Bachstelze-Wirtin zornig wegen drohendem Image-Schaden

Bischleben  „Bachstelze“-Wirtin Maria Groß ist auf einem Internet-Portal der Stadt Erfurt unter den Hygiene-Sündern gelistet. Die Köchin will sich nun rechtlich wehren.

Maria Groß am Handwaschbecken in ihrer kleinen Küche. Ursprünglich sei es von Amtswegen gar nicht gefordert gewesen. Nachdem es beanstandet wurde, ließ sie es nun mit einer Sensor-gesteuerten Armatur nachrüsten.

Maria Groß am Handwaschbecken in ihrer kleinen Küche. Ursprünglich sei es von Amtswegen gar nicht gefordert gewesen. Nachdem es beanstandet wurde, ließ sie es nun mit einer Sensor-gesteuerten Armatur nachrüsten.

Foto: Casjen Carl

„Seitdem wir Erfolg haben, gehen hier die Ämter ein und aus“, sagt Maria Groß, Wirtin des Ausflugslokals „Bachstelze“ und in zahlreichen Koch-Shows dieser Republik gern gesehener Gast. Die letzten Visiten aus dem Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt zeigen nun aber Folgen, die ihr den Zorn ins Gesicht treiben. Seit vorgestern ist auf dem Internet-Portal der Stadt ihr Name auf einer Seite veröffentlicht, die „Hygieneverstöße und Täuschungstatbestände beim Umgang mit Lebensmitteln“ veröffentlicht.

„Ich bin fassungslos, das ist ein Imageschaden sondergleichen“, sagt Maria Groß – und vor allem sei es völlig überzogen. „Lebensmittelrechtliche Hygienemängel und Mängel in der Kennzeichnung“ ist dort als Grund der Beanstandungen genannt. Und, dass es zubereitete Speisen betreffe.

Maria Groß, die an ihrer früheren Wirkungsstätte Kaisersaal bereits zur Sterneköchin gekürt worden war, sieht in dem Eintrag eine Art Pranger und den Höhepunkt einer Kampagne unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes. Nun wolle sie aber nicht mehr zuschauen. Bereits gestern strebte ihr Anwalt eine einstweilige Verfügung dagegen an, dass sie in dem Portal – bisher steht dort neben der „Bachstelze“ nur ein Restaurant – weiter genannt wird. Erst vor wenigen Tagen war die Praxis der Veröffentlichung beanstandeter Restaurants wieder von der Stadt aufgenommen worden.

So rechtfertigt die Stadt die Veröffentlichung in der Liste für Hygiene-Verstöße

Was genau nun für Vorwürfe gegen die Wirtin der „Bachstelze“ erhoben werden, das war gestern aus dem Lebensmittelüberwachungsamt nicht mehr zu erfahren, da Amtsleiter Dr. Ulrich Kreis außer Haus war. Der zuständige Dezernent Steffen Linnert (SPD) versicherte aber, dass solche Maßnahmen nur ergriffen würden, wenn es erhebliche Verstöße zu verzeichnen gab und auch ein entsprechendes Bußgeld verhängt würde. Genau das ist auch eine Grundvoraussetzung für die Veröffentlichung. Nämlich „dass das zu erwartende Bußgeld über 350 Euro liegt“ – wie es auf der Internet-Seite steht.

„Ich habe weder irgendeine Strafe gezahlt noch wurde mir bisher eine in Aussicht gestellt“, versichert hingegen Maria Groß. Noch vor wenigen Tagen dachte sie, dass das Thema, das sie in den vergangenen Wochen schon beschäftigt hatte, endgültig vom Tisch sei.

Losgegangen sei es akut im September, als eine Mitarbeiterin des Amtes sie aufgesucht habe, um Beschwerden anzusprechen, die zur Anzeige gebracht worden seien. Dort seien ein paar Verstöße notiert worden. Das Protokoll habe sie aber umgehauen, berichtet die bundesweit bekannte Wirtin. So war seinerzeit ein Kühlschrank ausgestiegen, was zum Eintrag „keine Kühlmöglichkeit“ geführt habe. Maria Groß erklärt, dass der Kühlschrank vorn in der Küche wirklich nicht ging – aber leer geräumt war und der Monteur bestellt gewesen sei. Nachweisbar stehen in den Vorratsräumen aber etliche Kühlschränke. Auch im Keller, wo die Waren lagern, auf die schnell zugegriffen werden müsse. „Ein Restaurant ohne Kühlschrank ist doch undenkbar.“

Das Protokoll des Besuchs am 20. September konnte unsere Zeitung nicht einsehen, da es laut Maria Groß beim Anwalt liegt. „Ich hole inzwischen auch bei Kontrollen immer den Rechtsbeistand hinzu.“ Einsehen konnten wir aber das Protokoll, was Maria Groß die Annahme bescherte, dass der Ämtertrouble ausgestanden sei. Am 4. Dezember gab es nämlich die letzte Kontrolle, „um die ich gebeten hatte, um hier Ruhe zu haben.“ Das steht: „Es wurden keine offensichtlichen Mängel festgestellt.“ Im Anschluss alle offenbar zuvor beanstandete Punkte als erledigt abgehakt. „Kühltisch ist funktionsfähig, Armatur mit Sensor wurde am Handwaschbecken installiert. Eingefrorene Lebensmittel sind gekennzeichnet.“

Warum aber, fragt sich Maria Groß, wurde dann am 12. Dezember – also ein paar Tage nach dem Check ohne Einwände – ihre Gaststätte im Portal mit den Hygieneverstößen hochgeladen?

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