Ausstellung zur Kyffhäuserhütte in Artern hat gute Chancen auf eine Zukunft

Artern  Volkmar Künne tritt ab dem nächsten Jahr deutlich kürzer. Mehrere Arterner wollen sich aber für den Erhalt des kleinen Museums einsetzen.

Im Oberen Hof in Artern gibt es eine Dauerausstellung zur Geschichte der Kyffhäuserhütte. Diese hat Volkmar Künne mit aufgebaut und betreut. Ab 2019 möchte er sich aber mehr und mehr zurückziehen. 

Im Oberen Hof in Artern gibt es eine Dauerausstellung zur Geschichte der Kyffhäuserhütte. Diese hat Volkmar Künne mit aufgebaut und betreut. Ab 2019 möchte er sich aber mehr und mehr zurückziehen. 

Foto: Patrick Weisheit

Er hat selbst mehrere Jahrzehnte in der Kyffhäuserhütte gearbeitet. Er erlebte die Abwicklung mit und richtete ein Museum im Oberen Hof ein, um die Erinnerung an den einst größten Arbeitgeber in der Region aufrechtzuerhalten.

Ab dem kommenden Jahr nun will Volkmar Künne als Herr der Ausstellung jedoch deutlich kürzer treten.

Bis zum 14. Dezember dieses Jahres empfing er regelmäßig immer freitags von 10 bis 12 Uhr interessierte Gäste im Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes, das gleichzeitig eines der ältesten Gebäude Arterns ist. Mit dem Niedergang der Kyffhäuserhütte drohte auch das Andenken an diesen Betrieb zu verschwinden, weil auf dem Terrain das neue Gewerbegebiet entstand.

„Die Kyffhäuserhütte war einer der größten Betriebe in der DDR und einer der drei größten Produzenten in der Lebensmittelmaschinenproduktion weltweit“, sagt Volkmar Künne und betont: „Der Betrieb hat die Region über Jahrzehnte geprägt, und deshalb muss das Andenken erhalten bleiben.“ Er selbst war 41 Jahre lang in der Kyffhäuserhütte beschäftigt, beginnend mit seinem ersten Ausbildungstag im Jahr 1951. „Ich habe in diesen Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt, aber die schwierigste Zeit war nach der Wende, als klar war, dass der Betrieb abgewickelt wird“, sagt Künne.

Mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Wolfgang Koenen sicherte Volkmar Künne ab dem Jahr 2000 mit Hilfe von zahlreichen Mitstreitern unzählige Dokumente und Exponate aus und über die Kyffhäuserhütte. Unter den Dokumenten befindet sich auch ein sogenanntes Geheimbuch, aus dem Künne viele interessante Informationen erhalten hat. „Ich war zwar viele Jahrzehnte im Betrieb, aber alles wusste ich natürlich auch nicht. Es ist schon erstaunlich, was man in den Dokumenten so alles findet“, sagt der 81-Jährige.

Die Kyffhäuserhütte wurde im Jahr 1881 von Paul Reuss gegründet und hatte nach 25 Jahren bereits 500 Mitarbeiter. „Der Erfolg kam dadurch, weil durch die Saline, die Zuckerfabrik und die Brauerei der Bedarf an Maschinen in Artern einfach sehr groß war“, erklärt Volkmar Künne rückblickend.

Auch über die Zeit während der Kaiserzeit, während der beiden Weltkriege und der Zwischenkriegszeit existieren viele Dokumente – erstaunlicherweise auch schon viele Fotos. „Hier kommt uns zugute, dass die Kyffhäuserhütte ein eigenes Fotolabor hatte. Deswegen gibt es so viele toll erhaltene Fotos“, sagt Künne. Aktiv miterlebt hat Volkmar Künne die Nachkriegszeit. „Die Hütte wurde dann Teil der sowjetischen Aktiengesellschaft Transmasch und auch dafür da, sowjetische Reparationsforderungen zu erfüllen“, erklärt Künne. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Kyffhäuserhütte zu einem der bedeutendsten Betriebe in der DDR und wichtigster Arbeitgeber in der Region.

Zahlreiche Auszeichnungen von der weltberühmten Leipziger Messe gingen regelmäßig nach Artern. Außerdem wurden die Maschinen stets weiterentwickelt. „Schließlich hatten wir Separatoren, die bis zu 45 Liter in der Stunde verarbeiten konnten“, sagt Volkmar Künne, der es betriebsintern bis zum Ingenieur gebracht hat.

Nach der Wende entstanden aus der Kyffhäuserhütte mit der Kyffhäuser Maschinenfabrik (KMA), der Kyffhäuser Service & Anlagentechnik (KSA) und der Kyffhäuser Pumpen Artern (KPA) drei Betriebe, die bis heute existieren.

Über die Jahre hat Volkmar Künne viele ehemalige Angestellte, aber auch Leute, die nichts mit der Hütte zu tun hatten, in der Ausstellung begrüßen können. Diese muss nun aber nicht geschlossen werden. „Es haben sich engagierte Bürger gefunden, die sich dieser tollen Ausstellung annehmen wollen. Das war ein tolles Weihnachtsgeschenk, als ich das erfahren habe“, sagt Arterns Bürgermeisterin Christine Zimmer auf TA-Nachfrage. Der Obere Hof habe noch großes Potenzial, das im kommenden Jahr ausgelotet werden soll. Auch neue Öffnungszeiten sind vorgesehen.

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