Besucher beeindruckt von Heiligenstädter Herrnmühle

Heiligenstadt (Eichsfeld). Am Deutschen Mühlentag, Pfingstmontag, hatte der kleine Heiligenstädter Verein „Denk Mal Herrnmühle“ – Vorsitzender ist Jens Wagner-Douglas, Stellvertreter ist Michael Werle – nicht nur das Mühlencafé geöffnet, sondern auch zu Führungen in der Wassermühle an der Geislede, einer mehr als 750 Jahre alten Getreidemahlmühle, eingeladen.

Jens Wagner-Douglas beim Besucherrundgang in der Herrnmühle. Foto: Christine Bose

Jens Wagner-Douglas beim Besucherrundgang in der Herrnmühle. Foto: Christine Bose

Foto: zgt

Während bei der ersten Führung die Teilnehmerzahl noch überschaubar war, hatte bald danach fast eine kleine Völkerwanderung in das Gebäude eingesetzt, dessen urkundliche Ersterwähnung 1248 erfolgte. 1318 wurde sie als „Vronemulle“ (Fronmühle) genannt. Hier wurde aus Korn Mehl, bis der letzte Müller, Karl Engelhardt, 1961 den Mahlbetrieb einstellte.

Im Jahr 2011 hat die Stadt das Mühlengebäude erworben und bis 2014 vollständig saniert. Heute dient die Herrnmühle, so die Antwort auf eine Besucherfrage, ausschließlich als Schaumühle, mit einem Technikstand der 1920er- und 1930er-Jahre.

Schaumühle bedeutet: Hier wird nicht das Mehl produziert, das fürs Backen gebraucht wird, damit der Verein seinen Gästen Kulinarisches anbieten kann. Demonstriert wird Jahrhunderte alte Handwerkstechnik, wobei während der Besichtigung ebenfalls jene technischen Teile hinter Glas angeschaut werden können, die bei einem normalen Mühlenbetrieb verborgen bleiben. Würde heute noch gemahlen, wäre mit einer Vermahlungsleistung von zwei Tonnen in 24 Stunden zu rechnen.

Auf mehreren Etagen konnten sich die Besucher informieren, wie einst Futterhafer, Schrot, Grieß und Mehl aus dem mit Pferdefuhrwerken angelieferten Getreide entstanden ist. Wer an der Führung teilnahm, erfuhr, dass die im Trieur, einem Reinigungsgerät, aussortierten sogenannten Rundkörner keine besondere Getreidezüchtung darstellen, sondern für den menschlichen Verzehr ungeeignet sind. Wer möchte schon Unkrautsamen vom Feld als Bestandteil des Kuchens haben?

Und Dunst hat nichts mit einer Dunstglocke über Städten zu tun, sondern ist ein Mahlprodukt (Dunstmehl oder Feingrieß). Besucher, die die Mühle vor Jahren kennengelernt hatten, äußerten sich sehr anerkennend über das Geschaffene. Jens Wagner-Douglas nannte Vereinsmitglied Kurt Haase, „unseren Techniker, der in jeder freien Minute in der Mühle tätig ist“, und Harald Kellner von der Heiligenstädter Kapsmühle. Der Verein hat dem Müllermeister viel zu verdanken, stellt er doch den Hobbymüllern Wissen und Material zur Verfügung.

Neben dem Flyer über die Herrnmühle gab es Gedrucktes zum Mühlen- und Skulpturenweg in der Stadt. Erstmals findet ein Teil der Heiligenstädter Stormtage am 1. und 2. Juli in der Herrnmühle statt, stehen die Stormtage doch unter dem Motto „Zum Mühlenmotiv in der Dichtung des 19. Jahrhunderts“.