Begriff „Kindergarten“ soll von Weimar aus wieder ganz Deutschland erobern

Weimar  Eine Kampagne zielt auf die Rückkehr zum Begriff, den Fröbel prägte, und der weltweit in 40 Sprachen übernommen wurde. Nur in Deutschland verschwand er immer mehr aus dem Sprachgebrauch.

Die Weimarer Kita „Anne Frank“ in Trägerschaft der JUL gehört zu den Einrichtungen, in die der Begriff „Kindergarten“ zurückkehrt.

Foto: Susanne Seide

Manche Thüringer haben nie einen anderen Begriff verwendet. In 40 Landessprachen weltweit wurde er übernommen – deutschlandweit allerdings verschwand das Wort „Kindergarten“ immer mehr aus dem Sprachgebrauch. Aus Sicht der Gesellschaft für Deutsche Sprache gilt es bereits als gefährdet und wurde in die Liste für mögliche Wortpatenschaften aufgenommen. Mit der gemeinnützigen JUL GmbH mit Sitz im Weimarer Ortsteil Schöndorf hat der Begriff Kindergarten allerdings einen großen Fürsprecher und Unterstützer gefunden, der das mit ändern möchte.

Thüringen ist das Heimatland der von Friedrich Fröbel etablierten Kindergarten-Idee. Nun könnte es zur Keimzelle der Rückbesinnung auf Idee, Name und Werte werden, die der Reformpädagoge im Sinn hatte. Schon 1840 hat Fröbel den weltweit ersten Kindergarten eröffnet. Die JUL als großer Träger kann all das von München bis Hamburg in zurzeit 60 Einrichtungen tragen, in denen mehr als 700 Mitarbeiter über 3800 Mädchen und Jungen betreuen. Eine Reichweite, die weit über dem liegt, was die Initiatoren der Petition „Die Welt spricht Kindergarten“ an den Thüringer Landtag bisher erreichen können. Damit steigen zugleich die Hoffnungen des Kreises Thüringer Fröbel-Städte, im zweiten Anlauf die Anerkennung als immaterielles Unesco-Weltkulturerbe doch noch zu erhalten.

Der Ursprung der Bestrebungen liegt in Bad Blankenburg, dem Ort mit dem ersten Kindergarten. Sie kamen über den Weimarer Fröbel-Kindergarten zur JUL. Bei einem Treffen von deren Kindergarten-Leitern fand die Rückkehr zum alten Begriff gleich viel Zuspruch.

Petition läuft bis zum 19. Oktober

Inzwischen ist bei JUL ein entsprechender Gesellschafterbeschluss gefasst – mit weitreichenden Konsequenzen: Internet-Auftritt, Schilder an den Häusern müssen geändert werden, Briefpapier & Co. Mehr noch: Das Wort muss in Verwaltungsvorschriften und Gesetze Einzug finden, wo sich seit den 1970er-Jahren im Westen und nach der Wende auch hier der technokratische Begriff Kindertagesstätte eingebürgert hat.

Dieser Umstand wundert übrigens alljährlich junge japanische Erzieherinnen bei ihren Weimar-Aufenthalten. In Japan ist der Kindergarten ebenso eine Institution wie etwa in China, Neuseeland, Süd-Tirol, Jordanien oder den USA. Die Länder, die den Begriff bis heute verwenden, verbinden damit meist auch Fröbels Idee, dass Kinder in einem familiären Umfeld wie in einem behüteten Garten beim Spielen zwar angeleitet werden, sich aber frei entfalten können. Wobei die Kampagne nicht darauf zielt, in allen Kindergärten auch streng nach Fröbels Ansätzen zu arbeiten.

„Wir unterstützen das zu 100 Prozent, nein zu 1000 Prozent“, sagte gestern JUL-Geschäftsführer Matthias Labitzke. Er erhofft sich durch die Diskussion über den Begriff auch eine höhere Wertschätzung für die Erzieher und damit angesichts des Fachkräftemangels einen Anreiz, den Beruf zu ergreifen.

„Fuchs und Elster“ in Erfurt ist das erste JUL-Haus, das wieder zum Kindergarten wird. Andere brauchen das nicht: Der Fröbel-Kindergarten in Weimar blieb immer einer und verweigerte all die Jahre auch Stempel mit dem Begriff „Kindertagesstätte“.

Die Petition hat bisher mehr als 4000 Unterstützer gefunden, darunter über 3000 in Thüringen. Sie läuft bis 19.Oktober.

Mehr Infos unter www.dieweltsprichtkindergarten.de

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