Ausgewilderter Luchs tappt im Revier Silkerode in die Fotofalle

Leinefelde-Worbis/Silkerode (Eichsfeld). "Wir haben schon seit Jahren Besuch von Luchsen aus dem Harz", erinnert der Leinefelder Forstamtsleiter Elger Kohlstedt im Gespräch mit unserer Zeitung daran, dass zum Beispiel der mit einem Sender versehene Luchs "M2" vom Auswilderungsprojekt im Nationalpark Harz vor drei Jahren bis zum Zehnsberg lief und dann über das Untereichsfeld zurück wanderte.

Die als Fundtier im Harz aufgezogene und (mit einem Sender ausgestattet) ausgewilderte Luchsin "F5" tappte Ende Februar im Revier Silkerode des Forstamtes Leinefelde in eine Fotofalle, als sie sich an einem mit Lockstoff versehenen Holzstab rieb. Foto: Thüringenforst

Die als Fundtier im Harz aufgezogene und (mit einem Sender ausgestattet) ausgewilderte Luchsin "F5" tappte Ende Februar im Revier Silkerode des Forstamtes Leinefelde in eine Fotofalle, als sie sich an einem mit Lockstoff versehenen Holzstab rieb. Foto: Thüringenforst

Foto: zgt

Seit Oktober vorigen Jahres nun hält sich die "besenderte" Luchsin "F5" nach ihrer Wanderung über die Räume Bad Sachsa, Tettenborn und Mackenrode (Kreis Nordhausen) dauerhaft im Südharzbereich bei Bockelnhagen auf, mit kurzen Streifzügen in Richtung Weißenborn und Stöckey. "Das wussten wir von Projektleiter Ole Anders", so Kohlstedt.

Schon im Sommer vorigen Jahres hatte Thomas Götze, Förster des Reviers Silkerode, vom Jagdhochsitz aus, "F5" in etwa 70 Metern Entfernung zufällig bei Tageslicht fotografieren können. Jedoch sind die Fotos wegen der Entfernung nicht sehr scharf. Götze fand später in der Gegend die Reste eines von der Luchsin gerissenen Hirschkalbs, obwohl Luchse hauptsächlich Rehe erbeuten.

So setzte sich das Forstamt zum Ziel, erstmals im Eichsfeld einen Luchs richtig vor die Kamera zu bekommen. Das gelang vor kurzem mittels Fotofallen - mit Nahaufnahmen nicht nur des besenderten weiblichen Luchses. Denn völlig überraschend ließ sich zunächst ein anderer, bisher unbekannter, Luchs fotografieren - "ein Gast, den keiner kennt", so Kohlstedt. Des Geschlecht dieses Tieres wurde aber noch nicht ermittelt. "Wahrscheinlich ist es ein Kater", sagt Forstreferendarin Jacqueline Reichenbach. Immerhin sei bei den Luchsen gerade Paarungszeit, und "F5" sei mit ihrem Alter von zwei Jahren geschlechtsreif. "F5" wurde im Harz ohne Bindung an Menschen aufgezogen. Ihre Mutter war überfahren worden.

Die 28-Jährige aus Sachsen, die an der TU Dresden Forstwissenschaft studiert hat, betreut im Rahmen ihrer Ausbildung im Forstamtsbereich Leinefelde eine forstliche und eine Naturschutzarbeit. Dazu gehört - in Zusammenarbeit mit Ole Anders - das Testen eines Monitoringverfahrens mit "Lockstöcken". Vor den Linsen von Wildkameras, die per Infrarot in bestimmten Intervallen auslösen, solange sich vor ihnen etwas bewegt, stehen je zwei Holzstäbe, die mit den Lockstoffen "Bibergeil" (castoreum) und Baldrian bestrichen sind.

Seit dem 13. Februar wurden im Südharzbereich des Forstamtes 18 solche Fallen aufgestellt, davon neun im Revier Silkerode. Private Waldbesitzer und die Jagdpächter waren darüber informiert worden. Die Fallen befinden sich gut versteckt abseits von Wanderwegen. Fotos, auch vom unbekannten Luchs, wurden bereits an das Harzer Luchs-Projekt übermittelt, das sie zum Vergleich mit anderen Nachweisen in seine Datenbank aufnahm. "An den Lockstöcken haben wir auch Haare eingesammelt, die eventuell noch genetisch untersucht werden", berichtet Jacqueline Reichenbach. Und um bessere Fotos zu bekommen, würden ab jetzt je zwei Kameras bei den Lockstöcken angebracht.

Für Elger Kohlstedt ist dieses erfolgreiche Luchs-Monitoring ein schönes Beispiel dafür, "dass wir uns nicht nur mit Holz beschäftigen, sondern auch in anderer Mission unterwegs sind, der Erforschung der Tierwelt". Er betont auch, dass die Eichsfelder Förster den Luchs als eine Bereicherung der heimischen Natur begrüßen, wobei die Meinung unter den Jägern da bisher nicht so eindeutig sei. Während der Luchs einst in ganz Deutschland lebte, aber ausgerottet und nun im Harz wieder eingebürgert wurde, gibt es auch tierische Neubürger, die nicht willkommen sind. "Ich hoffe", sagt Kohlstedt", dass zum Beutespektrum unserer Luchse auch Waschbären gehören."

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