Baden bei 4,3 Grad ist nicht unbedingt jedermanns Sache

Erfurt  Zum 13. Mal trafen sich 45 Wagemutige am Nordstrand zum Anbaden

Anbaden am Nordstrand mit Botschaft nebst passender Mütze: Romed Gläßer, Sophie Gläßer, Sarah Gläßer und Tom Schirrmeister (v.l.) aus Dielsdorf.

Anbaden am Nordstrand mit Botschaft nebst passender Mütze: Romed Gläßer, Sophie Gläßer, Sarah Gläßer und Tom Schirrmeister (v.l.) aus Dielsdorf.

Foto: Michael Keller

Kälte kann das Altern bremsen. Bewiesen wurde es vor einigen Jahren mit Zwerghamster-Versuchen. Und weil der Mensch nur ungern altert, geht er auch bisweilen freiwillig ins eiskalte Wasser. Wie alljährlich, wenn am Erfurter Nordstrand trotzt knackiger Temperaturen die Badesaison eröffnet wird.

Nun gut, knackig geht anders. Gestern zeigte das Thermometer beim 13. Neujahrsbaden zehn Grad plus Lufttemperatur an, und selbst erfahrene Badefreaks konnten sich nicht erinnern, dass es vormals schon so warm gewesen wäre. Vorbei die Zeit, als sich der Start um Stunden verzögerte, weil man erst mit einer Kettensäge ein großes Loch ins Eis sägen musste.

Gestern war das nicht nötig. Kalt war es trotzdem. Baden bei 4,3 Grad Celsius ist nicht jedermanns Sache. Aber trotzdem konnte sich Uwe Richter, der Schatzmeister des Stadtverbandes der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), über eine neue Rekordbeteiligung freuen. 45 Wagemutige tauschten Wärmendes mit Badehose und Bikini. Punkt 15 Uhr ging es in die Fluten, beobachtet von Hunderten Kiebitzen.

15 DLRG-Helfer hatten alles vorbereitet, um allen Eventualitäten vorzubeugen. „Passiert ist noch nie etwas, wir haben auch alles zur Wiederbelebung dabei – Defibrillator, Sauerstoff, Glühwein, Linsensuppe“, so Richter mit schalkhaftem Grinsen.

45 Kaltbader – das ist neuer Teilnehmerrekord

„Heute brauchen wir Eiswürfel fürs Wasser“, witzelte er dann noch kurz vor dem Start ob des Wetters. Richter und Tauchschulenchef Peter Jahr dachten sich 2006 die Idee vom Neujahrsbaden aus und hatten dabei auch das alljährliche Weihnachtstauchen der Froschmänner im Hinterkopf. Es hat funktioniert. Ein Neujahrstag ohne die Eröffnung der Badesaison am Nordstrand – undenkbar

Die Kunst, im eiskalten Wasser – ja, 4,3 Grad sind tatsächlich eiskalt – zu baden, bestehe darin, sich wenig zu bewegen, verriet ein Taucher, der zur Sicherung vor Ort war. Wenn man sich zu viel bewege, sinke die Körpertemperatur. Aber wer weiß denn so was.

Einen besonderen Gag hatte sich ein Bade-Quartett aus Dielsdorf bei Schloßvippach ausgedacht. Mit bunten Mützen auf dem Kopf und einem wärmenden Getränk im Becher in der Hand stiegen Romed Gläßer, seine Frau Sophie, Sarah Gläßer und Tom Schirrmeister ins kühle Nass. Dann entrollte Romed Gläßer im Wasser ein Pappschild mit der Aufschrift „Gesundes neues Jahr 2018“ und hielt es in Richtung Publikum. „Macht mir nichts aus, ich gehe auch zu Hause jeden Morgen in den Pool, das erfrischt“, sagt Gläßer, als er wieder an Land ist. Und während er sich abtrocknet, entsteigt eine Badenixe dem Wasser und sagt genießerisch: „Jetzt prickelt es.“

So kann man das neue Jahr beginnen. Und ganz nebenbei das Altern bremsen.

Zu den Kommentaren