Besuch im Schachtelmuseum von Helga Schotte

Nach altem Brauch werden am Sonntag vor Ostern Palmsonntagsschachteln gefüllt und verschenkt                                

In ihrem Schachtelmuseum zeigt Helga Schotte nicht nur eine große Auswahl selbst bemalter Palmsonntagsschachteln.Foto: Juvita Weinrich

In ihrem Schachtelmuseum zeigt Helga Schotte nicht nur eine große Auswahl selbst bemalter Palmsonntagsschachteln.Foto: Juvita Weinrich

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Noch stehen sie in einem extra Regal, sorgfältig aneinandergereiht: die kleinen und größeren, runden, ovalen oder herzförmigen, farbenfroh bemalten Spanschachteln mit den von Helga Schotte in stundenlanger Arbeit gemalten filigranen Blumen und Ornamenten. Doch schon bald, spätestens am Palmsonntag, so die Erfahrung der talentierten Künstlerin, werden diese – mit Pinsel, Acrylfarbe und viel Herzblut – von ihr gefertigten Unikate dankbare Abnehmer finden. Denn nach altem, vor allem in Heiligenstadt bekannten Brauch, so führt sie weiter aus, verschenken hier am Sonntag vor Ostern, dem Tag der großen Leidensprozession, nicht

nur Burschen und Ehemänner diese Palmsonntagsschachteln, welche dann traditionell mit Süßigkeiten gefüllt werden.

Und dass dieser Brauch nicht in Vergessenheit geraten ist, daran hat wohl Helga Schotte maßgeblichen Anteil. Denn weit und breit, so ihr Kenntnisstand, scheint sie die Einzige zu sein, welche die kunstvolle Tradition des Bemalens der Palmsonntagsschachteln noch pflegt. Mit wahrer Leidenschaft und viel Liebe zum Detail tut sie das schon seit den 70er Jahren und hat bis heute ihren Spaß daran.

Wenn sie eine Schachtel nach dem dreimaligen Grundieren zu verzieren beginnt, habe sie dabei nie einen genauen Plan oder gar eine Zeichnung. "Die Ideen kommen oft erst während des Malens." Es gebe aber schon bestimmte Muster, die sie immer wieder verwende. So führt sie weiter aus und nimmt nebenbei eine ihrer unzähligen Schachteln, die sie im Laufe mehrerer Jahrzehnte selbst verziert und gesammelt hat, aus dem Regal. Erklärend hierzu zeigt sie dabei ein Randmuster, dessen Blüten sie immer mit exakt 13 Punkten tupft. Stets gleich sei auch der untere Blümchenrand, quasi ihr Markenzeichen, wobei sie auch die aktuelle Jahreszahl sowie ihre Initialen auf der Unterseite der Schachtel nie vergisst.

Ansonsten sei sie schon auch experimentierfreudig und habe die Spanschachteln, neben den verschiedenen Blumenmotiven – meistens sind es Rosen – unter anderem mit Osterlämmern, keltischen Motiven, einem Hahn oder mit der Lutherrose – dieses Motiv sei speziell für Interessierte mit evangelischem Glauben gedacht – verziert.

Auch bei der Farbwahl hat Helga Schotte im Laufe der Jahre immer wieder Neues ausgetestet. So kann man in ihrem kleinen, privaten Museum, welches sie vor zwei Jahren eigens für ihr großes Sammelsurium an Palmsonntagsschachteln eingerichtet hat, beispielsweise auch schwarz grundierte Schachteln bewundern. Der Hingucker hier sind aber zweifelsohne die beiden riesigen, tatsächlich auch zu öffnenden Schachteln in ovaler und Herzform, die sie in den Jahren 2001 und 2010 extra für dekorative Zwecke bemalte.

Schriftzüge findet man auf ihren selbstgefertigten Schachteln eher selten. Doch kleinere Aussagen wie "Aus Liebe", "Wandle auf Rosen" oder "Wohl ist mir nur bei dir" kann man auf den mehr als zehn historischen Schachteln, die sie ebenfalls leidenschaftlich gerne sammelt und extra in einer Vitrine hinter Glas aufbewahrt, bewundern. Eine dieser Schachteln ist mit der Jahreszahl 1908 beschriftet und lässt darauf schließen, dass die ähnlich gestalteten Schmuckstücke etwa genauso alt sind. Auffällig sei auch, dass einige dieser Schachteln, die Helga Schotte ab und an mal geschenkt bekommt, verblüffende Ähnlichkeiten aufweisen und deshalb, so ist sie sicher, wohl von dem gleichen Künstler stammen.

Doch woher die Schachteln auch kommen, Helga Schotte freut sich jederzeit über solche Fundstücke für ihr Museum ebenso wie über Besucher, die gern auch unangemeldet bei ihr klingeln können, dies betont sie zum Abschluss. Neben der faszinierenden Vielfalt an Palmsonntagsschachteln können diese unter anderem auch Möbel und Hausrat mit kreativer Bauernmalerei aus ihrer Hand und nicht zuletzt dutzende, von ihr filigran verzierte Ostereier bewundern. Juvita Weinrich

Kontakt: Helga Schotte, Heimenstein 13 in Heiligenstadt, Tel.: 03606-619390

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