250 Fallschirmspringer warten auf blauen Himmel über dem Kindel

Kindel. Es ist zum in die Luft gehen, aber das Wetter lässt es nicht zu. "Ja, ein wenig Anspannung ist jetzt schon dabei", blickt Dieter Schwarz in den Himmel. Er ist 2. Vorsitzender des Fallschirmsportclubs Dädalus, der diese Woche die Deutsche Meisterschaft der Fallschirmspringer auf dem Kindel ausrichtet.

Thomas Försters Kamerahelm ist bereit. Der Eisenacher begleitet drei Teams. Fotos: Sascha Willms

Thomas Försters Kamerahelm ist bereit. Der Eisenacher begleitet drei Teams. Fotos: Sascha Willms

Foto: zgt

Monate haben sich rund 250 Sportler aus ganz Deutschland vorbereitet. Eine große Meisterschaft, wie lange nicht. Und dann das: Eine dicke Wolkendecke hängt über dem Kindel. Springen ist da unmöglich, sagt Schwarz. Der Sicherheit wegen, aber auch eine Auswertung der Sprünge wäre kaum möglich. Und das, obwohl die Sprünge mit Videokameras in der Luft aufgenommen werden.

Jedes Team hat einen Kameramann dabei, der sich durch Bremsbewegungen in seinem Spezialanzug der Geschwindigkeit der Springer anpasst. Zwei bis acht gehören je nach Disziplin zum Team und jede ihrer Handbewegungen muss später auf dem Video zu erkennen sein.

Unten angekommen überspielt er das Material. Kurz darauf flimmert es über Monitore in den Zimmern der Schiedsrichter und in der großen Halle, die mit einer gemütlichen Sitzecke ausgestattet wurde. Doch heute läuft hier nur ein Pausenfilm, die Springer lümmeln sich auf den Sofas und eine Wandergruppe aus Gotha beäugt sie dabei. Als Ersatz für die fehlenden Fallschirme am Himmel bekommen sie eine Gratisführung.

"Fallschirmspringen ist Kopfsache", fährt Dieter Schwarz fort. Mit seinem Team wurde er sieben Mal in Folge Deutscher Meister. Er weiß, wie lang die Zeit zwischen den Sprüngen werden kann, wie groß die Anspannung. Nur nicht springen ist schlimmer - und deshalb muss das Wetter besser werden.

Mit bis zu 300 km/h auf die Erde zu

Bis zu sieben Sprünge schafft ein Team pro Tag. Für diese Woche stehen zwei der DO 28-Flugzeuge dafür bereit. Spezialmaschinen, die in wenigen Minuten 4000 Meter Höhe erreichen. Je nach Disziplin fallen die Springer mit 200 bis 300 km/h wieder herunter. Am langsamsten in Bauchlage, wie beim klassischen Formationsspringen mit vier oder acht Springern.

In weniger als einer Minute freiem Fall müssen sie mehrere Übungen zeigen. Beim jüngeren "Freefly" kommt der Flugplatz schneller näher, weil man weniger Angriffsfläche bietet. Stehend zum Beispiel, weiß der Eisenacher Thomas Förster. Er ist Kameramann. In letzter Sekunde hat er sich zu einem Wettbewerb überreden lassen. Es war nicht schwer. Auch Dieter Schwarz springt noch mal mit. Eigentlich wollte er sich dieses Jahr zurückziehen, aber aufhören ist schwer. Wenn es doch nur endlichen anfangen würde.

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