30.000 Unfälle mit Pferden und Verletzten im Jahr

Der Massensport Reiten bringt Gefahren mit sich - die nicht immer ausreichend Beachtung finden.

Ein toter Mensch und sechs tote Pferde: So endete ein Massenunfall auf der A 9 bei Triptis vor zwei Jahren. Die Pferde waren ausgebrochen. Archivfoto: Sascha Fromm

Ein toter Mensch und sechs tote Pferde: So endete ein Massenunfall auf der A 9 bei Triptis vor zwei Jahren. Die Pferde waren ausgebrochen. Archivfoto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Das Dressur- und Springturnier soll gerade beginnen. Sebastian S., er ist 15 Jahre alt, hält sein Pferd am Zügel und läuft zum sogenannten Abreiteplatz, wo man die Pferde kurz für den Start vorbereitet.

Plötzlich keilt das Pferd, das vor dem Jungen läuft, aus und trifft den Jungen mit den Hufen. Der Schüler wird mehr als zwei Meter weit geschleudert und bleibt bewusstlos. Er stirbt wenig später im Krankenwagen.

So wurde es Anfang Mai aus Krefeld berichtet. Eine tragische Geschichte - und doch nur einer von vielen Unfällen, an denen Pferde beteiligt waren. Eine repräsentative Auswahl der Nachrichten aus den letzten drei Jahren:

In Prien am Chiemsee scheuen die Pferde einer Kutsche und gehen durch. Ein 29-jähriger Mann wird aus dem Fahrzeug geschleudert - und stirbt wenige Tage später.

Entlaufene Pferde verursachen auf der A 9 bei Triptis eine Massenkarambolage. Drei Menschen werden schwer verletzt, einer stirbt.

44 Kinder werden auf einem Reiterhof im Emsland verletzt, als bei einem nächtlichen Fackelausritt ihre Pferde plötzlich durchgehen.

Eine 72-jährige Radfahrerin verletzt sich bei einem Zusammenstoß mit einem Pferd nahe Paderborn schwer.

Zwei niedersächsische Mädchen, 13 und 14 Jahre alt, werden bei einem Ausritt in Tirol bei hohem Tempo von ihren Pferden abgeworfen.

Reiten ist Massensport. Mehr als 1,2 Millionen Erwachsene betreiben ihn in Deutschland, hinzu kommt noch eine halbe Million Kinder und Jugendliche. Nach etwa 30 000 Unfällen muss der Arzt gerufen werden; bei immerhin 40 Prozent sind Mädchen unter 14 Jahren betroffen.

Laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2007 über risikoreiche Sportarten bei Kindern und Jugendlichen lag das Reiten auf dem dritten Platz – gleich hinter Fahrrad- und Mopedfahren. Zudem, heißt es in der Untersuchung, sei die Rate der tödlichen Verletzungen außerordentlich hoch - und steige an.

Die meisten sterben an Kopfverletzungen

Oft genug wird nicht beachtet, dass Pferde Fluchttiere sind, sich beim geringsten Anlass erschrecken. Das kann der Schrei eines Kindes sein, ein vorbeifahrendes Auto oder einfach ein Mensch, der sich plötzlich bewegt. So geht fast jedem Kutsch-Unfall das Scheuen der Zugtiere voraus. Der Kutscher stürzt, danach kippt oft genug das Gefährt um.

Tödliche Unfälle haben aber meist mit dem Reiten zu tun. 30 davon wurden kürzlich für eine Dissertation am Universitätsklinikum Hamburg ausgewertet. Mehr als 80 Prozent der Opfer starben an Kopfverletzungen. Die zweithäufigste Todesursache waren Quetschungen von Brust und Bauch .

Als häufigster Grund des Unfalls wurde der Sturz vom Pferd festgestellt, gefolgt vom "Überrolltwerden" durch das Pferd - und Tritte. Die Unfälle ereigneten sich meist bei Ausritten im Gelände und während des beaufsichtigten Trainings.

Und, Zitat: "Nur 25 Prozent der Reiter trugen einen Helm, zwei Reiter trugen zusätzlich zum Helm eine Sicherheitsweste. Von den Reitern, die keinen Helm trugen, verstarben alle an Kopfverletzungen."

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