Archäologische Funde aus der Bronzezeit auf dem Petersberg in Erfurt

Erfurt  Vor dem Bau der Andreasgärten in Erfurt haben Archäologen auf dem Petersberg nach prähistorischem Funden gesucht – mit Erfolg.

Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat im Vorfeld der Bauarbeiten an den „AndreasGärten“ zwischen Andreasstraße und der Festungsanlage des Petersberges Ausgrabungen durchgeführt.

Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat im Vorfeld der Bauarbeiten an den „AndreasGärten“ zwischen Andreasstraße und der Festungsanlage des Petersberges Ausgrabungen durchgeführt.

Foto: Marco Schmidt

Neolithikum. Wenn Archäologen und Altertumsforscher dieses Wort benutzen, hätten sie, zur besseren Verständlichkeit, auch Jungsteinzeit sagen können. Karin Sczech, Gebietsreferentin im Landesamt für Archäologie, sagt gern Neolithikum. Fachfrau halt.

Gestern präsentierte die Expertin zum Abschluss der Grabungen auf dem Petersberg vor dem Bau der Andreasgärten, für die am nächsten Dienstag der Grundstein gelegt wird, das, was der Boden hergab, als man ca. ein Fünftel der 2,3 Hektar großen Baufläche untersucht hat.

Bevor man dort in die Tiefe ging, wurde in drei Stufen gesucht. Denn es war nicht klar, was da zu finden sein würde. Dazu wurde an der Stelle schon zu viel „gebuddelt“. Riesige Erdmassen wurden bewegt, als die Festung gebaut wurde. Zu DDR-Zeiten errichtete man irgendwelche Fahrzeughallen auf städtischem Grund. „Dazwischen, bis ins 19. Jahrhundert, wurde an der Stelle immer wieder herumgebaut“, so Karin Sczech.

Waschen, sortieren und inventarisieren

Vor drei Jahren wurde erstmals in der Tiefe gesucht. Um zu sehen, ob da was ist. Da war was, na klar. Alte Oberflächen aus der Festungsbauzeit im 17. Jahrhundert. Auch Scherben und Gebrauchsgegenstände aus Keramik. Neolithikum. Normale Betrachter würden vielleicht einfach nur von Scherben sprechen.

Für Karin Sczech sind es indes besondere Scherben, geben sie doch noch tausende Jahre später Zeugnis ab über Lebensweise und Besiedlungsformen. Man stieß auf eine Siedlungsgrube, in der Vorräte angelegt worden waren und eine Abfallgrube. Da lagen die Reste.

Genau, aus der Jungsteinzeit. Überreste einer Siedlung. Kein Wunder, war der Lösboden um Erfurt ideal zum Siedeln und Anbauen, so Sczech. Alles noch nicht so sensationell. Das wurde es erst später, zumindest aus Archäologen-Sicht.

Hunderte Befunde wurden mit weißen Kärtchen markiert und eingesammelt. 1,5 Kofferraumladungen. Ab ging es zum Waschen, Sortieren, Inventarisieren und Abspeichern im Computer. Genug Arbeit für drei Leute, die gewiss noch eine ganze Weile daran sitzen werden.

Ein Ergebnis dieser Fummelarbeit ist beim Vor-Ort-Termin gut verpackt dabei: ein Bechergefäß mit feinster Linienbandkeramik. Urzeit, 5000 Jahre vor Christus. Staunen.

Dann zeigt Karin Sczech wieder einige Scherben. Nein, keine x-beliebigen. Ganz besondere. Indizien aus der Bronzezeit. Das ist aus Archäologen-Sicht sensationell.

„Habe ich hier nicht erwartet“, sagt die Fachfrau und präsentiert noch einen so genannten Pfeilschaftglätter aus Stein, bevor sie zwei Tütchen aus der Kiste mit den Fundstücken zieht. Eine Tonpfeife. Zerbrochen in viele Teile. 19. Jahrhundert. Da ist sich Sczech sicher.

Denn dabei lag auch eine Münze, die eine klare zeitliche Zuordnung ermöglicht habe. Die Archäologin erzählt, dass es damals richtige „Pfeifenbäcker“gegeben habe, die ihre Initialien hinterließen. Geraucht worden seien die Pfeifen wahrscheinlich von gelangweilten Festungssoldaten während der Wache, so die Vermutung.

Die Untersuchung des Geländes, bevor die Bagger rollen, habe sich gelohnt, sagt Sczech. Es habe einige neue Erkenntnisse erbracht. In seinen Details sei der Platz so nicht bekannt gewesen. Wenn man dem ganzen in der Erkenntnis eine Note zwischen eins und zehn geben müsste, würde sie sich für eine gute Sechs entscheiden, so die Archäologin.

Bezahlen musste die Untersuchung übrigens der Bauherr, wie immer. In dem Falle die Johanniter. In Erfurt, so die Erkenntnis, kann das auf Grund der reichen Historie der Stadt schon vor Baubeginn mal so richtig ins Geld gehen.

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