Aus den Erinnerungen eines Krankenpflegers

Heiligenstadt.  Günter Liebergesell geht nach 45 Jahren Pflegerdasein im Heiligenstädter Krankenhaus in den Ruhestand und hat ein Buch mit Anekdoten gefüllt.

In seinem neuem Buch „Na sowas! Geschichte und Geschichten um und aus dem Krankenhaus. Erinnerungen eines Krankenpflegers“ hat Günter Liebergesell Historisches und viele Anekdoten aus seiner Krankenpfleger-Laufbahn gesammelt.

In seinem neuem Buch „Na sowas! Geschichte und Geschichten um und aus dem Krankenhaus. Erinnerungen eines Krankenpflegers“ hat Günter Liebergesell Historisches und viele Anekdoten aus seiner Krankenpfleger-Laufbahn gesammelt.

Foto: Eckhard Jüngel

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Als der damals 18-jährige Günter Liebergesell das Krankenhaus in Heiligenstadt betrat, um sich auf seinen Berufswunsch in der Fürsorge vorzubereiten, wollte er eigentlich nur ein Jahr dort bleiben. 45 Jahre sind es hingegen geworden, und Ende dieses Monats geht er in seinen verdienten Ruhestand. Nach der Ausbildung zum Hilfs- und später zum Krankenpfleger sowie einer Weiterbildung zum OP-Pfleger blickt er nun in seinem neuen Buch auf diese zum Teil aufregende Zeit zurück und hat darin witzige, spannende und auch traurige Anekdoten gesammelt.

Woran es lag, dass Günter Liebergesell nicht nach einem Jahr wie geplant Lebewohl sagte, ist schnell beantwortet: „Es hat mir so Spaß gemacht. Ich wusste, das ist der Beruf, den ich machen will.“ In den Jahren habe er viele tolle Lehrer gehabt, die ihm vor allem beigebracht haben, dass man nicht nur den gebrochenen Knochen behandelt. „Man muss auch die Seele etwas streicheln.“

Buch ist im Selbstverlag erschienen

Zwei Jahre hat er nun an seinem Buch, das im Selbstverlag erschienen ist, gearbeitet. Dafür hat er in Stiftungsurkunden, Festschriften und Archiven recherchiert, und er hat mit Kollegen gesprochen. „Wenn man zusammen sitzt, kommen immer nochmal neue Geschichten zu Tage.“ Diese füllen den Großteil des Buches. Außerdem gibt es die Lieblingsrezepte von Günter Liebergesell aus der Krankenhausküche und der Apotheke sowie zahlreiche historische Bilder.

Auf eine Geschichte ist der Autor dabei besonders stolz, denn zur Explosion am Abend des 21. Oktobers 1963 konnte ihm fast niemand etwas Handfestes mehr erzählen. Damals hatte nach einem Stromausfall das Notstromaggregat im Raum unter dem OP Feuer gefangen und löste eine Explosion der ebenfalls im Raum gelagerten Gasflaschen und Ätherbehältnisse aus. Niemand wurde an diesem Tag verletzt. „Fast ein kleines Wunder“, so Günter Liebergesell. An Quellenmaterial war also nicht heranzukommen, doch dann trat ein Nachbar an ihn heran, der damals in der Feuerwehr tätig war, und brachte ihm sogar den Löschplan von damals aus dem Feuerwehrarchiv. „Ein richtiger Rechercheerfolg.“

Krankenhaus war einmal Selbstversorger

Das Buch bietet weiterhin Einblicke in einen Krankenhausalltag, der heute nicht mehr vorstellbar ist. Denn damals war das Haus noch Selbstversorger, hatte zum Beispiel Bäckerei, Gärtnerei und Landwirtschaft unter einem Dach. Da mussten die Pflegeschüler auch mal mit aufs Feld und Kartoffeln ausmachen. „Die Ernteeinsätze waren immer ganz toll. Aus der Küche gab es Stracke, Brot und nassen Kuchen und für die Schwachen die Mixtura Theresina.“ Das Rezept zum gemeinten Johannisbeer-Likör von Schwester Theresa ist natürlich auch im Buch zu finden.

Genauso wie die Anleitung, einen Krankenhaus-Willi entstehen zu lassen. Auf einem Holzspatel malte Günter Liebergesell ein lustiges Gesicht mit Hemd, Kragen und Krawatte. Den Begleiter gab es dann für Kinder und manchmal auch Erwachsene als Trostspender in der Notaufnahme. Und einige haben ihn vielleicht heute noch gut verwahrt im Nachttischschrank. Auf die Bitte eines Mädchens kreierte Günter Liebergesell sogar eine Frau für den Willi.

Anekdoten und geschichtlicher Abriss

Diese und viele andere Geschichten über geschätzte Kollegen, Lehrer und kuriose Begebenheiten finden sich nach einem geschichtlichen Abriss zum Krankenhaus von der Gründung 1845 bis zur Fusion 2002 zum Eichsfeld Klinikum im Buch. Und was es zum Beispiel mit den Geschichten „Mitternachtspizza“, „Der ängstliche Nachtwächter“ oder „Chefvisite“ – laut Günter Liebergesell eine der schönsten – auf sich hat – davon sollten sich die Leser selbst überzeugen.

Das 216 Seiten starke Buch ist ab kommender Woche wieder in allen Heiligenstädter Buchhandlungen oder direkt bei Günter Liebergesell für 15 Euro zu erwerben. Denn die erste Auflage war zur Überraschung des Autors sehr schnell vergriffen. Am 13. Februar, um 19.30 Uhr, stellt der Autor sein Buch und das dazugehörige Bildmaterial im Alten Rathaus vor.

Schwester liest jeden Mittag aus dem Buch vor

Halböffentliche Lesungen ganz ohne den Autor gibt es derweil auch schon, erzählt er. Im Haus „Maria“ auf dem Hof des Kinderheims St. Josef in Heiligenstadt leben die verbliebenen Ordensschwestern, die das Krankenhaus einst führten. Dort liest Schwester Herigard, die viele Jahre Chefin im OP war, jeden Mittag aus dem Buch von Günter Liebergesell vor und erfüllt so die Schwestern mit schönen Erinnerungen.

Und was macht der baldige Rentner nun mit seiner freien Zeit? „Ich habe viel vor. Der Februar ist schon so voll, ich hätte gar keine Zeit mehr zu arbeiten.“ Vor allem will Günter Liebergesell mit Frau Angela, die er im Krankenhaus kennen und lieben gelernt hat und die zusammen mit ihm in den Ruhestand geht, verreisen. Ziele in Deutschland und Italien stehen schon auf dem Plan. Und das gute sei: „Wir müssen uns an keine Dienstpläne mehr halten.“

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