meine damit die Linke, Grüne, SPD und CDU. Mit CSUlern, ohne die Schwester nachzuplappern, und mit AfDlern ohne Höcke, Gauland und derengleichen, die Müll im Kopf haben und das auch sagen“, schrieb Paul Guloglou vor wenigen Wochen auf Facebook.

„Merkel muss weg“: Auch Jenas CDU hat das Banner an der Autobahn registriert. Der Stadtrat Bastian Stein kündigte gegenüber unserer Zeitung an, gemeinsam mit dem Kreisvorsitzenden Guntram Wothly das Gespräch suchen zu wollen.

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