Ballstädter Projekt nach Brüssel eingeladen

Ballstädt.  Dorfkonsum mit Genossenschaft als Betreiber. EU-Konferenz zu erfolgreicher Förderung lädt Initiatoren ein.

Frank Schöler, Felix Scharbert, Raic Pache, Andrea Frank, und Horst Dünkel (von links) vor dem Dorfkonsum mit einem Schild, das auf Fördergeber und Organisation der Förderung hinweist.

Frank Schöler, Felix Scharbert, Raic Pache, Andrea Frank, und Horst Dünkel (von links) vor dem Dorfkonsum mit einem Schild, das auf Fördergeber und Organisation der Förderung hinweist.

Foto: Peter Riecke

Kürzlich kamen wichtige Akteure noch einmal vor der Abreise zweier Vertreter nach Brüssel am Ort des Geschehens zusammen. Horst Dünkel, Bürgermeister und Vorsitzender der Genossenschaft, die seit 2015 den Dorfkonsum in Ballstädt betreibt, sein Stellvertreter im Genossenschaftsvorstand, Frank Schöler, Felix Scharbert, Regionalmanager bei der Regionalen Aktionsgruppe Gotha- Ilmkreis - Erfurt (RAG) und Raic Pache aus dem Gothaer Landratsamt, der Angelika Rösch aus dem Sachgebiet Kreisentwicklung vertritt.

Andrea Frank ist sowieso da, sie ist die Verkaufsstellen-Leiterin. Der Dorfkonsum in der Ballstädter Stubengasse 2 entstand, weil die Ballstädter wieder eine Verkaufsstelle für Waren des täglichen Bedarfs im Ort haben wollten. Doch dazu bedurfte es nicht nur eines Raumes, der Einrichtung und des Personals, sondern auch eines Besitzers und einer Anschub-Finanzierung.

Die kam aus dem EU-Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und betrug genau 19.548,29 Euro. Die RAG ist der regionale Ansprechpartner für die Umsetzung der zu fördernden Projekte. Das Geld genügte für Teile der Ladeneinrichtung und einen Anteil an der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Konsums, jedoch nicht, um einen Dorfkonsum vollständig einzurichten und zum Leben zu erwecken

Ohne Förderung kein Konsum

Dafür war die Gründung der Genossenschaft erforderlich, ohne die Aussicht auf EU-Förderung wäre das Projekt jedoch nicht begonnen wurden, unterstreicht Horst Dünkel. Deshalb fahren er und Felix Scharbert mit dem Zug am Montag, dem 2. Dezember nun nach Brüssel zu einer EU-Konferenz, die vom europäischen Meeres- und Fischereifonds anlässlich des Endes der aktuellen Förderperiode veranstaltet wird. Auch dieser Fonds wurde zugunsten regionaler Entwicklung aufgelegt.

Wie mit so geringen Fördermitteln eine so positive Entwicklung initiiert werden kann beispielhaft darzustellen, sei wohl einer der Gründe gewesen, den Ballstädter Vorsitzenden und ihn nach Brüssel einzuladen, vermutet Scharbert. Horst Dünkel geht davon aus, dass es die nächsten Konsum-Verkaufsstellen auf Basis einer örtlichen Genossenschaft in Seddin bei Berlin und Grabow bei Schwerin gibt. Bis zum 4. Dezember werden Dünkel und Scharbert das Projekt im Rahmen der Konferenz mit einem Informationsstand vorstellen. Der Ballstädter Konsum hat zwei Verkaufsräume, eine Imbissecke mit Tisch und Sitzplätzen, die dafür notwendige Küche, ein Außenlager und ein Innenlager und sogar einen drahtlosen Hotspot für schnelles Internet, in dem man sich per Handy, Tablet-PC oder auch Notebook unentgeltlich einloggen kann.

Imbiss und schnelles Internet

Das ist gerade in Ballstädt wichtig, da dort die Mobilfunk-Abdeckung lückenhaft ist. Die Bäckerei Meininger beliefert den Backwarenstand. Die Anlieferung außerhalb der Öffnungszeiten ist durch eine spezielle Schließanlage möglich. Sie wurde auch mit Hilfe des jüngsten, dritten Förderabschnittes realisiert. Auch Parkplätze vor dem Gebäude wurden unkompliziert geschaffen. Die Photovoltaikanlage leistet maximal 10 Kilowatt pro Stunde, wenn die Sonne im Zenit steht und der Himmel klar ist. Dann, wenn die Kühlung am nötigsten ist, hat sie auch den höchsten Ertrag, erläutert Dünkel diese Investition. So gibt es wenig Leitungsverluste. Überschüssiger Strom wird verkauft, um die Betriebskosten zu senken. Die Investition beläuft sich insgesamt bis jetzt auf 41.365,07 Euro. Der Jahresumsatz des Konsums beträgt rund 200.000 Euro. Was noch fehlt, ist eine Rampe zur Auffahrt mit Rollatoren oder Rollstühlen. Die Kommune selbst könne dies aktuell nicht leisten, sagt Horst Dünkel. Die Kommune selbst ist Vermieter und auch Mitglied der Genossenschaft. Gründungsmitglied ist auch Verkaufsstellen-Leiterin Andrea Frank. Da es keinen eigenen Fleischer im Konsum gibt, wird gerade die Bestellmöglichkeit mithilfe des Messenger-Dienstes WhatsApp eingerichtet.

Genossenschaft wächst weiter

Die Genossenschaft hat 56 Mitglieder, davon sind 45 Ballstädter, weitere kommen aus Orten in der Nähe wie Burgtonna, Molschleben und Bufleben. Auch die beiden Agrargenossenschaften aus Molschleben und Goldbach und einige Firmen der Region wie der Windpark-Betreiber Boreas sowie Handwerker des Ortes sind dabei. Die Mindesteinlage beträgt 100 Euro. Es gibt zurzeit weitere Eintritte in die Genossenschaft. Der Laden habe wieder Leben in die Ortsmitte gebracht, sind sich die Beteiligten einig.

Die Öffnungszeiten lauten im Winter: 7.30 bis 11.00 Uhr und 15.00 bis 17.30 Uhr sowie an Sonnabenden 7.30 bis 11 Uhr

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