Barbecuesoße aus der Heimat versüßt Aufenthalt in Ilfeld

Ilfeld  Der 16-jährige Ian Matthew Strickler aus Texas verbringt ein Austauschjahr in Ilfeld. Er will wiederkommen.

Nach der Schule will Ian Matthew Strickler in den USA Football an einer Universität spielen und entweder Politik oder Medizin studieren.

Nach der Schule will Ian Matthew Strickler in den USA Football an einer Universität spielen und entweder Politik oder Medizin studieren.

Foto: Doreen Hotzan

Jacken zu tragen kennt Ian Matthew Strickler von daheim eher nicht. „Bei uns in Texas ist es mit Temperaturen von 40 Grad immer sehr heiß“, erläutert der 16-jährige Amerikaner in gutem Deutsch. Die Temperaturen in Deutschland empfinde er dagegen als angenehm. Und ab und an habe er hier schon eine Jacke tragen müssen. „Das war interessant“, sagt Ian Matthew Strickler, der momentan am Nordhäuser Herder-Gymnasium die zehnte Klasse besucht. Bei Pfarrer Gregor Heimrich und seiner Familie in Ilfeld hat der Texaner ein vorübergehendes Zuhause gefunden.

Im August letzten Jahres ist der Teenager aus der texanischen Stadt Frisco nahe Dallas mit anderen Jugendlichen über das Austauschprogramm des Deutschen Bundestages und des US-Kongresses als Austauschschüler nach Deutschland gekommen. Eigentlich wollte er erst gar nicht hierher, gibt der 16-Jährige zu. Im Streit mit seinem Vater habe er dann aber doch den Entschluss gefasst, für ein Jahr nach Deutschland zu gehen. Bereut hat der Teenager diese Entscheidung bisher nicht. „Ich liebe Deutschland“, sagt der Austauschschüler.

Anfangs habe ihm die Sprache noch massive Probleme bereitet. „Ich konnte kein Deutsch und habe nichts verstanden. Es hat drei Monate gedauert, bis ich Deutsch beherrschte“, blickt Ian Matthew Strickler zurück. Doch inzwischen kann er sich gut verständigen, was wohl auch daran liegen dürfte, dass er sowohl mit seinen Mitschülern als auch in seiner Gastfamilie viel Deutsch spricht. Bei den Heimrichs hat sich der 16-Jährige schnell eingelebt. Die sind als Gasteltern schon erfahren. „Wir haben damals über einen Zeitungsartikel erfahren, dass Gastfamilien gesucht werden. Für uns war das selbstverständlich, uns zu melden“, erläutert Gregor Heimrich. Vor Ian hat in seiner Familie schon einmal eine Mädchen aus den USA gelebt. „Sie hat das Jahr aber abgebrochen, weil sie Heimweh hatte“, so der Pfarrer. Nach Ians Rückkehr in die USA kommt noch ein Mädchen aus Frankreich zu ihnen. Lange wird das nicht mehr dauern. Denn der Abschied naht. Bereits am 17. Juni geht es für den Texaner wieder zurück in seine Heimat. Er will auf jeden Fall wiederkommen, hat hier viele Freunde gefunden, sagt er – nicht nur in der Schule, sondern auch im Fußballverein in Ellrich, für den er kickte. „Am meisten werde ich das Leben hier in Deutschland vermissen“, ist sich der Teenager sicher. Er habe hier so vieles kennen- und schätzengelernt. So essen die Deutschen viel mehr Mischbrot und Schnitzel. Das kennen wiederum die Texaner nicht. „Wir essen mehr Toastbrot und eher Steaks“, zählt er einen Unterschied auf. Auf ein Lebensmittel aus seiner Heimat habe er allerdings nicht verzichten können: die Barbecuesoße. „Die habe ich mir schicken lassen“, sagt Ian Matthew Strickler und lacht.

Auch die Gegend, in der er sein Auslandsjahr verbracht hat, wird ihm fehlen. „Ich bin froh, dass ich hier und nicht in Berlin gelandet bin“, meint er und schiebt sogleich als Erklärung hinterher, dass er ja schon aus einer größeren Stadt komme. „Das Dorfleben ist cool“, meint Ian Matthew Strickler. Gemeinsam mit seiner Gastfamilie und den Teilnehmern seines Austauschprogrammes hat er in den letzten Monaten einiges von Deutschland gesehen: den Harz, den Brocken, Dresden, Berlin und Köln. Nimmt er sich ein Souvenir mit in die USA? Ian Matthew Strickler nickt. Eine Tasse habe er sich schon als Andenken gekauft. Ein Andenken aus Nordhausen müsse er sich allerdings noch besorgen.