52 besonders Mutige beim Anbaden am Erfurter Nordstrand

Erfurt  Neuer Rekord: Anbaden lockte zum Jahresstart 52 Schwimmerinnen und Schwimmer an den Nordstrand.

Besonders Mutige tauchten am Neujahrstag am Nordstrand in das knapp fünf Grad „warme" Wasser und begrüßten unter den wachsamen Augen der DLRG-Helfer traditionell das neue Jahr. Martin Dreternitz (vorn Mitte, schwarze Mütze) blieb mit etwa zehn Minuten am längsten im Wasser.

Foto: Frank Karmeyer

Am Ende waren es 52 Schwimmerinnen und Schwimmer, der jüngste 7, der älteste 78 Jahre alt, die sich ins knapp fünf Grad „warme“ Wasser des Nordstrands stürzten. Das Starterfeld war diesmal ein wenig gestreckt – einige hatten sich zum mitgeteilten Termin um 14 Uhr am Wasser eingefunden, andere kamen traditionell um 15 Uhr zu ihrer Abkühlung am Neujahrstag. Zum mittlerweile 18. Mal ging – bestens organisiert, begleitet und betreut von 15 Helfern der DLRG – hier gestern das Neujahrs-Anbaden über die Bühne.

Die Luft war kaum wärmer, das beheizte Zelt zum Umkleiden daher bei den Teilnehmern sehr willkommen. Mancher aber, ganz abgehärtet, stand wie Tobias Saure schon lange in Badehose und nur vom Handtuch umhüllt in der Kälte und wartete darauf, dass es endlich losging. Zuerst mussten sich aber alle Teilnehmer in eine Liste eintragen und so bestätigen, dass sie keine gesundheitlichen Probleme mit an den Nordstrand bringen, für die ein „Kälteschock“ wenig hilfreich wäre. Saure indes nahm‘s gelassen – und vorbildlich. Schließlich ist er stellvertretender Ausbildungsleiter bei den Lebensrettern der DLRG. So lange die Muskeln zittern, sei alles in Ordnung, versichert er. Auch rotgefrorene Finger seien nicht schlimm. Erst wenn sie weiß würden, werde eine neue und kritischere Stufe der Unterkühlung erreicht. Davon blieben alle 52 Teilnehmer verschont, die oftmals nur wenige Sekunden im kalten Wasser eine kleine Runde drehten. Anders hingegen Martin Dreternitz. „Kälteexposition“ nennt er sein Hobby, das er seit einem Jahr trainiert, entweder am Nordstrand oder daheim unter der eiskalten Dusche. Während einige Teilnehmer nach Luft schnappend wieder glücklich den Steg erreichten, stand er nahezu bewegungslos im Wasser. „Mein Rekord liegt bei einer Viertelstunde“, erklärte er, doch das Festessen im Bauch setze ihm wie gestern ein Limit.

Mit dem Titel „Erster im Wasser“, abgesehen vom Rettungsschwimmer im warmhaltenden Taucheranzug, konnte sich gestern Jens Michael (51) schmücken. Als Sicherheitsexperte will er für jede Situation gewappnet sein.

Magnus (7) war sichtlich froh, schnell wieder aus dem Wasser zu sein. Weil auch seine beiden Geschwister Baden gingen, wollte er sich nicht lumpen und von Kälte und ebenso ungemütlichem Nieselregen abschrecken lassen. So ist der Nachwuchs fürs traditionelle Anbaden am Neujahrstag sicher, zu dem drei DLRG-Helfer in einer Faschingslaune die Idee hatten, die sie zunächst im Strandbad Stotternheim umsetzten. Inzwischen gehört das Anbaden für viele – und es werden immer mehr – zum Jahresstart dazu.

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