Apolda: Förderkreis Integration feiert Zwanzigjähriges

Apolda. Die "pränatale Phase", von der Dr. Grigory Weise mit Blick auf das Jubiläum sprach, ist lange her. Am Mittwoch nämlich feierte man beim Förderkreis Integration das Zwanzigjährige.

Zum Vereinsgeburtstag beim Förderkreis waren viele junge Leute anwesend.F oto: Dirk Lorenz-Bauer

Zum Vereinsgeburtstag beim Förderkreis waren viele junge Leute anwesend.F oto: Dirk Lorenz-Bauer

Foto: zgt

Weise gehörte mit Dr. Ernst-Michael Christoph, Horst Ruhla, Arnold Speiser, Ursula Franzke und weiteren Engagierten einst zu den Vereinsgründern. Damals verknüpfte sich mit dem Begriff Integration in hiesigen Gefilden fast nichts. Das sollte sich bald ändern.

Bis heute kümmert man sich im Verein nämlich intensiv um die Integration, deren tragende Säule der Deutschunterricht ist. Hinzu kommen ehrenamtlichen Bemühungen um Vermittlung des deutschen Kultur- und Wertesystems. Auch praktische Alltagshilfen werden "mit Herzblut und Engagement" angeboten.

Betreuung umfasst nicht nur Deutschunterricht

Während man es in früheren Jahren primär mit Spätaussiedlern aus den Teilrepubliken der Ex-Sowjetunion zu tun hatte, überwiegen längst die Asylbewerber. Sie erhalten Sprachunterricht. Später, wenn ihr Asylantrag positiv beschieden wurde, nutzen die Betroffenen in der Regel Integrations- und Deutschkurse der Volkshochschule. Dort werden sie von Arnold Speiser und seinen Kollegen betreut.

Der Förderkreis, der auch Exkursionen organisiert, über die Sozialgesetzgebung aufklärt, Hausaufgabenhilfe anbietet und Möglichkeiten zur künstlerischen Betätigung ermöglicht, füllt mit seiner Arbeit also eine Lücke aus, womit die Aufnahme der Menschen aus anderen Ländern erleichtert werden kann.

Sein erstes Domizil hatte der Verein in Bad Sulzas Emsenmühle. Es folgten Stationen in Nohra, auf dem Angespanne in Apolda, nachher in der Robert-Koch-Straße und nun im ehemaligen Finanzamt, wo der Kreis Räume zur Verfügung stellt. Anlässlich der Geburtstagsfeier trug der "Glöckchenchor" bei, der sich musikalisch neben "Isabella als geliebter Abendstern" auch mit einem Haus befasste, das nach einer Liebe zwischen Mann und Frau verwaist ist. Das Bild griff Förderkreis-Geschäftsführer Ernst-Michael Christoph auf, als er meinte, dass das Gebäude, in dem man nun sitzt, nicht leer sei. Vielmehr ging es dort auch wieder äußerst lebendig zu.

Nicht nur kulinarisch wurde die Gästeschar verwöhnt, sondern ebenso mit Informationen versorgt. Außerdem konnte man sich einem Deutschtest unterziehen. Es waren letztlich derart viele Gäste da, dass man ins Vestibül ausweichen musste. Asylbewerber waren zu sehen, Lehrer, Vertreter von Unterstützern wie Kreisvolkshochschule, Jobcenter uns so fort. Auch die Bürgermeister von Bad Sulza und Apolda waren anwesend.

Vize-Landrätin Christiane Schmidt-Rose verwies auf die Bedeutung des Asylrechts, das nicht umsonst im Grundgesetz stünde. Welche seelische Belastung es mitunter für die Menschen bedeutet, wenn sie die Heimat verlieren, sie in die Fremde ziehen, machte sie unter Verweis auf den Juden Arnold Zweig deutlich, der einst am Exil zugrunde gegangen sei. Daher sei es wichtig, die Menschen freundlich aufzunehmen, willkommen zu heißen, so Schmidt-Rose. - Und das unabhängig davon, aus welchen Gründen sie kommen. Denn man brauche sie als Arbeitskräfte, als Verbraucher, ja als Mitmenschen, die Deutschland bereichern. Nicht zuletzt sei das Gebot, Schwächeren zu helfen, zutiefst christlich.

Verein sorgt für eine Kultur des Willkommens

Im Begriff der Migration würden sich viele Facetten finden, so Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand. - Flucht, Integration, Asylverfahren, Partizipation et cetera. Manches sei kompliziert, so dass es Hilfestellungen brauche. Daher sei das Wirken des Förderkreises in der Stadt, im Kreis und auch fürs Land von "elementarer Bedeutung". Zumal, weil der Bedarf wegen steigender Flüchtlingszahlen nicht schrumpft. Nicht zuletzt habe man im Förderkreis einen Partner im Zusammenhang mit dem auf die Stärkung der Toleranz angelegten Aktionsplan. Eisenbrand betonte, dass es eine "Willkommenskultur" brauche. Der Verein sorge dafür.

Gedankt wurde Stadt, Kreis und Mitarbeitern. Eigens erwähnt wurde Michael Rauch, Sachgebietsleiter Asyl, für die tatkräftige Hilfe in nicht immer einfachen Situationen.